Aus der Amazon.de-Redaktion
Leicht macht er es dem Leser nicht, dieser Andreas Maier: Schon in seinem vor zwei Jahren erschienenen Debütroman Wäldchestag verzichtete er komplett auf den Text gliedernde und die Augen schonende Absätze; zudem gab er alle Dialoge fast durchgehend in indirekter Rede wieder. Diese Qual erspart er uns in seinem zweiten Buch, Gott sei Dank: In Klausen wird in direkter Rede kommuniziert -- das ist ja schon einmal etwas.
Ort des Geschehens ist wieder ein kleines Städtchen in der Provinz: das südtirolische Kaff Klausen eben, in der Nähe von Bozen gelegen. Albrecht Dürer soll von dem Nest anno 1494 zu seinem Gemälde Das große Glück angeregt worden sein; heute dominiert ein gigantischer, auf hohen Stelzen alles überragender Viadukt der Brennerautobahn das Stadtbild. Mehr Wissenswertes gibt es über Klausen kaum zu sagen. Und doch enthüllt uns Maier einen Mikrokosmos von Feindschaften, kleinkriminellen Verstrickungen und bösen Intrigen: Die Ereignisse und das einhergehende Gerede schaukeln sich hoch, und am Ende geht es um nicht weniger als einen ominösen Überfall, Grundstücksspekulationen, Drogenhandel und schlussendlich sogar einen vorgeblichen Versuch von Umweltaktivisten, die Autobahnbrücke zu sprengen. Oder ist doch alles nur Quatsch, dahergeredet und breitgetreten?
Maier entlarvt in seiner Provinzposse auf das Herrlichste die selbstüberzeugte Flach- und Blödheit der Kleinstadtmenschen, deren Horizont nur bis zum Ortsausgangsschild reicht und die doch glauben, Bescheid zu wissen über die Welt. Klausen liest sich, als wären Thomas Bernhard und Eckhard Henscheid -- beides begnadete Karikaturisten der Provinz -- zusammen einen trinken gewesen. Ein großartiger moderner Heimatroman, bei aller Abgedrehtheit sehr wahr und gerade deshalb in höchstem Maße komisch. --Christoph Nettersheim
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"Glänzend konstruiert" findet Rezensent Hubert Spiegel im Aufmacher der Literaturbeilage diesen Roman: ein "hochkomisches Pamphlet wider die Seuche Zivilisationslärm", eine "hintersinnige Apologie der Stille" und eine Kriminalgeschichte zugleich. Autor Andreas Maier gehöre seit seinem Debüt "Wäldchenstag" vor zwei Jahren ohnehin zu den "interessantesten Stimmen der jungen deutschen Literatur". Sein damals begonnenes Projekt, "die Erneuerung des Heimatromans als philosophisch-sprachskeptisches Genre", verfolgt Maier seinem Rezensenten zufolge auch in diesem Roman weiter. Rückwirkend werde der Zeitraum von drei Wochen beschrieben, in dem die Beteiligten innerhalb kürzester Zeit durch verborgene und erfundene Konflikte immer stärker unter Druck geraten. Der Rezensent beschreibt, wie im kleinstädtischen Klausener Klima Verdächtigungen und Unterstellungen den Druck immer weiter erhöhen. Bei der Beschreibung der daraus resultierenden Missverständnisse, Behauptungen, Halbwahrheiten, Lügen und Spekulationen bescheinigt Spiegel dem Autor "Meisterschaft" und ein feines Ohr für das gesprochene Wort. Das "Gerede" hülle alle Menschen in einen Sprachnebel und mache Erkenntnis unmöglich, bringt Spiegel schließlich die Moral von Maiers Geschichte auf den Punkt.
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Pressestimmen
»Andreas Maier ist ein brillanter Sprecher im Konjunktiv. Er kann einen Text höllisch geschickt komponieren. Ein begnadetes Erzähltalent. Er setzt fort was mit seinem Debüt ›Wäldchestag‹ spektakulär begann. [...] Andreas Maier hat ein Gespür für politische Stimmungen und Stimmungsschwünge. Klausen, zeigt er, liegt nicht aus der Welt. Klausen steht für jeden anderen ein bisschen konservativen, ein bisschen korrupten, ein bisschen fremden- und intelligenzfeindlichen Ort. Typisch ist auch das kollektive Misstrauen, das jeden trifft, der das idyllische Nest zu beschmutzen scheint.« (Katrin Grossmann Sächsische Zeitung )
»Andreas Maier entwickelt eine beträchtliche Situationskomik, die, trotz des zynischen Blicks erstaunlich liebevoll mit den Figuren umgeht. [...] Ein raffiniertes Buch. [...] Diesen Namen sollten sie sich merken: Andreas Maier.« (Marius Meller Frankfurter Rundschau )
»Als politischer Roman gelesen, vermittelt das Buch eine bittere Botschaft. [...] Diese Botschaft kommt aber im Gewand hochintelligenter Satire daher [...], deren Schwärze immer auf den Abgrund verweist.« (Eva Leipprand Der Tagesspiegel )
»Andreas Maier gelingt erneut ein fulminanter, witziger Konjunktiv-Overkill. [...] Er arbeitet an einer Ästhetik des Widersprüchlichen. Jeder Eindeutigkeit, jeder Ideologie, jeder Gewissheit wird sofort wieder der Boden entzogen. « (Ulrich Rüdenauer Saarbrücker Zeitung )
»Andreas Maier, Jahrgang 1967, der begabteste Schwadroneur unter den jüngeren Autoren [...] zeigt sich wieder als gewitzter, sprachbegabter Stimmenimitator. Er entwirft [...] das überzeugende Soziogramm des Gerüchts. [...] Literatur und Wirklichkeit fallen auf einmal ineinander, weil die Wirklichkeit nichts als erzähltes Leben ist. [...] Wir erleben überraschend jene Folgen des alltäglichen Gequatsches, die wir uns nur dann bewußt machen, wenn wir dessen Opfer sind. [...] Nach einem ersten Erfolg das zweite Buch zu schreiben, ist bekanntlich schwer, und nicht wenige scheitern daran. Andreas Maier hat die Hürde mit Schwung und Geschick gemeistert.« (Ulrich Greiner Die Zeit )
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Andreas Maier wurde 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren. Er studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und ist Doktor der Philosophie im Bereich Germanistik. Er lebte wechselweise in der Wetterau und in Südtirol. Andreas Maier wohnt in Frankfurt am Main.