- Tragik und Liebe als zentrales Leitmotiv in den Werken des großen Richard Wagner -
Wohl einzigartig in ihrer Machart, gibt der kleine Auricula Verlag aus Berlin seit 2001 die Reihe "Klassik(ver)führer" heraus. Nun liegt der Sonderband "Richard Wagner" vor, der dem Hörer eine thematisch in sich stimmige und musikalisch extrem gelungene Einführung in Richard Wagners einzigartiges Werk bietet.
Auf drei CDs, mit einer Gesamtspieldauer von 3 3/4 Stunden, wird dem interessierten Laien das Wagnersche Schaffen anhand von umfangreichen Musikauszügen und begleitenden Kommentaren zu Werk, Künstler, Zeit und Lebensumständen des Komponisten, präsentiert.
"... an keinem anderen Komponisten haben sich die Geister geschieden wie an ihm. Und so polarisiert er die Kunstwelt bis heute. Gläubigen und manchmal zu blind verehrenden Wagnerianern stehen Musikfreunde gegenüber, die gerade vor Wagner zurückschrecken. So umgibt diesen einzigartigen Klangzauberer eine Aura des Schwerverdaulichen, Anstrengenden und Fragwürdigen.", so beginnt das Einführungskapitel.
Doch trotz des bezwingenden Riesenernstes seiner manchmal überlangen und schwergewichtigen Werke und der markerschütternden Intensität seiner Musik bleibt Richard Wagner vor allem der "Sänger der menschlichen Seele", "der Orpheus alles heimlichen Elendes", wie ihn Friedrich Nietzsche einmal bezeichnete.
Auch wenn es manchmal Mühe und Geduld kostet sich ihm zu nähern - der Maler Franz von Lenbach bezeichnete seine Musik einmal als "Lastwagen zum Himmelreich" -, so ist doch der Lohn "jene Erhebung, jenes Glück und auch jener Trost, den eben nur die Kunst spenden kann", wie der Autor treffend feststellt.
Übrigens - auch dies findet Erwähnung - ist Wagner gleichfalls ein Fall für Zahlenmystiker: geboren im Jahr 1813, dessen Quersumme wiederum 13 ergibt, enthält sein Name 13 Buchstaben. An einem 13. Januar, genau 13 Monate vor seinem Tod, am 13. Februar vollendet Wagner sein 13. und letztes Bühnenwerk.
Und 113 unvergleichliche Werke hinterließ Wagner, die allesamt beredtes Zeugnis großer abendländischer Geistes- und Kulturgeschichte sind.
Unvergleichlich auch das emotionale, Schauer erzeugende "Tannhäuser"-Finale, mit dem dieser großartige Klassik(ver)führer schließt.
Inhaltlich richtet sich der Klassik(ver)führer "Richard Wagner" an alle Kulturinteressierte, egal ob Neuling oder Kenner, wohingegen für echte Wagnerianer wohl keine allzu großen Neuigkeiten an den Tag gebracht werden. Vorwissen über klassische Musik ist kaum erforderlich, sondern nur die Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen.
Ein Hörgenuss ersten Ranges ist diese einzigartig kommentierte Zusammenstellung der populärsten Themen aus Wagners Schaffen, in weitgehend chronologischer Anordnung, auf jeden Fall. Sie bietet dem Hörer einen idealen Überblick über die musikalische und persönliche Entwicklung Wagners.
Besonderes Lob gilt der sorgfältigen Musikauswahl, die auch die frühen, seltener gehörten Werke ("Die Feen", "Das Liebesverbot") nicht vergisst.
Ein ausführliches Booklet benennt in der Trackliste neben dem Tag der Uraufführung, auch den damaligen und den auf dieser CD zu hörenden Klangkörper und seinen Leiter sowie die jeweiligen Solisten. Bei Werkausschnitten (einzelnen Sätzen) sind immer alle Satzbezeichnungen aufgeführt und nur die hörbaren fett gedruckt, wodurch der Hörer einen Gesamtüberblick behält und dadurch motiviert wird, vielleicht das komplette Werk zu hören.
Einziger kleiner Kritikpunkt ist die zwar versierte und kenntnisreiche, aber akustisch "blass" präsentierte, immer aus dem Hintergrund zu kommende, etwas zu farblose Stimme von Kammersänger Wolfgang Schmidt.
Fazit:
Auf verständliche, spannende und musikalisch hervorragend ausgewählte und arrangierte Art wird das bewegte und schicksalhafte Leben von Richard Wagner präsentiert. Der interessierte Laie wird anhand von 36 populären Themen, die ausschnittsweise vorgestellt, kommentiert und zueinander in Bezug gesetzt werden, an das Schaffen des genialen Künstlers herangeführt.
Auriculas Klassik(ver)führer "Richard Wagner" verführt im wahrsten Sinne des Wortes und macht Lust auf mehr Wagner.