Pollini hat die beiden Brahms-Konzerte bereits in den 70ern mit den Wiener Philharmonikern unter Böhm (Nr. 1) bzw. Abbado (Nr. 2) eingespielt. So entstanden Aufnahmen voller perlender Energie und jugendlicher Frische. Bei der vorliegenden Neuaufnahme mit den Berlinern unter Abbado spürt man eine Weiterentwicklung, ein Gereift-Sein. Die spätromantischen und nachdenklichen Aspekte werden stärker betont; das Dynamik-, Stimmungs- und Farbenspektrum ist reicher geworden. Die verbesserte Aufnahmetechnik kommt dem sicherlich auch zu Gute.
Ein einziger kleiner Kritikpunkt ist der Beginn des ersten Satzes im zweiten Konzert, das Horn hinkt -- deutlich hörbar -- dem einsetzenden Klavier kurz um eine Achtelnote hinter. Da es sich aber um Live-Aufnahmen handelt (übrigens fast ohne Hintergrundgeräusche!), kann man ein Auge zudrücken. Zumal beide Konzerte hier auch von einer gewissen Spontaneität profitieren, die bei vielen Studio-Aufnahmen weniger zu spüren ist.
Daher fünf Sterne für eine sehr interessante, durchgängig brillante Einspielung, die man guten Gewissens empfehlen kann.