Felix Mendelssohn-Bartholdy war ein hervorragender Pianist und Dirigent und verkehrte regelmäßig mit seinen Zeitgenossen Schumann, Chopin und Liszt, mit denen er zeit seines - zu kurzen - Lebens in Freundschaft verbunden war. So sind die beiden Klavierkonzerte sowie das auf dieser Aufnahme ebenfalls eingespielte Konzert für Klavier und Streichorchester als Gebrauchsmusik für den konzertierenden Virtuosen konzipiert; Mendelssohn selbst sah sie - in weiser Selbsteinschätzung - nie als eine Fortentwicklung etwa der Konzerte Beethovens an. Alle drei geben dem Solisten reichlich Gelegenheit, seine technischen Qualitäten unter Beweis zu stellen, wenngleich nie so ostentativ wie etwa bei Liszt. Vor allem ein Höchstmaß an Geläufigkeit, also größtmögliche Anschlagskontrolle auch in schnellen Passagen zur Erzielung eines gleichmäßigen, perlenden Spiels ist bei Mendelssohn gefragt. Jedoch stellen die Konzerte weit mehr da also bloße „Gebrauchsmusik", ist doch die Interaktion von Klavier und Orchester hervorragend gelöst und eine ähnliche geschmackvoll-ausbalancierte Pianistik erst bei Saint-Saëns wieder zu finden.
Der französische Pianist Cyprien Katsaris besitzt die nötigen musikalischen und technischen Qualitäten, um das Anhören dieser Werke zu einem wahren Genuss zu machen: Eine fabelhafte, auch heute äußerst selten anzutreffende entspannte, auch absurde Geschwindigkeiten mit einer beeindruckenden Nonchalance meisternde Virtuosität (man höre sich einmal den Schlußsatz des ersten Konzerts an - „Presto", fürwahr!), gepaart mit untrüglichen musikalischen Instinkten, die Brillanz nie zum Selbstzweck werden lassen. Verglichen mit Katsaris klingt selbst der vorzügliche Thibaudet (Decca) etwas blaß, ganz zu schweigen von der jüngst vorgelegten, uninspiriert wirkenden Einspielung Lang Langs (DG). Katsaris' Fähigkeit zu singendem, in bestem Sinne kantablen Spiel zeigt sich wiederum in den mittleren Sätzen der Konzerte, die auch vom warm intonierten Flügel profitieren. Wie überhaupt die gesamte Akustik des Gewandhaus in Leipzig die Werke förmlich aufblühen läßt. Überdies wird Katsaris hervorragend durch das Gewandhausorchester unter Masur begleitet, die den Pianisten präzise, reaktionsschnell und mit großem Einsatz unterstützen.
Dies gilt ebenso für das abschließende Konzert für Klavier und Streichorchester, welches eigentlich nicht zur Drucklegung bestimmt war und vom Komponisten für seine häuslichen Sonntagskonzerte bestimmt war. Hier zeigt sich eine große Nähe zu Bach und Mozart, jedoch auch eine ansatzweise Beliebigkeit, die die wesentlich einfallsreicheren Klavierkonzerte deutlich übertreffen. Katsaris wird diesem - selten gespielten - Werk jedoch ebenfalls hervorragend gerecht und legt vor allem im ersten Satz des öfteren einen erfrischenden, augenzwinkernden Spielwitz an den Tag; dabei hätte allerdings eine weniger direkte Aufnahmetechnik dem Klavier etwas die Härte nehmen können.