Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
... gestohlene Stunden in der Kälte einer fatalen Abhängigkeit, 13. Juli 2008
»Die Klavierlehrerin Erika Kohut stürzt wie ein Wirbelsturm in die Wohnung, die sie mit ihrer Mutter teilt.« [Elfriede Jelinek]
Der barocken, verbalen Sintflut in Elfriede Jelineks Romanvorlage begegnet Michael Haneke in seiner Verfilmung dieses psychologischen Realismus mit einem aalglatt vereisten, schonungslos sezierenden und urteilsfreien cineastischen Furor ohne essayistische Reflexionen.
»Gefühle sind immer lächerlich, besonders aber, wenn Unbefugte sie in die Finger kriegen.« [Elfriede Jelinek]
Der Schmerz in der Sprache sowie das Ungeheuere einer Komik sind durch Einstellungen und Montage nicht aufzulösen. Aber als unbarmherziger Visionär fordert Haneke in dieser, fast komödiantischen Parodie eines bildungsbürgerlichen Melodrams zwischen Absolutheit und Destruktion, gnadenlos unser Schauen an, unsere Lust, den Schmerz eines entmenschlichten und zu Gefühlen unfähigen, psychisch verwahrlosten Menschen als Krankheitsgeschichte gleich einem analytischen Skalpell anzustarren.
Grandios schafft es Isabelle Huppert in der Verkörperung von Erika den schmalen Grat zwischen pathologischem und psychischem Krankheitsbild zu halten. In atmosphärisch kalten Wechseln durchläuft und meistert sie die Vielschichtigkeit eines darzustellenden, konterkarierten beruflichen und privaten Daseins in einer Veröffentlichung der Tyrannei des entgleisten ES und einer Vertonung seiner Seele.
»Grausamkeit ist ein Mittel zur Demütigung, und die Figuren können nicht anders. [...] Es gibt in dem Film nur eine Gewalt gegen sich selbst, die sich als Gewalt gegen andere wendet.« [Isabelle Huppert]
... und auch Schuberts Lieder verweigern die Rettung der psychischen Zerstörung.
»Sie geht und beschleunigt langsam ihren Schritt.« [Elfriede Jelinek]
Ein sehenswerter und mehrfach preisgekrönter Film auf einer technisch einwandfreien DVD
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Über das Ausüben von Macht und Kontrolle...., 10. November 2008
Die Enddreissigerin Erika Kohut ist Klavierlehrerin am Wiener Konservatorium. Noch immer lebt sie mit ihrer Mutter zusammen in einer Wohnung, teilt sogar das Ehebett. Dabei ist sie einer ständigen Kontrolle, grossem Misstrauen ausgesetzt. Einerseits ist Erika eine unnahbare, aber selbstbewusst auftretende Zynikerin, die vor allem bei ihren Klavierschülern eine extreme Macht ausübt. Sie legt Schwächen im Spiel schonungslos und kränkend bloss.
Ihre Sexualität findet lustbringend ganz im Geheimen statt, Erika sucht Peepshows und Erotikshops auf. Schaut im Autokino nach Paaren Ausschau, die es miteinander treiben....die Lust ist geprägt von voyeuristischen, autoaggressiven und masochistischen Anteilen. Die Handlungen bleiben seltsam theoretisch.
Mit dem Auftauchen des jungen Walter Klemmer ist die einsame Erika überraschend mit dem Thema Nähe konfrontiert, reagiert zunächst abweisend. Obwohl gleich von Anfang an Feuer in der Luft liegt. Dann kommt es doch zum sexuellen Erlebnis - ein Fallenlassen ist Erika aber nicht möglich. Sie versucht den Ablauf zu steuern, um Kontrolle auszuüben und diese Kontrolle auch nie zu verlieren.
Der junge Mann liebt und muss in einem zweiten Anlauf dann auch noch verkraften, dass die geheimen Wünsche Erikas darin liegen, dass sie körperliche Gewalt spüren möchte....und eh wir uns versehen sind wir in der Hölle angelangt.
Ein verstörender Stoff, den Michael Haneke nach der Romanvorlage von Elfriede Jelinek hier verfilmt hat. Fast schon emotionslos, zumindest aber sehr kühl und pragmatisch, lässt er uns an einem neurotischen Treiben der tragischen Heldin teilhaben, ein Blick auf den Seziertisch.
Dieser Film polarisiert auch sicherlich ganz stark in den Einschätzungen, mancher wird darin ein Meisterwerk sehen, ein anderer wird das Szenario sicherlich auch ekelhaft empfinden.
Diese Wahrnehmung mag das Spiegelbild des Gezeigten sein, der krasse Schlagabtausch, der hier gezeigt wird, lässt aber zu kener zeit kalt. Auf dem DVD Cover steht "obszön, skandalös, pervers" was sicherlich so auch hinkommt. Es ist aber auch eine provokative Auseinandersetzung über die Unfähigkeit vom Ausleben von identischen Gefühlen zur gleichen Zeit - von Machtgebaren und Machtlosigkeit in einer Beziehung.
