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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Wir sind zu nichts zu gebrauchen, aber zu allem fähig!", 12. Juni 2009
Endlich ist der neue Roman von Kurt Appaz erschienen! Es ist die Vorgeschichte von "1975", als der kleine Appaz und sein bester Freund Kerschkamp zusammen aufs große Gymnasium kommen - selbstverständlich noch lange vor koedukativen Zeiten. Nicht zu Unrecht heißt der Roman im Untertitel "Bekenntnisse eines ehemaligen Oberschülers": In schnellen und witzigen Bildern wird erzählt, wie Appaz versucht, sich in einer Welt zu orientieren, die gerade im Umbruch ist. Auf der einen Seite sind die noch deutlich faschistoiden alten Lehrer und die Eltern und Nachbarn, die entsetzt von "Beatmusik" und "Stromgitarren" sind und alles, was neu und anders ist, negieren und unterdrücken. Und auf der anderen Seite sind es gerade die Musik und die ersten Hippies, die Appaz und seine Freunde zunehmend Gefallen am großen Traum von der Revolution finden lassen. Schön erzählt ist dabei insbesondere, wie wenig die 1967 und 1968 gerade erst Elf- und Zwölfjährigen eigentlich vom Zeitgeschehen mitgekriegt haben - es gab noch kaum Fernsehen, die Informationen waren spärlich, zu Hause und in der Schule wurde nicht "diskutiert": Rudi Dutschke und die Ideen der APO bleiben damit eher nebulös.
Höhepunkte sind neben den eingeschobenen Reflexionen über die hilflose Überforderung der Eltern und Erzieher vor allem solche Momente wie die Diskusson der "Oberschüler" über den Inhalt von Beatles-Texten - und das in der für Appaz typischen lakonisch-witzigen Schreibe toppt jedes Kabarett. Aber Appaz wäre natürlich nicht Appaz, wenn er nicht seine Erinnerungen auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuern lassen würde, indem er am Beispiel eines Mitschülers aufzeigt, wie dieser an den damals vorherrschenden Strukturen in Schule und Elternhaus kaputtgeht. Erschreckend ist dabei, wie klar sich diese Strukturen auch heute noch wiederfinden, so dass eine solche Geschichte sich unter veränderten Vorzeichen durchaus wiederholen könnte.
Ein pralles Stück Zeitgeschichte, bei dem sich beim Leser, der diese Zeit miterlebt hat, sofort der "Appaz-Effekt" einstellen wird: Ja, genauso war es! Aber Appaz geht weiter, die Erinnerungen sind eingebettet in eine Rahmenhandlung - 33 Jahre nach dem Abitur fahren Appaz und Kerschkamp auf ein Klassentreffen, und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gerät unerwartet außer Kontrolle. Hier wird der Autor im besten Sinne "böse", wenn er sich über Klatschspalten-Stars wie den Ex-Kanzler und die Scorpions lustig macht und plötzlich das bestehende (Schul-) System anprangert und mit der Selbstgefälligkeit der ehemaligen Mitschüler abrechnet, indem er dem Zitat von Erich Kästner folgt: "Wer vergisst, was schlimm war, wird dumm!"
Ich weiß nicht, wie ich den Roman einordnen soll, es ist ganz sicher ein Generationenroman, fast ein bisschen ein Krimi, gleichzeitig aber auch eine klare Stellungnahme zu vielem, was heute schief läuft - vor allem aber ist das Buch verdammt spannend zu lesen! Appaz folgt eindeutig der Idee, dass ein Schriftsteller als Intellektueller die Verantwortung hat, Stellung zu beziehen und "Handlungen nach ihren Ursachen, Motiven und versteckten Absichten zu durchleuchten", um so die Wahrheit zu finden (Chomsky), und entweder man ist fasziniert und begeistert von Appaz' neuem Roman (so wie ich) oder man lässt sich eben weiter vom ansonsten üblichen Einheitsbrei auf dem Massenbuchmarkt verblöden!
PS: Es gibt Appaz übrigens auch auf YouTube zu sehen und zu hören!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klassentreffen, 25. Juli 2009
Danke, Kurt Appaz! (Eine Rezension meines Schwiegervaters in spe)
Hier in Klassentreffen"wird endlich mal meine Generation und mein Leben in den Siebzigern in Hannover beschrieben. Es gibt hunderte von Parallelen in diesem Buch mit meinem Leben, mit den Freunden, der Schulzeit, der Rote-Punkt-Demos und nicht zuletzt der Musik und den Mädels. Es ist zwar kein reines Buch für Männer der 50+ Generation, aber die werden es lieben. Welche Frau mal etwas über Männer erfahren will, sollte es ebenfalls lesen. Die jetzige Krisenkinder-Generation" kann mit diesem Buch ihre Eltern bzw. Väter bestimmt besser verstehen. Also ein Buch für alle, nicht nur für Hannoveraner, aber für die besonders.
Nach diesem wunderschönen Buch habe ich noch das erste Erwachsenen-Buch" von Kurt Appaz 1975 - Das Jahr der Weiber" gelesen. Danke Kurt Appaz - das es dich gibt.
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5.0 von 5 Sternen
Kurt und die Anderen, 2. Juli 2009
Skurill-lustiges Buch aus Hannover,nicht nur für Hannoveraner und nicht nur für 50jährige, auch deren Kinder amüsieren sich sehr bei der Lektüre...Tiefe Einblicke in die Gelüste pubertärer Jungs. Die Sache mit dem Reis hat mich sowohl schockiert als auch fasziniert, aber mehr verrate ich nicht, das sollt ihr mal schön selber lesen!
Es lebe die Revolution!
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