Das breite Spektrum von Einspielungen der Klavierwerke Frédéric Chopins wäre sicher ein unerschöpfliches Thema. Kaum ein Komponist wird von den hochrangigen Pianisten so unterschiedlich interpretiert. Fast alle von ihnen versuchen sich an dem unvergleichlich romantischen Musikpoeten, doch nur sehr wenige Künstler können Chopins Sentiment wirklich in die Nähe gelangen. Eine der bedeutensten Aufnahmen stammt aus dem Jahre 1983. Begleitet vom Chicago Symphony Orchestra macht Ivo Pogorelich aus dem Klavierkonzert Nr. 2 ein Ereignis.
Unter Claudio Abbados Stabführung vollbringen die Interpreten ein einzigartig feinfühliges Wechselspiel der Instrumente. Hören Sie nur einmal genau hin beim unvergesslichen 2. Satz, dem Larghetto: Die Zeit scheint still zu stehen, wenn der Ausnahmepianist die Tasten seines Klavieres anschlägt und sich der seelenverwandte Dirigent in diese Einspielung von berührender Kantabilität einfügt. Ich habe mich an anderer Stelle sehr enthusiastisch über Artur Rubinsteins Auffassung geäußert, doch jeder Liebhaber großer Tastenkunst sollte auch Pogorelichs Version einmal gehört haben.