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Klassiker der Religionswissenschaft: Von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade
 
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Klassiker der Religionswissenschaft: Von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade [Broschiert]

Axel Michaels
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Produktinformation

  • Broschiert: 427 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 3 (24. November 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406612040
  • ISBN-13: 978-3406612046
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 14,4 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Das Fach Religionswissenschaft blickt auf 120 Jahre seiner Geschichte zurück. Dieser Band stellt in Kurzmonographien dreiundzwanzig Klassiker der Religionswissenschaft - ihr Leben, ihr Werk und ihre Wirkung - vor. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Axel Michaels, geboren 1949, ist Religionswissenschaftler und Indologe. Er lehrt als Professor für Klassische Indologie an der Universität Heidelberg. Erschienen sind von ihm bisher "Der Hinduismus" (1998) sowie "Klassiker der Religionswissenschaft"(1997).

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Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
In dem vorliegenden Sammelband stellen verschiedene Autoren 23 für die Religionswissenschaft bedeutsame Geistes- und Humanwissenschaftler vor. Die Darstellung folgt einer Gliederung in Leben, Werk und Wirkung, die auch eine wissenschaftstheoretische Einordnung und eine gegenwartsbezogene historisch-kritische Evaluierung einschließt.

Folgende Autoritäten erfahren eine Würdigung: Friedrich Schleiermacher, Friedrich Max Müller, Edward Burnett Tylor, William Robertson Smith, James George Frazer, Sigmund Freud, Émile Durkheim, Max Weber, Aby M. Warburg, Nathan Söderblom, Robert Ranulph Marett, Wilhelm Schmidt, Rudolf Otto, Marcel Mauss, Arnold van Gennep, Carl Gustav Jung, Bronislaw Kaspar Malinowski, Gerardus van der Leeuw, Friedrich Heiler, Joachim Wach, Edward Evan Evans-Pritchard, Victor Witter Turner und Mircea Eliade.

Michaels gesteht ein, daß die Auswahl ein wenig willkürlich ist, und auch viele andere Gelehrte eine Aufnahme verdient hätten. Dennoch ist die Auseinandersetzung mit diesen Exponenten für alle an Geschichte und Standort der Disziplin Interessierten höchst aufschlußreich. Dreierlei wird aus den Biographien deutlich:

Das Fach Religionswissenschaft ist mehr als alle anderen interdisziplinär angelegt. Theologie, Philosophie, Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Anthropologie, Ethnologie, Kultur- und Literaturwissenschaften, Archäologie und selbstverständlich sämtliche Philologien haben in einem Ausmaß zu unserem Wissen über Religion beigetragen, daß die Disziplin seit je Schwierigkeiten hatte (und auch jetzt noch hat!), sich als eigenständige zu konstituieren. Interdisziplinarität - in anderen Fächern ein utopisches Desiderat - ist in der Religionswissenschaft in überoptimaler Weise realisiert.

Schwierig ist die Abgrenzung von der Theologie, die im Verständnis der meisten Menschen "für Religion zuständig" ist, und diese Zuständigkeit auch beansprucht. Das hat durchaus nichts mit "akademischer Eifersucht" zu tun, sondern wurzelt in der Ambivalenz des Forschungsgegenstandes. Religion ist nämlich sowohl ein deskriptives Phänomen, das mit dem methodischen Instrumentarium der o.g. Fächer wissenschaftlich distanziert und werturteilsfrei beschrieben werden kann, als auch ein normatives Phänomen, das als Bekenntnis zutiefst mit dem Wert der eigenen Person verknüpft ist und "eigentlich" nur aus der Erlebnisperspektive der Gläubigen verstanden werden kann. Folge ist eine nicht abschließbare Methodendebatte und ein Dauerstreit um die Legitimität oder Illegitimität von wertenden Stellungnahmen zu religiösen Erfahrungen, Weltdeutungen und Daseinshaltungen.

Die meisten Forscherbiographien sind "gebrochen", zeigen die größte Bereitschaft, sich dem Phänomen Religion neutral, distanziert, beschreibend anzunähern, und kippen dann doch an irgendeinem Punkt in Religionstheologie, Metaphysik und "Wesensschau" um. Forscher, die Distanz und Nüchternheit bewahren konnten (etwa Frazer, Freud, Durkheim, Mauss und Malinowski), werden dagegen sogleich mit dem Reduktionismusvorwurf konfrontiert. Der subjektive Einfluß des Forschers auf seine Arbeit, in anderen Fächern eine relativ neue Problematik, ist in der Religionswissenschaft von Anfang an als grundlegende und unüberwindliche Schwierigkeit erkannt worden.

