Horowitz spielte das 3. Klavierkonzert von Rachmaninoff mehrfach und unter verschiedenen Dirigenten ein, wobei die meisten Aufnahmen aus einer Zeit vor dem sensationellen Comeback im Jahr 1965 stammen (wie etwa 1930, 1940, 1951). Als Horowitz 1965 wieder zurückkam, um die großen Konzertsäle auf der ganzen Welt wie im Sturm zurückzuerobern, mußte man feststellen, daß ein neuer Horowitz zu hören war, der nun nicht mehr nur der donnernde Wirbelwind früherer Zeiten war, sondern vielmehr mit einer immensen Palette von Klängen und Nuancen zu überzeugen wußte. Somit sind die Unterschiede zwischen seinen Interpretation des 3. Klavierkonzertes sehr beträchtlich, wobei wir es hier mit einer etwas späteren Aufnahme zu tun haben.
Im Vergleich zu den früheren Aufnahmen nimmt Horowitz ein etwas langsameres Tempo (mit großer Betonung auf "etwas", denn in der Tat ist es immer noch recht zügig, was uns der Meister bietet.) An manchen Stellen gibt es Temposchwankungen, welche ein wenig manieriert klingen. Imposant sind jedoch die schweren Akkordstellen des Konzertes, welche Horowitz immer noch unvergleichlich mächtig zu donnern weiß und welche dem Zuhörer das Herz still stehen lassen (man höre sich nur einmal den Höhepunkt der Kadenz im ersten Satz an). Und daß Horowitz auch mit den verschiedensten Klangfarben spielen kann, das zeigt er in den lyrischen Passagen des Konzertes zu voller Genüge. Horowitz macht keinerlei Kürzungen wie er es früher zu tun pflegte, wobei man leider anmerken muß, daß diese Aufnahme nicht ganz so kompakt klingt wie in früheren Zeiten. Das Orchester unter Oramandy klingt großartig, man hört Stimmen, welche man unter anderen Dirigenten nicht auf diese Weise hört. Insgesamt also ein hochemotionales und spannungsgeladenes Spiel und eine gelungene Darstellung des gigantischen Klavierkonzertes, der Jubel und der tosende Applaus des Publikums sind daher völlig verständlich und berechtigt.
Persönlich finde ich es ein wenig schade, daß Horowitz niemals die "ossia"-Kadenz einspielte, man mag schaudern bei dem Gedanken, was Horowitz wohl aus solch einer kraftvollen Kadenz gemacht hätte...