Mit diesem Roman des Greifswalder Autors Georg Engel (1866-1931), dessen Werke von den Nazis verbrannt wurden, bescherte uns der Area Verlag eine sehr schöne Wiederveröffentlichung eines vergessen Werkes. 1921 erschienen, schildert der Roman die Kindheit, den Aufstieg und das Ende des legendären deutschen Piraten Klaus Störtebeker. Störtebeker wird gewissermaßen als der erste Kommunist geschildert, der das Joch der Armen brechen und eine neue Gesellschaft aufbauen will. Doch schon hier scheitert das kommunistische Experiment, die Piraten wollen nicht sesshaft werden, rebellieren, und auf einem letzten Raubzug wird Störtebeker gefangen genommen. Die einzige, die seine Idee wirklich verstand, war die Adelige Linda, die - als Knabe verkleidet - Störtebeker begleitet. Ein Mönch, der Störtebeker schon seit der Kindheit kennt, bestätigt ihm jedoch kurz vor seinem Tode die Richtigkeit seiner Idee. Vielleicht wollte der Autor damit ausdrücken, dass der Kommunismus in der Gegenwart funktionieren könnte - was aber auch nicht eintraf, und die Zustände in Störtebekers Kommune spiegeln zum Teil die Zustände der späteren DDR wider, denn Störtebeker muss mit Gewalt und Druck seine Leute im Zaum halten.
Neben diesen ideologischen Hintergründen fesselt der Roman durch seine sehr schöne Sprache. Engel schreibt wie beispielsweise C. F. Meyer, ist mit einem überaus großen Wortschatz immer um das treffende Wort und die richtige Atmosphäre bemüht. Verschlungene, komplexe Beschreibungen lassen das Geschehen plastisch vor einem stehen. Bemerkenswert ist auch immer ein gewisser transzendenter Anteil des Geschehens und der Schilderungen, die mich ein bisschen an Rilke erinnerten, besonders im faszinierenden Prolog. Liebhaber seichter Trivialliteratur lassen deshalb wohl besser die Finger von diesem Roman, wie man auch an den negativen Reaktionen hier merkt. Ansonsten: Lesen, wenn man die historischen Novellen Meyers oder die Romane Dumas' schätzt!