Der locker und angenehm geschriebene und sogar mit Bildnissen der Forscher versehene Sammelband ist für alle Studenten der Religionswissenschaft Pflichtlektüre und für alle an säkularer Religionsforschung Interessierte eine Empfehlung wert. Wer die wissenschaftstheoretische Problematik verallgemeinern und vertiefen möchte, wird mit großem Gewinn zu folgenden Werken greifen: Kurt HÜBNER: Kritik der wissenschaftlichen Vernunft (1993, 1978¹) und Ruppert RIEDL: Strukturen der Komplexität: Eine Morphologie des Erkennens und Erklärens: Eine Morphologie des Erkennes und Erklärens (2000)
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Format:Broschiert
Die Religionswissenschaft ist eine junge Wissenschaft, die noch immer in den Fakultäten um Anerkennung ringt. Der "Vater der Religionswissenschaft" Friedrich Max Müller (1823-1900) sah sich Ende des 19.Jahrhunderts wiederholt gezwungen, das Unterfangen einer Vergleichenden Religionswissenschaft zu rechtfertigen. "Ich weiß sehr wohl", sagte er, "dass es mir an entschiedenen Gegnern nicht fehlen wird, welche die Möglichkeit eines wissenschaftlichen Studiums der Religionen ...leugnen werden... ." Besonders die Gläubigen und Theologen sahen schon im Namen Religionswissenschaft für ihre Ohren etwas Verletzendes. "Eine Vergleichung aller Religionen der Welt, wobei keine eine bevorzugte Stellung in Anspruch nehmen kann, gilt bei Vielen als gefährlich und tadelnswerth", weil damit die besondere Ehrfurcht unterdrückt werden müsse, die jeder seiner Religion gegenüber hege. Ein Religionswissenschaftler muss sich von dem Absolutheitsanspruch einer Religion und der Vorstellung einer Offenbarung verabschieden, will er als Religionswissenschaftler fungieren. Das dieses nicht immer klappt, ist eine andere Sache. Die Religionswissenschaft beschäftigt sich mit den konkreten Religionen der Vergangenheit und Gegenwart. Sie hat Religion als ein Ganzes im Blick, geht "von außen" an die Religionen heran. Das bedeutet nicht, dass Religionswissenschaft "objektiv" wäre. Jeder Religionswissenschaftler hat ein Vorverständnis von Religion. Religionswissenschaft setzt jedoch keine bewusste Glaubenszugehörigkeit voraus. Im vorliegenden Band werden 23 Klassiker der Religionswissenschaft in Kurzmonographien anhand ihres Lebens, ihres Werkes und ihrer Wirkung dargestellt, gewürdigt und kritisch durchleuchtet. Dabei zeigt sich, dass die so genannten "Klassiker" der Religionswissenschaft immer Fachgrenzen überschritten haben und keine Berührungsängste mit anderen Fachdisziplinen wie Psychologie, Soziologie und Ethnologie hatten. So sind unter den 23 Klassikern auch Gelehrte vertreten, die nicht primär Religionswissenschaftler oder Religionsforscher waren wie Sigmund Freud, Max Weber oder Carl Gustav Jung. Gleichwohl haben diese Gelehrten Religionstheorien aufgestellt, die nachhaltige theoretische Einflüsse erkennen ließen. Zum anderen wollte der Herausgeber Axel Michaels versuchen, "trotz der historischen Anordnung eine Mischung von religionsphilosophischen, -soziologischen, -psychologischen und -phänomenologischen Theorien zusammenzustellen".
All die hier aufgeführten Klassiker sind ein Wagnis eingegangen, indem sie auf "das Ganze" der Religion auswarfen. In ihrer akademischen Furchtlosigkeit waren sie eigenwillig, knochig, sperrig, wie die hier geschilderten Lebensläufe bezeugen. Sie waren persönlich Individualisten, die auch theoretisch ausgesprochen subjektiv waren. Ihre Religionstheorien sind eher Versuche, eine eigene, kritisch-subjektive Sichtweise der religiösen Welt zu entwerfen oder darzulegen. Deshalb waren ihre Theorien immer den kritischen Prüfungen von Verifikation und Logik ausgesetzt, ihre faktischen Aussagen wurden oft empirisch untersucht, ihre argumentativen Verknüpfungen oft genug widerlegt, aber sie sind nicht untergegangen und haben neue Sichtweisen auf den Gegenstand ihrer Forschung eröffnet. Dabei waren die Religionsforscher immer auch Kinder ihrer Zeit, die entweder ein evolutionistisches, funktionalistisches oder substantialistisches Modell der Religion vertreten haben. So bewegte sich die britische, viktorianische Ethnologie des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf dem Boden des Evolutionismus, wonach es verschiedene Stufen der religiösen Entwicklung gibt. Edward Burnett Taylor (1832-1917) zum Beispiel, dessen Theorie des Animismus ein bleibender Beitrag für die vergleichende Religionswissenschaft darstellt, stellte das religiöse Evolutionsmodell