Die Klavierstücke vor LICHT aus den jüngeren Jahren des imposanten Rheinländers bedürfen hoher geistiger Anstrengung und sehr viel Hingabe (beim Hörer), zudem sind Kenntnisse ihrer Architektur und der Serialität im allgemeinen nützlich, um sie einigermaßen zu verstehen. Schönbergs Kleinode für Klavier sind dagegen Anfängerkram. Ich muss zugeben, dass ich gescheitert bin. Aber das ist genauso wenig peinlich wie in großer Runde einzugestehen, dass man "Finnegans Wake" nicht verstanden hat. Sehr viele Buh-Rufe muss man da wohl nicht aushalten. Warum ich hier trotzdem ein paar Worte verliere, liegt an Mikrophonie 1 und 2. Hier zeigt Stockhausen (auch für mich nachvollziebar), was er auf dem Kasten hat(te). Allein die Idee verrät den Genius, und das Ergebnis gibt ihm recht. Ein riesiges Tam-Tam wird mit unterschiedlichen Materialien (auch Küchengeräten) bearbeitet und diese Klangergebnisse durch Mikrofone und entsprechende Technik hörbar gemacht. Diese schier unendlichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, werden zu einer Geräuschkomposition, die derart spannend ist, dass mir erstmal der Mund offen stand. Es tut sich da eine Welt von perkussiven Verkratzungen, Schlieren und Säuselungen auf, die bis dato noch niemand gehört haben kann. Mikrophonie 2 verfolgt hingegen einen ganz anderen Ansatz. Die Stimmen eines gemischten Chores werden live in so etwas wie eine Hexenlitanei umgewandelt, elektronisch so verfremdet, dass man meint, mit Erscheinungen aus der Hölle konfrontiert zu sein - das alles jedoch in einem instrumentalen Kontext. Auch hier ist der Effekt unbeschreiblich und mitnichten nur ein intellektuelles Vergnügen (wie sollte das auch gehen), es packt einen unmittelbar, diese Unheimlichkeit...