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Klaras Nein. Tagebuch-Erzählung
 
 
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Klaras Nein. Tagebuch-Erzählung [Gebundene Ausgabe]

Soazig Aaron , Grete Osterwald
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lesezeichen Im Namen der Wolken Soazig Aaron erfindet Fragmente der Wirklichkeit Darf man Auschwitz erfinden? Wenn Auschwitz im Medium der Literatur gefunden werden soll, dann muss es wohl durch jene «Phantasie für die Wahrheit des Realen» (Goethe) noch einmal entstehen. Dass Auschwitz damit eine Frage der Artistik wird, ist prekär wie notwendig, soll es als ein furchtbarer Kontinent der Erfahrung im kollektiven Gedächtnis überdauern. Alles Faktische, was «Klaras NEIN» thematisiert, ist bekannt. Ist es deshalb vorstellbar? Mit seismographischer Sensibilität für psychische Vorgänge beschreibt Soazig Aaron die ersten Wochen des Aufeinandertreffens der Auschwitz-Überlebenden Klara mit ihrer alten Freundin und Schwägerin Lika in Paris. Beide sind siebenundzwanzig Jahre alt. Sonntag, 29. Juli 1945 Klara ist zurückgekehrt. So, da steht es, geschrieben. Ich muss es schreiben, damit es wirklicher wird und um daran zu glauben. Seit drei Tagen gibt es nichts mehr, dessen ich mir sicher bin. Klara ist zurückgekehrt. Das Nein und der Name Klaras nicht mehr erhofftes Auftauchen im Hotel Lutétia, einem Auffangort für KZ-Überlebende, zwingt Lika dazu, ein Tagebuch zu beginnen. Klara ist fremd: arrogant, unkultiviert, rücksichtslos, kalt. Sie bezeichnet sich als Tote. Sie will ihr kleines Kind, das sie als Neugeborenes vor drei Jahren verlassen musste, nicht mehr sehen. Lika erfährt das Grauen von Auschwitz als Reflex von Klara. Ihre Aufzeichnungen sind Zustandsprotokolle, Fahrtenschreiber auf dem Weg in eine neu auszulotende gemeinsame Realität. Erst was auf schlechtem Papier «geschrieben steht», lässt Lika an ihre täglichen Erfahrungen «glauben». Die eigene Sprache übernimmt, was die Religion nicht mehr leistet. Sie ist es, die Halt gibt, Sinn stiften kann. Wo aber die Worte, die Namen versagen, bricht die Wirklichkeit ein. Leider ist das wunderbar ambivalente Flimmern des Originaltitels «Le non de Klara» in keine deutsche Übersetzung zu bringen. Im Französischen klingen «non» und «nom» gleich. So ist Klaras Nein auch Klaras Name. Klara Schwarz-Roth erscheint als Sarah Adler in den Aufnahmelisten des «Lutétia». Warum, erfahren wir auf der letzten Seite des Buchs. Immer wieder wird es um richtige und falsche Namen gehen. Indem Lika Klara bei ihrem alten Namen ruft und auffordert zu erzählen, versucht sie, die Freundin in die Kontinuität ihrer Biografie zurückzuholen. Das Projekt «Normalität» nach Auschwitz beginnt. Beide werden es auf verschiedene Weise lösen. Nach sechs Wochen bleiben ein Tagebuch und ein Abschied. Klara fliegt nach Amerika, wo sie, bepackt mit all ihren teuren Kameras, für immer untertauchen möchte. Ihrem Kind solle man sagen, seine Mutter sei in Auschwitz umgekommen. Immer täuscht der Augenschein. Immer ist das falsch, was wir uns leicht vorstellen können. Die Dramaturgie des Textes führt kalkuliert in die Irre. Zielsicher steuert sie auf Szenen zu, die verkehrt werden in etwas anderes. Im