Viele Sprach-Ratgeber leiden darunter, dass sie mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen. So nach dem Muster: Dududu, das sagt man aber nicht! Weil die wirklich gebildeten Menschen ja diesen oder jenen Ausdruck oder diese oder jene Wendung niemals verwenden würden; das sei ja unter ihrer Würde.
Das Schöne, Erfrischende, ja geradezu Befreiende ist an Reiters Sprach-Ratgeber - der eben ein Sprach-Ratgeber für alle, nicht nur für Manager sein will - , dass er wunderbar aufzeigt, wie ein guter Sprech- und Schreibstil nicht vorrangig etwas zu tun hat mit guten Manieren, sondern mit Nützlich- und Notwendigkeit. Der Autor legt dar, dass es schlicht die Art unserer Gehirnwindungen ist, also die Arbeitsweise unseres zweitwichtigsten Organs, die die Regeln unserer Kommunikation bestimmen sollte. Und unser Hirn kann nun mal viel leichter klare, gut konstruierte, bildhafte, konkrete, aktive Sätze verstehen als jenes Schwurbelchaotendeutsch, das uns normalerweise Tag für Tag von Wirtschaft, Politik, Talkshows, aber auch Kulturbeflissenen vorexerziert wird.
Reiters Buch ist also kein Appell der üblichen Sorte: Bittbitte, sprecht doch mal klarer! Sondern er ist der ganz zurückhaltende Hinweis: Sprecht klarer, denn das wäre besser für Euch! Das hat mir gut gefallen. Denn es überzeugt vielleicht dann doch die Führungshengste und Kommunikationskräfte an ihren Schreibtischen, dass anschauliche Sätze schneller zum Ziel führen. Und noch dazu hat "Klardeutsch" nicht nur Nutz-, sondern auch Unterhaltungswert.