Andreas Maier (*1.9.67) ist ein deutscher Schriftsteller, der über Thomas Bernhard promoviert hat (ihr erinnert euch sicher noch an 'Holzfällen' und 'Der Untergeher' aus einem der letzten Blogs) und seine Romane erinnern im Stil und Ton auch sehr an eben Bernhard. Ich hab bisher Wäldchestag, Kirillow und eben jetzt Klausen gelesen. Er nimmt sich immer ein relativ unbedeutendes Ereignis und beleuchtet das aus allen Seiten. Er erzählt im Stil einer Reportage oder eines Berichtes, der mündlich erzählt wird. Später beim Textbeispiel wird es vielleicht klarer.
Klausen ist ein kleiner Ort in Südtirol, an dem eine 'Tat' begannen wird, die eher unbedeutend ist oder zumindest nur lokale Bedeutung hat, und die im Zusammenhang mit der durch das Eisacktal verlaufenden Brennerautobahn steht. Maier stellt uns die gesamte lokale Prominenz vor, alles Menschen wie du und ich, also bei Licht betrachtet alles schräge Gestalten, mit Profilneurosen, Alkoholproblemen, ungelösten Sinnfragen, Alltagsproblemen und so weiter. Er begleitet diese Klausener ein paar Tage lang und berichtet uns. Dies, wie bei Maier (und auch bei Bernhard) üblich, in fast nur einem Absatz, fast ohne wörtliche Rede, aber nicht, wie manche (Amazon)-Reszensenten geschrieben haben, komplett im Konjunktiv, sondern nur da, wo es gramatikalisch richtig ist, in der Indirekten Rede, beispielsweise.
Textbeispiel gewünscht? Da:
Der Unterwirt in Feldthurns konnte später niemandem mehr sagen, ob es sich bei seinem Gast mit eindeutiger Sicherheit um Josph Gassner gehandelt hatte oder nicht, Er erzählte, dieser junge Mann habe sich einen sauren Kalbskopf und einen Viertel Roten bestellt, er, der Unterwirt, habe sich das deshalb gemerkt, weil der Gast lediglich ein Glas Wein getrunken, aber den Kalbskopf überhaupt nicht angerührt, sondern blos prüfend angestarrt habe, auf eine sehr auffälligeund absonderliche Weise, so dass er , der Wirt, gefragt habe, ob denn etwas mit dem Kalbskopf sei. Der Mann habe diese Frage jedoch überhaupt nicht beachtet, sondern einen Schnaps bestellt und begonnen, seinerseits nach ganz verschiedenen Sachen zu fragen. Er wirkte dabei dem Wirt zufolge einerseits aufgeräumt, andererseits aber seltsam interessiert. Der Unterwirt erzählte, dass er im Feldthurner Kulturverein sei, daß er dort den Vorsitz innehabe, daß das Schloss Feldthurn eine einzigartige Sehenswürdigkeit sei, daß Feldthurns überdies ein Schwimmbad besitze, und er erzählte alles das allein aus dem Grund heraus, weil der Gast beim Zuhören in immer größere Begeisterung kam.
Ja, so geht das weiter. Gut 200 Seiten, großer Spaß. Unbedingt lesen.