Man hört die ersten Takte des d-moll Konzertes und denkt, nun, das kenne ich aber viel dramatischer,ob es nun von Reiner mit Rubinstein oder von Monteux mit Katchen ist.
Ab diesem Moment beginnt das Problem, unvoreingenommenen Hörens. Voreingenommen höre ich dann, der Pianist passt zu diesem Konzert. Die elegischen Teile kommen gut, die dramatischen viel zu wenig ausgeprägt,sowohl von der Härte, die 1859 erschreckte, als auch von der Dynamik, wenn ich an die Aufnahmen mit Katchen oder Gelber denke, die vor Jahrzehnten Maßstäbe gesetzt haben, die schwer zu erreichen sind. Das d-moll-Konzert ist ein " wildes" Jugendwerk von Brahms.Lyrische Teile sind enthalten, aber sie prägen das Konzert nicht.
Das kann man natürlich auch ganz anders sehen:"But this beautifully paced collaboration between Nicholas Angelich and Paavo Jarvi perfectly catches the balance of intimacy and grandeur."
Ich bevorzuge die Sichtweise auf die dramatischen Aspekte des Konzerts, die mir in dieser Aufnahme eindeutig zu kurz kommen.
Nicht ganz unähnlich die ungarischen Tänze. Teilweise mit wunderbarem Anschlag, aber das Fetzige geht ihnen ab. Da, wo sie eher an das Spätwerk von Brahms erinnern,wie beim Andantino fis-moll, sind die Pianisten in ihrem Element. Andere Duo lassen es bei diesen Stücken ganz anders " krachen"-mindestens bei denjenigen, die uns wohlbekannt sind. Eine zu vornehme Behandlung nimmt ihnen einen Teil ihres Erfolgs.
Ein wenig enttäuscht,ich muss es einräumen, bin ich von Angelich, nachdem er ein so wunderbarer Pianist bei den Brahms-Trios mit den Capucons war und ich dachte, aha, ein neuer grosser Brahms-Spieler.
Für diese Werke jedenfalls nicht.