Hotel Lutétia steht Lika vor einem jungen ausgemergelten Mann, der einen kleinen roten Koffer zwischen den Beinen hält. Neben ihm liegt ein Hund auf dem Boden. Aber der junge Mann ist Klara, der Hund ist ein zerknüllter Mantel. Und der kleine rote Koffer, der an ein Spielzeug erinnert, enthält einen Revolver, mit dem Klara zwei Menschen erschossen hat. Denn Klara kommt nicht direkt aus dem Konzentrationslager. Erst langsam wird sich aufklären, was zwischen Auschwitz und Paris war. Fremdheit Die absolute Einsamkeit Klaras prallt auf das enge Gefüge ihrer kultivierten, verständnisvollen Pariser Freunde: da sind der Arzt Alban, Likas Mann, und seine Eltern; die Architektin Agnes, die im Juli 1942 das Neugeborene von Klara zu sich nahm und zusammen mit ihrem Sohn stillte; Agnes' Eltern mit dem grossen Garten, die zuletzt mit Gemüse und «Rasenkartoffeln» alle über den Krieg brachten und sich um die beiden Kleinen kümmerten. In dieses grossbürgerliche Ambiente, das den Hauch von Sommerfrische und Klavieretüden nie verloren hat, dringt Klara nun ein wie Gift. Und es ist, als ob Lika in der behutsamen, zerbrechlichen Sprache ihres Tagebuchs Klärschlamm auf Sèvresporzellan reichte. Im Lager hatte Klara drei Freundinnen, eine Fotografin aus Prag, eine Krankenschwester aus Krakau und eine Jurastudentin aus Linz. Sie beschlossen, «den fünfundvierzig Sorten Wolken in den fünf Sprachen, die sie sprachen, einen Namen zu geben». Die Wolken hiessen «. . . KOHLE DECKE PHENOL WOLLE FLIEGE BAD RATTE SCHNAUZER ZAHN OFEN FLOH GESCHREI SCHÄDEL AMERIKA STACHELDRAHT.» Mit der Repetition und der Variation der Namen der Wolken lenkten sie sich von den Schlägen ab. Nach ihrer Befreiung war Klara vagabundierend, stehlend, lügend zunächst nach Prag, Krakau und Linz geflohen. Sie wollte unter den Himmeln dieser Städte stehen, um die toten Freundinnen zu begraben (die Jüngste, Todkranke, hatte Klara auf deren Flehen hin erwürgt): Ich habe den Himmel über Kraków, über Praha, über Linz betrachtet und dabei an sie gedacht. Drei Beerdigungen, die ich ganz allein gefeiert habe . . . ihr Gedenken in meinen Gedanken war ihr Sarg . . . ich bewahre ihre Namen, und ich bin ihr Grabmal . . . so ist das. Es sind die verschwiegenen Namen, mit denen die Toten in ihr leben, und es kann später in Berlin, in der alten Wohnung der ermordeten Mutter, der falsche Namen «Sarah» sein, mit dem zwei brave Nazis sie besänftigend ansprechen, der die Sicherung ihres Revolvers löst. Vermutlich muss Likas Tagebuch vom Ende her nochmals gelesen werden. Der Text täuscht, weil sich Lika täuscht. Nach Auschwitz ist die Vernunft eine andere. Und die Wörter und Namen sind «oben» in den Pariser Strassen nicht so einfach zu entschlüsseln, wenn sie von «da unten» kommen, aus dem «Bereich des Nein und mehr». Klara möchte ihr Kind nicht mehr sehen, weil sie weiss, dass sie «vermint» ist, unberechenbar, krank. Instinkthaft spürt sie, dass seine Kindheit nicht ihre Therapie werden kann. Der Text verweigert das Eindeutige. Die Figuren bleiben im Halbschatten ihrer Unsicherheit. Soazig Aaron hat Fragmente der Wirklichkeit nach Auschwitz erfunden, aber sie hat dabei auf wunderbare Weise das Suchen nach ihrer Wahrheit miterzählt. Angelika Overath

