...genau, der Titel des Buches ist wohlgemerkt "50 Klassiker Film" und nicht "Die 50 besten Filme" - und grundsätzlich obliegt es zunächst dem Autor, welche Filme er auswählt. Der Autor dieses Buches jedenfalls hat, ohne Frage, sich ausgesprochen Mühe gegeben, was die Auswahl der Filme anbelangt, und er hat sich auch Mühe gegeben ber der Auseinandersetzung mit dem Thema Fílm selbst. Ein Filmliebhaber schreibt über Film, und das ist gut so. Selbsternannte "Kritiker" gibt es ja genug.
Doch Film ist nicht bloß Unterhaltung, es ist Medium und hat als solches auch Verantwortung. Dabei beschränken sich die Beschreibungen der 50 Filme nicht allein auf bloße Inhaltsangaben, wie man das aus manchen anderen Film-Nachschlagewerken kennt. Jeder Film wird nicht nur inhaltlich, sondern auch filmwissenschaftlich analysiert, in Kontext zu damaligen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen gesetzt, seine filmhistorische Bedeutung erklärt.
"Citizen Kane", "Casablanca", "Sunset Boulevard" oder "Frühstück bei Tiffany" als Vertreter des US-Kinos, "8 1/2", "Spur der Steine" oder "Außer Atem" als Beispiele für europäisches Kino - allen Filmen ist zweifellos gemeinsam, daß sie über der Masse der vielen anderen Filme stehen, die vielleicht auch gut sein mögen (und sogar noch viel besser als so mancher neuzeitlicher Blockbuster- und Popcorn-Schwachsinn), aber eben nicht dieses gewisse Etwas, die spezielle Aura besitzen wie ein "Nosferatu", "Vom Winde verweht" oder "Chinatown".
Den einzigen Vorwurf, dem man dem Buch machen könnte ist, daß der Faden in den frühen 80ern aufhört: Der eine oder andere Leser wird sicherlich einen Film aus den 90ern vermissen (die letzten beiden sind "Blade Runner" und "E.T.", beide 1982), wie etwa Brian Singer's "Die üblichen Verdächtigen" - jedoch wie schon eingangs erwähnt, allen wird man es nie gleichzeitig recht machen können, wenn es um eine Festlegung auf eine bestimmte Anzahl von Filmen geht. Aber das ist auch gut so. Und auch die "Bewertungen" der Filme hätte man wegfallen lassen können, noch dazu sie manchmal nur schwer nachzuvollziehen sind.
Das tut dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch. Ein sehr schönes Buch jedenfalls, verständlich geschrieben, informativ und interessant, detailliert und dennoch nicht überfrachtet. Perfekt. Für jeden Cineasten (und jene, die es werden wollen) quasi ein Pflichtkauf.