Man soll sich nicht an Bildern aufhängen, auch wenn es schon angesichts des Covers, erst recht in Anbetracht des übrigen Marketings um die Capucons schwer fällt, den musikindustriell vermittelten Eindruck der durchgestylten attraktiven Aufsteigerjungs mit den gewichtigen Brahms-Klavierquartetten in Einklang zu bringen.
Also Augen zu und Ohren auf, denn spielen können sie, und beide Capucons haben einen einnehmenden, warmen, charaktervollen, modulationsfähigen Ton. Nicholas Angelich kann hier auch mit einem weichen Anschlag und wo nötig genügend Attacke überzeugen, nimmt sich auch angenehm zu Gunsten seiner Streichermitstreiter zurück, wo es der zum Teil außerordentlich vollgriffige Klaviersatz erforderlich macht.
Die Streicher tragen mit ihrem Vibrato nicht allzu dick auf, spielen ausdrucksvoll, gesanglich, emotional befriedigend, die Tempi sind für meinen Geschmack völlig adäquat. Einzig der renommierte Kammermusiker und Solist Gerard Caussé behauptet sich, so mein Eindruck, etwas zu wenig, obwohl die Violastimme in allen Quartetten prominente Passagen bietet.
Das ist auch alles, was ich persönlich an der Balance dieser Einspielungen zu bemängeln habe, und sicher, es ist Klagen auf hohem Niveau. Trotzdem, die Formation
Ax/Stern/Laredo/Ma in einer älteren Konkurrenz-Gesamtaufnahme spielt bei mindestens gleicher Intensität für mich noch ein Quäntchen balancierter, und beim g-moll-Quartett gibt es z. B. mit der Extremversion von
Argerich/Kremer/Bashmet/Maisky eine sehr starke Alternative.
Die Aufnahmequalität ist sehr gut, man hört alle Instrumente gut durch, die Räumlichkeit ist natürlich, der Klang voll, aber nicht verhallt. Das Beiheft bietet keine Überraschungen, ist aber inhaltlich völlig in Ordnung. Eine durchaus schöne, empfehlenswerte Aufnahme, auch für Brahms-Einsteiger.