Die schauspielerischen Leistungen von Isabelle Huppert, Benoit Magimel und Annie Girardot sind sehr beeindruckend, echt und glaubwürdig. Der Film wurde mehrfach mit Filmpreisen bedacht.
Ich fand den Film sehr spannend und interessant. Für Leute, die gerne auch noch am nächsten Tag über den Inhalt nachdenken wollen...
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30 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Übertragung eines Resümees von Dr. Russell Fanelli (USA):, 14. Juli 2005
"Die Klavierspielerin" zeigt uns einige Tage im Leben einer seelisch gestörten Frau, die sowohl Opfer als Täter ist. Isabelle Huppert spielt brillant die Rolle der Erika Kohut, einer Klavierlehrerin mittleren Alters an einem Musik-Kolleg in Wien. Annie Giradot ist nicht weniger effektiv in der Darstellung ihrer dominierenden und wachsamen Mutter. Die zwei Frauen misshandeln einander sowohl physisch als auch verbal. Diese Beziehung stagniert schon lange und gerät in ihre Krise mit dem Fortschreiten des Films. Erika ist nicht in der Lage, die unsichtbaren Bindungen zu zerreißen, welche sie an ihre Mutter fesseln. Stattdessen versucht sie wie ein Kind, das nie erwachsen geworden ist, ihrer Mutter weiterhin zu gefallen zu sein, ist aber zunehmend innerlich getrieben, heimlich sexuelle Phantasien auszuleben. Die Mutter zeigt sich nicht in der Lage, die tief sitzenden Verdrängungsprozesse, von denen ihre Tochter aufgefressen wird, wahrzunehmen. Was sie einzig sieht, ist eine von Wut zerfressene, hasserfüllte Person, von der sie häufig angelogen und betrogen wird. Erikas sexuelle Frustrationen nehmen die Form eines physischen und psychologischen Selbsthasses an. Sie besucht Porno-Shops um sich selbst zu erniedrigen und sie nimmt Verstümmelungen an ihrem Körper vor, um sich abzulenken von der intensiv erlebten seelischen Qual, unter der sie beständig leidet. An ihrer Schule schlägt ihre innere chronische Wut nach außen um in Beschimpfung derjenigen Schüler, die nicht in der Lage sind, das von ihr geforderte künstlerische Niveau zu erreichen. Was aussieht wie die angeberisch aufgeblasene Wichtigkeit ihrer eigenen künstlerischen Fähigkeiten maskiert ihre wirkliche Frustration über ihre pianistische Zweitrangigkeit. Sie ist nicht gut genug, um unter ihresgleichen als Künstlerin anerkannt zu werden. Ihr Hass auf sich selbst und ihr Scheitern als Künstlerin treiben sie dazu an, sich an Schülern und Kollegen gleichermaßen abzureagieren. In diesen siedenden Kochkessel einer Verzweiflung gerät ein junger Student, Walter Klemmer, wundervoll gespielt von Benoit Maginel, der sich mit ihr in Schubert vertiefen will. Zuerst lehnt sie ihn ab, aber auf Druck der Anstaltsleitung muss sie akzeptieren, die Arbeit mit ihm aufzunehmen. Die sexuelle Spannung zwischen Lehrer und Schüler ist sofort offensichtlich und steuert direkt auf eine Kollision zu, vergleichbar einem üblen Autounfall. Am Ende sehen wir Erika und ihren Studenten reduziert auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den menschliche Lebewesen herabrutschen können. Zunächst hat Erika noch Erfolg damit, sich über ihren Studenten zu erheben, aber die Dinge stellen sich auf den Kopf, als sie von ihm abhängig wird. Beide, Lehrer und Schüler, spielen ein Spiel, aus dem jeder Beteiligte nur als Verlierer herauskommen kann. Die im Höhepunkt sich verdichtende Schlussphase und ihre anschließende endgültige Auflösung lassen Erika als tief verwundete, gebrochene Frau zurück. Regisseur Michael Haneke lockt aus allen Darstellern perfekt aufeinander abgestimmte Spitzenleistung hervor, besonders bei Huppert, die großartig in der Titelrolle ist. Haneke hat seinen Film nur für Erwachsene gemacht. Er ist dunkel und verstörend vom Anfang bis zum Ende mit Momenten intensiven Leidens und Verletzens, die wie kaum sonst etwas auf einem Bildschirm real wirken. Huppert als Klavierlehrerin erlebt keinerlei erlösende Phasen in jenem kurzen Zeitraum, der von dem Film abgedeckt wird. Zuschauer, die nach einem angenehmen Zeitvertreib suchen, sind gut beraten, sich etwas anderes auszusuchen; Haneke drückt sich wahrlich nicht davor, die dunkle Seite des Lebens zu porträtieren.
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