Aus der Amazon.de-Redaktion
Valéry Afanassiev, der "tiefgründige Tausendsassa", der ganz offen ausspricht, dass er die Welt retten will, lässt uns wieder einmal staunen: Mit einer vorherrschenden, fast provozierenden Langsamkeit, die aber nie zu Langatmigkeit wird, durchreist der Pianist auf dieser von Oehms Classic produzierten Doppel-CD Beethovens Klavierkonzerte Nr. 3 und 5. Die Liveaufnahme aus dem Großen Saal des Mozarteums in Salzburg besticht durch Räumlichkeit, Wärme und klare Konturen. Afanassievs Tongebung ist geradezu fantastisch, er scheint die tiefsten Tiefen der Klangmöglichkeiten auszuloten, ohne dabei auch nur annähernd der Künstlichkeit zu verfallen. Spontanität und Logik gehen bei ihm Hand in Hand.
Der Beginn des Klavierkonzerts Nr. 3 in c-Moll wird vom Mozarteum Orchester unter der Stabführung von Hubert Soudant mit Zurückhaltung, aber umso unheimlicher interpretiert. Das Anfangsthema in c-Moll kommt wie eine schleichende Katze daher, langsam aber konzentriert. Gespensterhafte Spannung entsteht so bis zum ersten Klaviereinsatz. Afanassiev spielt die Wiederholung des Anfangsthemas nun sehr dominant und klar, um ebenso schnell wieder auf sanften Pfoten daherzukommen. Eine Überraschung folgt nun der anderen, ohne auch nur einmal in Effekthascherei abzudriften. Der zweite Satz ist an Langsamkeit, Schönheit und Innigkeit kaum zu überbieten. Afanassiev schlägt nicht an, er liebkost die Tasten, ohne kitschig zu werden. Das Orchester spielt schwermütig und wunderschön. Im abschließenden "Rondo-Allegro" trumpft der Pianist mit Brillanz und Klarheit auf.
Das 5. Klavierkonzert in Es-Dur beginnt mit einem Allegro, das für sich fast wie ein ganzes Klavierkonzert wirkt. Orchester und Solist ziehen die Spannungsfäden geschickt durch die sich ineinander verwebenden Themen. Der Anfang des "Adagio un poco mosso" spielt Afanassiev so melancholisch und traumverloren wie nur möglich. Umso erfrischender wird dann das nach einem genialen Übergang direkt anschließende Rondo und Allegro interpretiert, mündend in ein feuriges Finale. Dirigent und Orchester, aber vor allem das Phänomen Valéry Afanassiev -- ein großes Erlebnis! --Rudolf Kamm