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Der Klang der Zeit
 
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Der Klang der Zeit (Broschiert)

von Richard Powers (Autor), Manfred Allié (Übersetzer), Gabriele Kempf-Allié (Übersetzer)
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (55 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 764 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 13 (14. September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596159717
  • ISBN-13: 978-3596159710
  • Originaltitel: The Time of Our Singing
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,4 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (55 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 3.993 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Marian Anderson war eine der eindruckvollsten Sängerinnen ihrer Zeit. In den 30er-Jahren wurde die amerikanische Künstlerin in vielen europäischen Konzertsälen gefeiert, Dirigenten und Komponisten wie Sibelius oder Toscanini priesen ihre Stimme als Jahrhundertbegabung. In ihrer Heimat jedoch war die Bewunderung nicht so einhellig, denn Marian Anderson war schwarz. Als man ihr 1939 den Auftritt in einer der besten Konzerthallen Washingtons, der Constitution Hall, versagte, intervenierte Amerikas First Lady Eleanor Roosevelt. Mit ihrer Unterstützung arrangierte man ein Freiluftkonzert der Sängerin vor dem Lincoln Memorial, das von 75.000 Zuschauern besucht wurde -- ein Ereignis von hohem symbolischem Wert, das allerdings wenig am bestehenden Rassismus des weißen gegenüber dem schwarzen Amerika änderte.

In Richard Powers grandiosem Roman Der Klang der Zeit ist das legendäre Konzert eine wichtige Schlüsselszene. Nicht nur treffen sich hier die Eltern der Hauptfiguren zum ersten Mal und finden über ihre Liebe zur Musik zueinander, der Gegensatz zwischen trennendem Rassismus und versöhnender Kunst, unter der Marian Anderson zu leiden hatte, wirft von Beginn an auch einen bedrohlichen Schatten auf die Beziehung zwischen dem deutsch-jüdischen Emigranten David Strom und der Afroamerikanerin Delia Daley. Auch wenn David und Delia alles tun, um ihre drei Kinder vor dieser Bedrohung zu schützen, erweist sich die destruktive Kraft rassistischer Vorurteile letztlich stärker als die Kraft der Musik, aus unterschiedlichen Stimmen harmonische Kompositionen zu formen. Am Ende zerbricht die Familie und die Musik, die durch die Geschichte weht, wird zum Abgesang auf eine Utopie: die Überwindung des Rassismus durch den Einklang von Schwarz und Weiß.

Der Klang der Zeit ist selbst durch den Versuch bestimmt, aus Gegensätzen Harmonie zu erzeugen, wenn auch eine fragile. Der Roman verwebt die Geschichte der Musikerfamilie Strom mit der Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft zwischen den 20er-Jahren und den Rassenunruhen im Los Angeles der 90er, zugleich aber verbindet der Roman auch die Denkwelten der Physik mit den Kunstwelten der Musik. Wie auch in seinen anderen Romanen, z.B. Schattenflucht und Galathea 2.2 betrachtet Powers Kunst und Wissenschaft nicht als Widersprüche, sondern als gegenseitig erhellende Versuche des Menschen, sich selbst und seine Welt zu verstehen und zu verändern. Die Melancholie des Abgesangs, die deutlich im Roman zu spüren ist, mag gerade darin liegen, dass weder Wissenschaft noch Kunst den Rassismus aus der Welt schaffen konnten. Das kann natürlich auch Powers nicht, und doch ist Der Klang der Zeit gerade deshalb ein sehr mutiges Buch, das ein Ideal zu verteidigen versucht, ohne die Realität leugnen zu wollen. --Peter Schneck -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Hörbuch-Rezension

Der Roman Der Klang der Zeit stand monatelang auf den Bestsellerlisten. Richard Powers, der preisgekrönte, 1957 geborene amerikanische Schriftsteller, der sich lange nicht zwischen Physik, Literaturwissenschaft und Informatik entscheiden mochte, hat seinen achten Roman groß, episch angelegt. Die Familiensaga präsentiert drei Motive: die Liebe zur Musik, die Relativitätstheorie und die jüngere amerikanische Geschichte, vor allem vor dem Hintergrund der Rassenunruhen. Als wesentliches Kompositionsprinzip fungiert der Wechsel zwischen der Ich-Erzählung des jüngeren Bruders mit seinen umfangreichen Exkursionen über Musik, die -- so die Utopie -- alles, auch die Rasse, relativ machen sollen, und allgemeinen zeitgeschichtlichen Beschreibungen der Gesellschaft Amerikas. In Ulrich Matthes’ brillanter Interpretation wird die Vielschichtigkeit dieser ‚poetischen’ Geschichte über die ungewöhnliche Familie Strom mit den zwei Haufarben in allen Nuancen lebendig. Und noch etwas macht dieses Hörbuch zu etwas Besonderem: Es sind die eingespielten Aufnahmen von Johann Sebastian Bach, John Dowland und Marian Anderson. Erst wenn man die Musik, die Hauptdarstellerin in diesem Roman, hört, werden der Zauber, die Kraft und Lebensenergie sinnlich wahrnehmbar.

