In den sechziger Jahren spielte Brendel Beethoven ein. Damals für VOX.
Er hat in seinem Leben sehr viel Beethoven gespielt.
Dieser war einer von seinen favorisierten Komponisten.
Wie spielte Brendel Beethoven mit Anfang dreissig ?
Manuell war Brendel gut ausgestattet. Technisch konnte er spielen, was er wollte. Er hatte neben Beethoven auch viel virtuoses Repertoire, wie Liszt.
Sein Beethoven ist eher " spielerisch", man höre etwa den dritten Satz von op. 10 Nr. 2. Virtuos, transparent. Eher, wie ein weiter entwickelter Haydn.
Brendel war insoweit sicher ein Kontrastprogramm zu Backhaus, der den dramatischen Beethoven gab. Ich räume ein, mich spricht diese Interpretation nicht so an. Wenn ich Brendel etwa mit dem Beginn von op.14 Nr.1 höre, könnte mich eine gewisse Langweile beschleichen.
Dafür steht mir Beethoven zu nah, dass ich solche Gefühle beim Hören dieser Musik haben wollte.
Da die Aufnahmen auch nach vierzig Jahren technisch gut sind, kann man sie durchaus hören, wenn man sie sehr preiswert ersteht ( sie sind auch in der brilliantbox des frühen Brendel versammelt), um die Werke kennen zu lernen. Ich würde sie unter diesem Gesichtspunkt auch Gulda vorziehen, der in der gleichen Dekade eine Gesamtaufnahme der Beethovensonaten machte.
Aber um von Beethoven begeistert zu sein, muss man andere Aufnahmen hören.