Mozarts Klarinettenkonzert bedarf wohl keiner eingehenderen Beschreibung mehr. Es ist eines der großen Monumente der klassischen Musik. Die Interpretin Sabine Meyer muss wohl seit Jahren, mittlerweile bald Jahrzehnten zur Weltspitze gezählt werden. Auch auf dieser Aufnahme gibt es kaum etwas zu beanstanden. Die Intonation ist perfekt, Frau Meyer spielt feinfühlig, vermag die Möglichkeiten ihrer Bassett-Klarinette formidabel auszuspielen. Bei aller Qualität ist es auch sympathisch, dass Frau Meyer keine Solistin ist, der die Selbstdarstellung am Herz zu liegen scheint. Sie ist Mannschaftsspielerin, wobei ich hier den einzigen kleinen Kritikpunkt ansetzen möchte. Manchmal ist mir das Soloinstrument auf dieser Aufnahme zu leise. In wie weit das nur an der Solistin liegt und nicht auch am Orchester vermag ich nicht hundertprozentig trennscharf zuzuordnen. Ich finde es nur schade, dass manchmal kleinere Details des Soloparts im allgemeinen "Getöse" untergehen.
Die Orchesterleistung finde ich persönlich im Grunde sehr gut, wobei ich fast präzisieren möchte: mangels Alternativen sehr gut. Die Alternativaufnahme von Sabine Meyer mit Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern klingt im Grunde ähnlich. Bei anderen Aufnahmen mag das Orchester eine Idee besser sein, hier reichen die Solisten wie z.B. Alfred Prinz, Martin Fröst oder Lorenzo Coppola nicht an Sabine Meyer heran.
Hans Vonk und die Staatskapelle Dresden spielen typischen Durchschnittsmozart im Zuckerbäckerstil der Marke Karl Böhm, wobei sie dessen Qualität dabei nicht erreichen. Es ist ein Mozart ohne Ecken und Kanten mit vollmundigem Orchesterklang. Man kann sich das sehr gut anhören, aber dass es besser geht ohne zu rau oder anderweitig extrem zu werden beweist das Freiburger Barockorchester. Hinzu kommt das bereits erwähnte Problem, dass der bisweilen sehr vollmundige Orchesterklang abschnittsweise die Solistin "zudeckt". Sicher nicht schlecht, aber herausragend ist diese Aufnahme nur wegen Sabine Meyer.
Die Alternativaufnahme von Frau Meyer mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado brachte auch keinen großen Fortschritt. Wenn ich einen Wunsch bei Sabine Meyer frei hätte lautete der, sie möge bitte mit dem Freiburger Barockorchester, dem Kammerorchester Basel, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen oder einem ähnlichen Orchester Mozarts Klarinettenkonzert erneut aufnehmen. So häufig es gespielt und aufgenommen wurde, eine rundum zufriedenstellende Aufnahme kenne ich noch nicht.
Mozarts berühmte Sinfonia Concertante mit Violine und Viola als Soloinstrumente ist natürlich vielen bekannt. Dass er mit KV 297b auch noch ein Werk, das sich auf Bläser fokussiert geschrieben hat ist wohl weniger geläufig. Schade, das Stück besticht durch herrlich melodiöse Themen. Die verschiedenen Soloinstrumente, hier: Oboe, Klarinette, Horn und Fagott bringen einen großen Farbenreichtum in das Stück. Alle Solisten (neben Frau Meyer sind dies: Diethelm Jonas (Oboe), Bruno Schneider (Horn), Sergio Azzolini (Fagott)) machen ihre Sache einzeln für sich sehr gut und bewerkstelligen die in diesem Fall sicher extrem schwierige Aufgabe des Zusammenspiels formidabel.
Gesamturteil zu diesem Stück: Herrlich!
In den 80er Jahren entwickelte sich eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit der im württembergischen Crailsheim geborenen Sabine Meyer und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. Dieser 1960 als Nachfolger des Heilbronner Sinfonieorchester von Jörg Faerber gegeründete Klangkörper ist es auch, der Sabine Meyer und ihren Bruder Wolfgang auf dieser CD beim letzten der drei eingespielten Stücke begleitet. Dabei handelt es sich um das Konzert für 2 Klarinetten und Orchester in Es-Dur Op. 35 von Franz Krommer (1759-1831), ein fein melodiös gestaltetes dreisätziges Konzert, mit einem schwungvollen Kopfsatz, einem phasenweise dramatischen, meistenteils jedoch eher lyrischen Adagio und einem verspielten Rondo-Finale. Ich kenne das Stück nur in dieser Aufnahme, was die Möglichkeit der Beurteilung etwas einschränkt. Ein wenig merkt man der Aufnahme ihr Alter an. Nicht alle Höhen sind optimal eingefangen. Der Orchesterklang ist insgesamt etwas dumpf und weniger transparent als man das von heutigen Kammerorchestern gewohnt ist. Inwieweit dies der damaligen Spielweise des Orchesters entspricht oder tatsächlich der Aufnahmetechnik geschuldet ist vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist vom Gesamtklangbild keine Aufnahme, die dem heutigen Klangqualitätsstandard voll entspricht. Doch das macht wirklich nicht viel aus. Es geht da eher um Nuancen. Insgesamt bereitet dieses Concerto sehr viel Freude, was nicht zuletzt an der brillanten Sabine Meyer und dem hervorragenden Zusammenspiel mit ihrem Bruder und dem Orchester liegt.
Insgesamt aber trotz kleinerer Abstricht eine absolute Empfehlung für diese CD! Nahezu ein Muss, wenn sie den Klang der Klarinette lieben.