Mikhail Pletnev war mir bisher als ganz hervorragender Pianst ein Begriff. Dass er auch als Dirigent aktiv ist, wusste ich bis vor kurzem nicht, wobei ein Blick auf seinen Konzertkalender verrät, dass das Dirigieren mittlerweile den Löwenanteil seiner Arbeit ausmacht.
Diese CD ist der Klarinette gewidmet und dabei treffen sich die beiden Meister der Wiener Klassik schlechthin. Der eine, Wolfang Amadé Mozart hat den großen Maßstab der Klarinettenliteratur gesetzt und gleichzeitig eines der schönsten Stücke der Musikgeschichte überhaupt geschrieben (jedenfalls meiner Meinung nach).
Der andere, Ludwig van Beethoven hat überhaupt kein Klarinettenkonzert geschrieben und für Freunde des gepflegten Nonsens' möchte ich sagen: genau das wurde hier aufgenommen. Ernsthafter: Mikhail Pletnev, ebenfalls als Komponist und Arrangeur tätig, hat das Violinkonzert in D-Dur Op. 61 für Klarinette umgesetzt.
Bleiben wir bei Pletnev/Beethoven: muss das sein? Beethovens Violinkonzert umzuschreiben? Der Komponist selbst hat es als Auftragsarbeit zu einem Klavierkonzert umgeschrieben und damit keinen großen Erfolg gehabt. Schuster bleib bei deinen Leisten und Klarinettisten und z.B. auch Cellisten mögen sich doch bitte damit abfinden, dass bei den Altmeistern ihre Instrumente einfach nicht den Status von wichtigen Soloinstrumenten hatten und man lasse Mozarts Flötenkonzert/Oboenkonzert in Ruhe (siehe Sol Gabetta) und Beethovens Violinkonzert auch!
Ich hingegen sehe das anders - die Version von Mozarts KV 314 für Cello, die
Sol Gabetta aufgenommen hat klingt ausgezeichnet. Das Violinkonzert als Klavierkonzert gefällt mir ebenfalls sehr gut. Ich besitze eine sehr schöne Aufnahme von
Daniel Barenboim. Wie steht es nun um die Klarinettenversion? Klarinette und Violine sind ja von ihren Möglichkeiten der Tonerzeugung doch sehr verschieden, aber für mein Ohr ist es Mikhail Pletnev sehr gut gelungen, daraus ein sehr schönes Klarinettenkonzert zu erzeugen. Es sind nur wenige Stellen, an denen die Klarinette etwas fehl am Platz wirkt - im 1. Satz gibt es eine längere Passage, wo das Soloinstrument länger jeweils zwischen 2 Tönen hin- und herspringt, was bei der Geige längst nicht so eigenartig klingt wie bei der Klarinette, im 3. Satz gibt es eine Sequenz hoher Töne, die auch nicht optimal zum Instrument passen.
Aber insgesamt empfinde ich es als einen absoluten Hochgenuss.
Zum Orchester/Dirigat: der Klang ist füllig, aber nicht überladen, die Tempi adäquat, die Einleitung schleppt sich vielleicht ein wenig zu sehr, das habe ich schon besser gehört (aber auch schlechter) der erste Satz dürfte für meinen Geschmack insgesamt eine Idee schneller sein. Sonst habe ich nichts auszusetzen.
Was neben der schönen Orchesterbegleitung auffällt ist das Spiel von Michael Collins. Ich empfinde seinen Klang als weich und rund, er meistert alle technischen Schwierigkeiten ausgezeichnet und spielt auch sehr ausdrucksstark.
Zu Mozart: ich persönlich finde, diese Aufnahme muss sich vor den Klassikern des Genres, wie z.B. Sabine Meyer, Jack Brymer, Karl Leister nicht verstecken. Sabine Meyer bringt für meinen Geschmack insbesondere die tiefen Töne noch etwas besser zur Geltung (was an der Wahl des Instrumentes liegen dürfte - Bassetthorn bei Meyer), während mich v.a. bei ihrer späteren Aufnahme mit Blomstedt stört, dass sie relativ leise spielt und fast im Orchesterklang untergeht. Collins spielt rund und weich im 2. Satz, wenn er auch die Ausdrucksstärke von Sabine Meyer nicht ganz erreicht, in den ersten beiden Sätzen finde ich ihn absolut tadellos.
Der Orchesterklang ist schlank, aber nicht dünn, differenziert, aber nicht überartikuliert, temperamentvoll, aber nicht gehetzt. Meines Erachtens eine vorzügliche Version.
Absolute Kaufempfehlung (nicht nur) für Klarinettenfreunde.