Brahms' Klavierquintett op. 34 gehört zu den Gipfelleistungen der Kammermusik und erfreut sich bis heute trotz seiner Länge und seines nicht gerade einfachen Anspruchs ungebrochener Beliebtheit. So verwundert es denn kaum, daß zahlreiche mehr oder weniger gute Einspielungen dieses Werkes vorliegen, aber kaum eine das Prädikat der Extraklasse für sich beanspruchen kann.
Die hier vorliegende Aufnahme ist allerdings eine der ganz wenigen Interpretationen, die mit Fug und Recht zu den herausragenden Einspielungen gezählt werden kann. Fachkundige Hörer müssen sich fast nach persönlichem Geschmack entscheiden, ob ihnen die Einspielung des Guarneri Quartetts mit Artur Rubinstein (RCA) oder eben diese hier besser gefällt. Während erstgenannte Aufnahme eher durch ein nobles und sehr ausgewogenes Spiel besticht, bringen das Quartetto Italiano und Pollini ein Feuer in dieses Werk, wie ich es noch nie gehört habe. Das aufbrausende und oftmals unvermittelt herausbrechende Temperament diese Werkes wird kraftvoll herausgehoben, während die zurückhaltenderen Stellen sehr innig und bedächtig gespielt werden. Der mysteriöse Beginn des 3. Satzes beispielsweise gerät unglaublich düster, ja fast nervenzerrend, bis die C-Dur-Passage in voller Energie herausbricht. Auch die lange Stretta des letzten Satzes erlaubt keine Atempause und wird von den fünf Musikern konsequent bis zum Ende durchgezogen.
Alles in allem handelt es sich hier also um eine ungemein temperamentvolle und vitale Interpretation, die mehr Wert auf Details legt als etwa bei den Guarneris, die in erster Linie auf kultivierten Klang und homogenen Werkcharakter Werk legen. Letztlich muß der persönliche Geschmack entscheiden, welcher dieser beiden Aufnahmen man den Vorzug gibt; objektiv gesehen sind beide vorzüglich, gehen aber jeweils von einem ganz anderen Ansatz aus. Wer gar beide Versionen schon kennt, der sei noch auf die interessanten Aufnahmen des Janacek-Quartetts (DGG) und des Budapest Quartetts (Sony) verwiesen.