Maurice Ravel komponierte seine beiden Klavierkonzerte beinahe zeitgleich. Dabei sah er sich einigen ideellen und formalen Problemen gegenüber, denn er wollte keinesfalls ein Konzert im klassischen Sinne schreiben. So beließ er im Klavierkonzert in G Dur zwar die gängige Satzfolge schnell-langsam-schnell, verwob das Ganze aber derart eng, verknappte den musikalischen Ausdruck ungemein und entfremdete die einzelnen Sätze formal derart, dass wirklich nur noch die Satzfolge an ein Konzert klassischen Schlages erinnert. Dennoch ist dieses G Dur Konzert eher untypisch für Ravel, da es sehr viele melodisch/ romantische Anklänge enthält, vor allem im zweiten Satz.
Der erste Satz beginnt mit einem Schlag aus der Perkussion. Wild ineinander fahrende Bläserklänge eröffnen diesen furiosen Satz. Konzertierende Elemente wechseln rasch mit Orchestertutti mit obligatem Klavier. Befremdend wirkt, wenn man Ravels andere Orchesterkompositionen mit Ausnahme des Bolero kennt, die strenge, beinahe romantische Allgegenwärtigkeit des Hauptthemas.
Der zweite Satz ist eines der am häufigsten eingespielten Stücke des französischen Meisters. Auch in den Jazz hat dieses Adagio Einzug gehalten. Es ist von großer Schlichtheit, subtiler Eleganz und starker Ausruckskraft. Das Klavier dominiert weite Strecken, teils begleitet von den hohen Bläsern.
Das sehr schnelle und kurze Presto des Finals ist am ehesten impressionistisch zu nennen. Klangfetzen huschen am Hörer vorbei, verschwommene Konturen bereichern den ohnehin schon sehr hohen Hörgenuss.
Beim D Dur Konzert, das Ravel eher vollendete als das Klavierkonzert in G Dur, verkappte er das Formale so stark, dass am Ende nur ein einzelner Satz dabei herauskam. Weiterhin sah er sich dem Problem gegenüber, dass er es für einen Kriegsveteranen komponierte, der seinen rechten Arm verloren hatte. Dieses vermeintliche Manko kaschierte Ravel so, dass es kaum auffällt: Der Klang des Klaviers, auch in den Kadenzen, ist stets voll, markig und ausfüllend.
Das Hauptthema des Konzertes entwickelt sich, anders als im G Dur Konzert, sehr träge, langsam und leise im Bass - nämlich in den Kontrabässen und im Kontrafagott, bis es schließlich lautstark anschwillt und im vollen Orchester dargeboten wird. Weiterhin ist dieses Konzert wesentlich düsterer und trauriger als sein Schwesterwerk, dafür aber auch wesentlich impressionistischer geprägt.
Nach dem Orchesterritornell setzt mit trotziger Wucht das Klavier zur Kadenz an. Es entwickelt dabei hinreißende Nebenthemen. Der dritte, schnelle Teil des Konzertes ist voluminös und erzeugt zahlreiche verwaschene Klangkonturen.
Zum Schluss fällt das Konzert quasi zurück in seine anfängliche Lethargie, gipfelt in einer kurzen Marschsequenz und versiegt schließlich.
Als Zugabe finden sich die Valses nobles et sentimentales auf dieser CD, ein Skandalerfolg Ravels. In einem seiner besten und zugleich impressionistischen Werke gibt er eine Hommage an seinen geliebten Walzer, den er durch verschiedene Tempi und Stimmungen schickt.
The Cleveland Orchestra (G Dur Konzert und Valses) und das London Symphony Orchestra (D Dur Konzert) unter der Leitung von Pierre Boulez zusammen mit Krystian Zimerman bringen eine brillante, klangtechnisch perfekte Aufnahme zustande, die ihresgleichen lange suchen wird. Jede noch so schwierige Passage meistert der geniale Zimerman mit Leichtigkeit. Der Impressionismus Spezialist Boulez rollt dem Hörer einen wunderbar farbenfrohen Klangteppich aus, der die Musik nicht nur durch die Ohren zum Erlebnis macht, sondern auch vor dem inneren Auge.