auf, wonach es zuerst Animismus gab, aus dem sich dann Fetischismus, Polytheismus und Monotheismus nacheinander entwickelt haben. William Robertson Smith (1846-1894) sah einen Unterschied zwischen Religion und Magie, da die Religion eine öffentliche Institution war, während die Magie für private Angelegenheiten in Anspruch genommen wurde. James George Frazer (1854-1941) baute auf dieser Unterscheidung auf und entwickelte eine evolutionistische Konstruktion, derzufolge die Herrschaft der Magie von der Religion abgelöst wurde, die wiederum von der Wissenschaft abgelöst werden. Robert Ranulph Marett (1866-1943) stellte dagegen seine These vom Präanimismus auf und betonte emotionale anstatt intellektueller Entstehungsbedingungen der Religion. Im Verlauf des Evolutionismus sieht man nach ihm eine weitgehende Ethisierung von Religion. Diese evolutionistische Denkweise ist heute längst aufgehoben worden.
Die Funktionalisten dagegen, der bedeutendste war Emile Durkheim (1858-1917), sahen in Religion ein "solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken, die sich auf heilige, d.h. abgesonderte und verbotene Dinge, Überzeugungen und Praktiken beziehen, die in einer und derselben moralischen Gemeinschaft ... alle vereinen, die ihr angehören". Religion hat eine integrative Funktion. Würde man die Religion lediglich als Glaube oder religiöse Erfahrungen definieren, verlöre man aus den Augen, dass Religion nicht vom Individuum hervorgebracht wird, sondern eine kollektive Angelegenheit ist. Um die Gesellschaft zu begreifen, muss man die Religion studieren.
Für die Substantialisten und Vertreter der Religionsphänomenologie bildet Religion einen einzigartigen und besonderen Gegenstand und ist a priori gegeben, unabhängig von den soziologischen, historischen und geographischen Umständen. Wenn sich schon nicht die eine Religion hinter den Religionen finden lässt, dann sei doch unbestreitbar, dass sich in allen Kulturen zumindest vergleichbare religiöse Erfahrungen, eigene Erlebnisweisen finden. Der Begriff der Heiligkeit oder des Heiligen spielt bei den Religionsphänomenologen eine bedeutenden Rolle. Nathan Söderblom (1866-1931) schrieb: "Heiligkeit ist das bestimmende Wort in der Religion; es ist sogar noch wesentlicher als der Begriff Gott." Rudolf Otto (1869-1937) sprach in seinem Buch "Das Heilige" vom Numinosen als etwas ganz Anderem, etwas Schaudervollem, Übermächtigem und Wundervollem. Aus der Sicht von Gerardus van der Leeuw (1890-1950), der eine Phänomenologie der Religion geschrieben hat, entsteht Religion aus der Erfahrung heraus, mit einer Macht konfrontiert zu sein, die den menschlichen Horizont übersteigt und sich dem Menschen unwiderstehlich stark auferlegt. Mircea Eliade (1907-1986), der die dynamistische Manifestation und Hierophanie des Heiligen konstatierte und postulierte, hält es für unbedingt notwendig, ein religiöses Phänomen "in seiner eigenen Modalität" zu erfassen und "unter religiösen Maßstäben" zu betrachten: "Ein solches Phänomen mittels der Physiologie, der Psychologie, der Soziologie, der Wirtschaftswissenschaft, der Sprachwissenschaft, der Kunst usw. einzukreisen, heißt, es leugnen. Heißt, sich gerade das entkommen zu lassen, was an ihm einzigartig und unzurückführbar ist - nennen wir es den sakralen Charakter."
Alle diese gelehrten, hochintelligenten Religionsforscher bemühten sich in ihrem Werk dem Phänomen Religion gerecht zu werden. Auch wenn sie unterschiedliche Positionen zum Thema Religion einnahmen - religionskritische, religionsethnologische, religionspsychologische, religionsphänomenologische - so verspürten sie alle ein großes Interesse, die Religion als ein historisches, soziologisches, kulturelles, menschheitliches Phänomen, wissenschaftlich zu erforschen und zu verstehen oder mit den Worten von Joachim Wach (1898-1955):"Den Gegenstand der Religionswissenschaft bildet die Mannigfaltigkeit der empirischen Religionen. Sie gilt es zu erforschen, zu verstehen und darzustellen. Und zwar wesentlich nach zwei Seiten hin: nach ihrer Entwicklung und nach ihrem Sein... ." Wer sich also für Religion jenseits von Fundamentalismus und oberflächlichem Religionshass interessiert, wer außerdem einen kurzen historischen Überblick über die Anfänge des Faches Religionswissenschaft erhalten möchte und nicht zuletzt wer Religionswissenschaft studiert oder beabsichtigt es zu studieren, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.
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