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Lang Lang wuchs unter Gary Graffman auf, einem Horowitz-Schüler, der heute das Curtis Institute of Music in Philadelphia leitet, wo Lang Lang auch wohnt. Daher sein polyphones Spiel und die vielen kleinen Melodien unter der Oberfläche, die sonst meistens von schlackiger Oberstimme im Dauer-Maestoso erstickt werden. Auch wenn Sie das Konzert schon 30 Mal im Schrank stehen haben, diese Aufnahme werden Sie ganz vorne dazureihen. Das Mendelssohn-Konzert ist ein wunderbar romantisch strömendes Werk und zu Unrecht ein Waisenkind des heutigen Konzertbetriebs. Hier zeigt Lang Lang noch mehr seinen singenden, verspielten Klavierton. Im zweiten Satz schafft er geradezu naturalistische Melodiebögen, die wie Regenbogen über einer poetischen Landschaft im Abendnebel stehen bleiben, auch wenn die CD längst aus ist. --Jens-Peter Launert
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Natürlich besitzt Lang Lang - was er schon mit einer, meines Erachtens deutlich besser gelungenen Live-Einspielung des dritten Klavierkonzerts von Rachmaninov bewiesen hat - die nötige Technik für beide auf dieser CD vertretene Konzerte. Dies allein ist in der heutigen Zeit, wo das erste Tschaikowsky-Konzert schon zum Pflichtrepertoire auf internationalen Wettbewerben gehört, jedoch nicht ausreichend. Gerade bei der Deutschen Grammophon sollte eine dort erscheinende Aufnahme auch herausragende musikalische Qualitäten aufweisen. Dies ist bedauerlicherweise jedoch nicht der Fall. Schon im ersten Satz kann Lang zwar mit einer gesunden Portion Spontaneität und durchsichtigem Spiel aufwarten, jedoch erscheinen die grandiosen, triumphalen Momente seltsam blass, die Tempi manchmal erstaunlich langsam. Erst recht nicht konnte er die elektrisierende Spannung aufbauen, die etwa Martha Argerichs Einspielung (ebenfalls DG) kennzeichnet, oder an das majestätische Auftrumpfen von Svjatoslav Richter (auch DG) heranreichen. Den zweiten Satz zerreißt der Pianist ohne Not - der Übergang zwischen dem lyrischen Anfangsteil und dem Scherzo-Schluss ist nur durch ein plötzliches, unmotiviert rasendes Tempo gekennzeichnet, ohne dieses in irgendeiner Weise in den Zusammenhang einzubinden. Schlimmer noch der Schlußsatz: Eine derart unrhythmische Einspielung ist mir noch nicht zu Ohren gekommen. Der junge Chinese verfremdet das Metrum derart, dass man sich in einem anderen Stück glaubt, so willkürlich geht er mit dem Notentext um. Natürlich darf man ihm eine gewisse jugendliche Unbekümmertheit nachsehen, aber seine Interpretation geht doch weit darüber hinaus. Bedauerlicherweise bremst ihn auch der erfahrene, aber reichlich uninspiriert und tranig wirkende Barenboim als Dirigent keineswegs, sondern macht diese musikalische Irrfahrt sogar noch mit. Gerade angesichts von Dutzenden herausragender Vergleichseinspielungen ist ein solcher Fehltritt eigentlich unverzeihlich.
Auch das Konzert von Mendelssohn wiederlegt die Kritik am Spiel des Pianisten nicht. Zwar besticht auch hier Lang Langs makellose Technik, aber alles, was darüber hinausgehen könnte, fehlt leider. Das Werk wirkt nur heruntergespult, ohne es mit Kopf und Herz tatsächlich zu interpretieren. Wo ist die perlende Eleganz von Thibaudet (Decca), das subtile musikalische Gespür von Katsaris (Teldec) oder der funkelnde Spielwitz von Hough (Hyperion)? Nichts davon hört man bei Lang Lang.
Trotz guter klanglicher Qualität ist vom Kauf dieser CD nur abzuraten. Von beiden Konzerten gibt es mehrere (Mendelssohn) bzw. Dutzende (Tschaikowsky) um Welten bessere Einspielungen, von denen einige noch dazu deutlich preiswerter sind. Als Referenzeinspielungen seien hier Argerich/Abbado (DG) für das Tschaikowsky-Konzert sowie Katsaris/Masur (Teldec) für Mendelssohn empfohlen.
Das zweite auf dieser CD enthaltene Konzert ist das 1. von Felix Mendelssohn. Dieses wird eher selten aufgeführt und auch Aufnahmen gibt es lange nicht so viele wie vom Tschaikowsky-Konzert. Doch auch hier muß sich Lang Lang mit Pianisten wie Stephen Hough, Jean-Ives Thibaudet, Andras Schiff oder Murray Perahia messen lassen. Und auch hier ist das Ergebnis eher enttäuschend. Der Pianist geht dieses Konzert mit einer unerklärlichen Schwere an und an den Stellen, wo er trotz Virtuosität den Flügel zum Singen bringen müsste, geht er unerklärliche Wege. Bestes Beispiel: Die Arpeggien im 1. Satz nach etwa 2 Minuten, die er gänzlich ohne Pedal spielt und fast wie Staccato anschlägt! Dies nimmt sämtliche Eleganz aus dem Werk und es droht fast auseinanderzubrechen. Einzig zu Beginn des 2. Satzes ein paar schöne Momente des auch hier lustlos wirkenden Orchesters.
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