Diese vor einem knappen Jahrzehnt erstmals bei EMI erschiene Aufnahme war seinerzeit in nur recht geringer Auflage erschienen, so daß es nicht verwundert, wenn selbst eingefleischten Klavierkennern diese Perle damals entgangen sein sollte.
Der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes spielt die Schumann-Phantasie mit einem untrüglichen Gespür für Schumanns zarte Lyrik und versteht es auf meisterhafte Art und Weise, sinnstiftende Zusammenhänge zu schaffen und diese auch noch nahe der technischen Vollendung zu spielen (auch die gefürchtete Stretta des 2. Satzes ist tadellos). Vielleicht sich kann diese Interpretation nicht ganz mit den allergrößten Einspielungen (z.B. Pollini, Richter oder insbesondere Claudio Arrau) messen, aber viel fehlt ihr dazu wahrlich nicht.
Das echte Juwel ist aber die weitaus seltener zu hörende 1. Sonate in fis-moll. Wo beispielsweise Maurizio Pollini (DGG) eine recht stürmische Deutung des Werkes abliefert, so bevorzugt es Andsnes vielmehr, die ständigen Schwankungen in den Stimmungslagen Schumanns zu beleuchten. Hier werden auf unwiderstehliche Art lyrische (manche Kenner sprachen sogar von "erotischen") Passagen mit unbarmherzig vorandrängenden Ausbrüchen verknüpft. Der zumindest in den Ecksätzen bisweilen fragmentarisch und innerlich zerrissen wirkende Stil Schumanns wirkt bei Andsnes weitaus organischer als man das von den meisten anderen Einspielungen gewohnt ist. Der kantable 2. Satz ist purer Gesang, und auch das Scherzo ist ungemein farbig geraten. Man gewinnt fast den Eindruck, daß sich Andsnes nicht nur vollkommen in den Charakter Schumanns hineinversetzt hat, sondern diesen auch noch derart schillernd gestalten kann, daß es einem die Sprache verschlägt. Der für die Künstler der Romantik so typische Wankelmut zwischen Hoffnung und Verzweiflung ist in dieser Interpretation plastischer und greifbarer denn je geraten.
Da auch die Aufnahmequalität vollauf zufriedenstellend ist, kann man sicherlich behaupten, daß diese Aufnahme einen Höhepunkt in Andsnes' Diskographie (in der es jüngst einige Enttäuschungen gab) darstellt. Fazit: die Sonate ist absolute Referenz (Alternativen: Pollini/DGG oder Gilels/BBC), die Phantasie ist ebenfalls hervorragend und wird nur von ganz wenigen Versionen getoppt. Daher kann hier nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden.