Die beiden Klavierkonzerte von Felix Mendelssohn gehörten im 19. Jahrhundert zu den beliebtesten Werken ihrer Gattung. Leider sind sie seit Jahrzehnten ins Hintertreffen geraten; kaum ein bedeutender Pianist hat sie im Plattenstudio aufgenommen. Erst in neuerer Zeit haben die Werke wieder das Interesse hochrangiger Interpreten gefunden: Murray Perahia (Sony), Cyprien Katsaris (Teldec) und András Schiff (Decca).
Die hier besprochenen Aufnahmen sind wesentlich älter: Rudolf Serkin hat sich zeitlebens als Anwalt für Mendelssohns Konzerte verstanden und hat sie 1959, schon in Stereo, auch auf Platten verewigt. Als Partner wählte er sich den Dirigenten Eugene Ormandy, und das war eine gute Entscheidung. Serkin läßt seine Liebe zu dieser Musik in jedem Takt deutlich spüren, vor allem die langsamen Sätze werden mit großer Innigkeit und Beseeltheit gestaltet. Daß Rudolf Serkin ein ganz überragender Künstler war, brauchte er nicht mehr unter Beweis zu stellen, aber es bleibt festzuhalten, daß er hier sich zwei weitere Denkmäler gesetzt hat, die von ihrem Glanz auch nach fast einem halben Jahrhundert nichts eingebüßt haben. Gekoppelt sind die Klavierkonzerte mit der 1958, also ein Jahr früher, entstandenen Aufnahme des Mendelssohn'schen Violinkonzertes durch den Solisten Isaac Stern, ebenfalls begleitet von Eugene Ormandy mit dem Philadelphia Orchestra. Stern hat das Werk noch mehrmals aufgezeichnet, aber hier hat er sich selbst übertroffen. Sein Geigenspiel ist lupenrein, den letzten Satz läßt er abbrennen wie ein Raketenfeuerwerk. Eine einmalige Leistung!
Die Koppelung ist sinnvoll, der Käufer erwirbt eine randvolle CD mit unvergänglichen Interpretationen. Klanglich gibt es kleine Einbußen, die sind aber bei der musikalischen Qualität leicht zu verschmerzen. Ein gutes Textheft liegt bei. Bestes Preis-/Leistungsverhältnis. Kaufen!