...und das im Jahre 2010. Ganz ehrlich. Wer sich traut in dem Segment noch ein Buch zu veröffentlichen sollte schon wirklich etwas Neues auf den Tisch werfen. Das ist hier aber nicht der Fall. Stattdessen erhält Mann eigentlich nur eine Bestätigung für die eigenen Thesen oder Vorurteile die dann wohl keine mehr sind. Bricht man den Inhalt der ersten Kapitel herunter kommt man zu einem Fazit dass wenig überrascht.
Der Mann mit guten Chancen beim anderen Geschlecht ist gepflegt von Kopf bis Fuß, riecht gut, kleidet sich stilvoll, ist sportlich, hat einen guten Körper, ist großzügig, kein Macho aber auch keine Memme, kann Gefühle zeigen aber ist auch so tough dass Frau sich an seiner Schulter und unter seiner Fittiche geborgen fühlt. Finanziell sollte er wenn möglich zumindest wohlauf sein ob des Sicherheitsfaktors. Und natürlich darf es an Niveau nicht fehlen, gepaart mit gutem Humor und der Fähigkeit sich wirklich gut ins Gespräch einzubringen.
Also - wenn jemanden diese Zusammenfassung noch überrascht verrate er mir bitte welche Farbe der Mond in seiner Galaxie hat.
Diesen Wunschzettel kann ich mir von jeder Freundin, Bekannten und allen "auf der Suche Ladies" anhören - da brauch ich kein Buch. Die Autorin bringt dann natürlich sogar noch das unvermeidliche Beispiel des George Clooney. Spätestens dann fragt sich jeder Mann der zu diesem Buch gegriffen hat ob er nicht doch gerade Frauenliteratur studiert.
Mal ganz davon abgesehen, dass George Clooney sich unentwegt nur mit Supermodels umgibt und schon da die Träume der weiblichen Normalsterblichen auflösen bzw. relativieren sollten kann ich sowas wirklich nicht in einem Buch gebrauchen, dass viel verspricht - und wenig hält.
Der "Wunschzettel" geht natürlich noch ins Detail. Haare auf dem Rücken, igitt! Und Zähne die nicht astrein weiß anzuschauen sind - nogo! Und wenn es bisher mit den Frauen noch nicht geklappt hat kann es auch daran liegen, dass Sie nicht bei der Maniküre und Pediküre waren. Mann Mann Mann... da kann das ja nichts werden. Das dann abzurunden mit dem Tipp "Seien Sie einfach Sie selber"- mag da schon fast spöttisch wirken.
Wollen wir mal kurz den obigen Wunschzettel dem der meisten Männer gegenüberstellen den sie an ein weibliches Wesen haben:
Die Frau mit Chancen beim anderen Geschlecht sieht gut aus und ist zumindest durchschnittlich intelligent, kann zuhören, lässt einen aber auch nicht unentwegt plappern sondern hat auch selbst was zu sagen und - hat denselben Humor und klammert nicht zu sehr, hat also durchaus Selbstbewußtsein.
Wobei manche Männer selbst den letzten Wunsch gar nicht äußern. Nun kann man in der Gegenüberstellung dezent wahrnehmen dass da ein gar arges Ungleichgewicht der Forderungen besteht. So wie wenn sich Fritzi eine Eisenbahn wünscht und Hanna so ziemlich alles was der Spielwarenladen hergibt. Lustig ist in dem Zusammenhang dass dem Mann, der hier eigentlich eher bescheiden daher kommt dies aber auch noch zum Henkersstrange ausgelegt wird. Der klassische Vorwurf: "der ist ja nur auf das Aussehen fixiert" - wie oberflächlich.
Genial oder? Fordere alles sonst wird Dir daraus ein Vorwurf gebaut.
Ohne nun auf Urinstinkte einzugehen die dieses oder jene weibliche wie männliche Grundverhalten erklären möchte ich doch sagen, dass ich gerade von einer Autorin die in diesem Segment zweifellos unheimlich viele Erfahrungen hat mehr erwartet hätte. Insofern ist das was ich anmerke weniger Kritik sondern Bestürzung - denn es zeigt, was wir alle dachten. Nur dass es nun auch noch von einer Frau bestätigt wird.
Der "Klartext" ist also etwas, was uns schon vor dem "Text" "klar" war. Das Flirten aber nicht viel einfacher macht. Ich würde mich freuen wenn ein Mann ein entgegen gesetztes Buch herausbringt. Nicht dass das Pendant mehr Überraschungen bergen würde. Aber es sähe so nett aus wenn dieses dicke Buch hier neben dem ganz dünnen stehen würde. Man hat es eh schon bildlich vor sich. Den Frauen sei dies nicht zum Vorwurf gemacht, es ist nachvollziehbar dass die Wunschliste an ein Gegenüber groß ist. Gerade da man als Frau doch noch irreversiblere Verbindungen eingeht als als Mann. Bur muss Frau auch klar sein, dass Männer im Gegenzug auch nicht bereit sind ihre Wunschliste noch weiter zu reduzieren.
Da mag es manchem holden Wesen unverschämt erscheinen wenn ein etwas dicklicher Glatzenträger der aber voller Humor, Charme, Stil und finanziellem Sicherheitszaun eine Partnerin möchte die optisch vielleicht mehr dem Ideal entspricht als er selber. Die Wunschzettel im Kopf aber ist es doch verständlich und mag auch erlaubt sein. Denn alles wird man nur in den seltensten Fällen bekommen. Und das mag auch gut sein. Denn ein Mann der all die von den Frauen geforderten Attribute erfüllt - sozusagen also den George Clooney Faktor besitzt, der ist sich dessen 100% bewusst und wird aus diesem Bewusstsein heraus auch entsprechend auftreten - und das nicht nur bei einer Frau.
Fazit: Ein Buch dass man sich sparen kann, die undezenten Angriffe auf die aktuellen Aufreisserbücher sind zudem unnötig und wirken wie Revierverteidigungs-Gebell. Dass der Lektor so einige Schreib/Tippfehler nicht beseitigt hat - darüber muss man wohl hinwegsehen. Viele der Bücher dieser Art entstammen dem book on demand und da ist das noch wesentlich schlimmer. Wer sich allerdings gerne nach einem Buch zurück lehnt und sagt "ich hab es ja gewusst" sollte zugreifen.
2 Sterne, weil inhaltlich wahr. 3 weniger weil seit der Erfindung des Feuers hinlänglich bekannt.