Zwischen all den jungen Kammermusikensembles, die in den vergangenen Jahren für Furore gesorgt haben, zählt das Hagen-Quartett - nach inzwischen mehr als 30 Jahren - zu den Veteranen, von denen man eigentlich keine Überraschungen mehr erwartet hatte. Diese CD ist eine - zumindest teilweise:
Das einzige Streichquartett des norwegischen Nationalkomponisten Edvard Grieg ist zumindest hierzulande eine Rarität - leider:
Das Werk lebt von starken emotionalen Kontrasten, die fast an Schumann erinnern, verbunden mit Griegs typischer Klangvorstellung einer norwegischen Nationalmusik. Ein leidenschaftliches, kraftvolles Werk, das es verdient hätte, auch hier in Deutschland häufiger gespielt zu werden. Die vier Musiker betonen die Kontraste, statt sie zu glätten, und schaffen dadurch eine enorm leidenschaftliche, energiegeladene Wiedergabe und ein großartiges Plädoyer für das Werk.
Ein alter Bekannter ist dann das zweite Stück auf der CD, Johannes Brahms' spätes Klarinettenquintett - ein interessanter Kontrast, weil das 13 Jahre nach Griegs Quartett entstandene Werk eben gerade nicht von schroffen Kontrasten, sondern von seinem ebenmäßigen Fluss, seiner altersweisen Melancholie lebt.
Die Hagens werden hier durch den Klarinettisten Jörg Widmann ergänzt, dessen weicher, melancholischer Ton sich perfekt mit dem filigranen Spiel der Streicher mischt - selten habe ich bei diesem Stück eine so gute Balance zwischen den einzelnen Instrumenten gehört. Die fünf Musiker spielen das Werk sehr flexibel, zart und sensibel mit sprechender Artikulation. Besonders der letzte Satz wirkt wie ein einziges langes Gespräch alter Freunde, die in Erinnerungen schwelgen. Eine wunderbare Einspielung.
Eine CD, die man nicht verpassen sollte. Schon jetzt eine der Kammermusik-CDs des Jahres.