Zum Marketing vorab: der Pianist grösser gedruckt als der Komponist, das Orchester fast gar nicht erkennbar. Das ist heutiges Marketing, aber schlechtes. Dazu ein Künstler, der sich selbst gar nicht vermarktet. Im dazu gehörigen Trailer spricht Kremer, der gar nicht mitspielt, nicht hingegen der Pianist und Leiter.
Er dirigiert selbst ? Im Trailer ist davon nichts zu sehen, keinerlei Kontakt zwischen Pianist und Orchester. Vielleicht spielen die fabelhaft alleine ?
Die Aufnahme nun: Sie wird sehr freundlich aufgenommen:"Kissins Mozartspiel ist alles andere als revolutionär, aber auch alles andere gedankenlos. Am wichtigsten: jede Phrase spricht oder singt, öffnet oder schließt sich, hat Sinn und Ziel." meint Neuhoff von BR Klassik.
Unbestreitbar ist Kissin ein grosser Pianist.Mozart ist allerdings eine besondere Herausforderung.Mit Technik ist ihm nicht beizukommen,zu schwer für Pianisten, meinen Gieseking, Anda und Schiff, der dafür plädiert, den naiven Zugang zu dieser Musik zu nicht vergessen. Ich konnte mich gerade wieder beim Beethovenfest davon überzeugen, wie sehr er das in seinem Spiel realisiert.
Diese Naivität fehlt dieser Aufnahme. Kissin schaut schon auf dem Cover so grimmig und er spielt so " bedeutend". Verloren gehen dabei Grazie und Anmut, und auch speziell bei KV 595 die Wehmut, die so unnachahmlich Clara Haskil ausdrücken konnte. Bei Kissin klingt dies viel zu "irdisch". Dieser Zugang trifft aber auch das andere Konzert KV 466 nicht wirklich. Weder orchestral, man höre einmal Markevitch, noch im Klavierpart. Den dunklen, fast dämonischen Zugang hat eher eine Martha Argerich.
Ich kann diese Neuerscheinung nicht als wirkliche Bereicherung empfinden.Das haben andere in allen Belangen schon überzeugender gemacht.