Eine Auswahl von 14 großen Pianisten fällt notwendig subjektiv aus. Dennoch haben sich viele Käufer des "Klavier-Kaiser" die Augen gerieben, als sie feststellten, dass Svjatoslav Richter fehlte. Andererseits war Daniel Barenboim, den viele nur noch als Dirigent wahrnemen, in der Auswahl als Pianist vertreten.
Insofern war die Ergänzung mit 5 weiteren Klaviervirtuosen, die Kritikerpapst Joachim Kaiser jetzt vorgelegt hat, wirklich notwendig. Diesmal ist Svjatoslav Richter mit von der Partie, ebenso Emil Gilels, Alfred Cortot, Sergej Rachmaninow und der hierzulande kaum bekannte Amerikaner William Kapell, eine echte Entdeckung.
Die Auswahl der Einspielungen ist souverän und stringent wie immer. Kaiser achtet darauf, dass es bei den Werken zu keinen Überschneidungen kommt, auch nicht mit Teil I. Es ist also nach wie vor nicht möglich, innerhalb der Edition dieselbe Komposition im Interpretationsvergleich von zwei verschiedenen Pianisten zu hören.
Ein kleiner Wermutstropfen: die mündlichen Erläuterungen von Kaiser, die wir von Teil I her gewohnt sind, hat er sich diesmal geschenkt. Das letzte Klavierstück der CD ist verklungen, man wartet auf Kaisers "Liebe Zuhörer", und es kommt nichts, rein gar nichts, die CD ist zu Ende. Schade, die Erläuterungen mit Musikbeispielen, wo man mit der Nase auf die Besonderheiten des jeweiligen Pianisten gestoßen wird, vermisst man doch schmerzlich.
Joachim Kaiser hat das letzte Wort seiner Pianistenauswahl sicher noch nicht gesprochen. Auch eine Auswahl von 19 großen Pianisten (14 aus Teil I und 5 aus Teil II) weist große, sehr große Lücken auf, man vermisst Clara Haskil und Geza Anda, unter den Lebenden Rudolf Buchbinder und Andras Schiff. Und so bleibt nur, auf weitere Teile dieser Anthologie zu hoffen.
Oder sich seine eigene Auswahl zusammenzustellen.