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 25.10.2003
Dieses Buch ist ein wirkliches "Wagnis", schreibt die Rezensentin Franziska Augstein, denn - ja, es handelt von der aus Auschwitz nach Paris zurückgekehrten Klara, doch nein, Soazig Aaron war nicht im Lager, und dies ist trotzdem ein Roman (dazu noch ihr erster), der von Auschwitz als "Erfahrung" handelt. Doch ergänze sie diese Erfahrung um eine wichtige Facette: um die Perspektive "derjenigen, die leben mit den Überlebenden". Aarons Buch, erklärt die Rezensentin, ist eigentlich das Tagebuch von Klaras Freundin Lika, die mit Klaras kategorischem "Nein", ihrer "Unnahbarkeit" und ihrer "seelenruhigen Arroganz" fertig werden muss und will. Klaras Nein, ihr "Schweigen", gehe so tief, dass es alle, die ihr begegnen, gefangen nehme und lähme. Erst langsam bahne sich die Sprache einen Weg, doch nicht in die Heilung, sondern nur in ein "Sich-Öffnen". Dass dies innerhalb weniger Wochen geschieht, mag dem Leser etwas unwahrscheinlich vorkommen und ihn "misstrauisch" machen, meint die Rezensentin, doch der Schlüssel dazu finde sich in Klaras kleiner Tochter, die bei Freunden aufgewachsen sei. Ohne das "Sich-Öffnen" könne Klara nicht verständlich machen, warum sie ihre Tochter nicht sehen will, und warum sie will, dass man ihr sagt, ihre Mutter sei in Auschwitz umgekommen. Warum ein so starker Text, in dem jeder Satz stimmt, und den Grete Osterwald gekonnt ins Deutsche übersetzt hat, vom Suhrkamp Verlag abgelehnt wurde, kann die Rezensentin beim besten Willen nicht nachvollziehen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Pressestimmen

"... hier durchschaut einer Lügen, Spießertum .... All ihr ruhelosen Männer, das ist was für euch!" (LESEN, Elke Heidenreich)

Kurzbeschreibung

Klara hat 29 Monate im Konzentrationslager Auschwitz verbracht, bevor sie im Pariser Hotel Lutetia von ihrer Schwägerin Angelika aufgegriffen wird. In einer Irrfahrt hatte sie halb Europa durchquert, und nach Dresden, Linz, Prag und Krakau schließlich für drei Wochen in ihrer in Trümmern liegenden Geburtsstadt Berlin Station gemacht. Ende Juli 1945 - Klara ist unter den letzten heimgekehrten Überlebenden, bis zur Unkenntlichkeit abgemagert - beginnt Angelika ein Tagebuch, um festzuhalten, wie sie die Freundin, eine aus Frankreich deportierte Deutsche, nach ihrer Rückkehr erlebt. Sie notiert, was diese sagt, was ihr auffällt, und es ist das Unsagbare, das Unaussprechliche, das sich durch Klaras Stimme, in Bruchstücken und unter größter Anstrengung, nach und nach mitteilt.

Klappentext

"Ein kühner Erstling, der ein großer Wurf geworden ist."
FAZ

"Der Roman, auf den ich gewartet habe."
Jorge Semprun

"Soazig Aaron hat Fragmente der Wirklichkeit nach Auschwitz erfunden, aber sie hat dabei auf wunderbare Weise das Suchen nach ihrer Wahrheit miterzählt."
Neue Zürcher Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Grete Osterwald wurde 1947 in Bielefeld geboren und lebt als freie Übersetzerin aus dem Englischen und dem Französischen in Frankfurt am Main. Sie erhielt u. a. 2001 den Übersetzerpreis des Verlages C.H.Beck und 2007 den Wilhelm-Merton-Preis für ihr umfangreiches Gesamtwerk.
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