Alles beginnt, als Delia Daley, eine afroamerikanische Musikstudentin, und David Strom, ein aus Deutschland stammender, emigrierter jüdischer Physiker, sich 1939 in Washington bei einem denkwürdigen Open-Air-Auftritt von Marian Anderson -- einer zwar berühmten, aber unter der amerikanischen Rassendiskriminierung leidenden Altistin -- kennen lernen. Sie heiraten, trotz des Verbots, das in vielen Staaten Amerikas noch existiert, und ziehen in New York drei Kinder auf. Die Liebe zur klassischen Musik gibt ihnen für dieses äußerst schwierige Unterfangen die Kraft. Musik wird für die Familie zum Lebenselixier, Musik lernen die Kinder wie das Atmen. Sie leben in einer Idylle, in einer Art ‚innerer Emigration’ … bis die Mutter durch eine Gasexplosion in der Wohnung zu Tode kommt.

Eine Glanzleistung vollbringt Ulrich Matthes, ohne Zweifel einer der besten Hörbuchsprecher, der für seine Arbeit als Schauspieler (zuletzt in den Filmen Der Untergang und Der neunte Tag) und Sprecher mehrfach ausgezeichnet wurde. Wie kaum ein anderer beherrscht er die Kunst, Texte voller Tiefe und Schönheit mit seiner Stimme intensiv und unvergesslich nachklingen zu lassen! Die Liebe zur Musik, das Eintauchen in sie, die Sicherheit, die sie vermittelt -- füllt er hier mit Leben. Er zeichnet die Entwicklung des hochbegabten Jonah in seiner Karriere als weltberühmter Tenor nach und lässt gleichzeitig die Bürde des Ich-Erzählers, des jüngern, als unbegabt gebrandmarkten Bruders Joseph, deutlich fühlen. Aber auch für die essayistischen Schilderungen der Massenunruhen, für die Beschreibung der gesellschaftlichen Realität, mit der die beiden Musikerbrüder, in den 60er Jahren konfrontiert werden, und die die jüngere Schwester zu den „Black Panthers“ treibt, findet er die passende Tonlage. Man spürt in seiner Interpretation die Vision von der Musik, die alle Gegensätze aufheben, die Rassenwahn und Intoleranz in einer freien, liberalen Gesellschaft aufheben soll. Gleichzeitig arbeitet der Sprecher aber eindringlich das erbarmungslose Bestimmtsein durch die Hautfarbe, den Alltag des Rassismus, unter dem alle drei Kinder der Familie Strom leiden, heraus.

Fazit: Wieder einmal lässt Matthes hören, was er kann. Mit seiner empathischen, zurückhaltenden Stimme hält er dieses ‚Gesamtkunstwerk’ regelrecht zusammen. Das Ergebnis: eine Sensation für die Sinne. Absolut empfehlenswert!

Gekürzte Lesung mit Musik, Spieldauer: ca. 460 Minuten, 6 CDs. -- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .


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66 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Vom Nestbau zu Wasser und Fischen in der Luft, 27. Mai 2004
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: Der Klang der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Richard Powers hat mit "Der Klang der Zeit" einen Roman geschrieben, von dessen Qualität ein Jahrzehnt nur wenige hervorbringt. Das ist keine unvorsichtige These. Powers' neues, 765-seitiges Opus Magnum ist ein bravourös konzipierter, satter Dreiklang aus den Themen Musik, Physik und Rasse. Ein Dreiklang, der trotz enormer Komplexität, vollends harmonisiert und nicht überfordert.

David und Delia, Angehörige unterdrückter Minderheiten, treffen beide aus einem Fluchtreflex aufeinander. David, jüdischer Physiker aus Deutschland, flieht vor den Nazis. Delia, dunkelhäutig, entflieht ihrem vom Rassismus geprägten amerikanischen Alltag. An diesem Tag (Ostersonntag 1939) flüchten sich beide nach Washington, zum legendären Freiluftkonzert am Lincoln-Denkmal der schwarzen Altistin Marian Anderson, der aufgrund ihrer Hautfarbe ein Auftritt in der Constitution Hall verwehrt blieb. Als David nach einem Wiedersehen mit Delia fragt und sie wieder und wieder mit "unmöglich" antwortet, wäre das beinahe schon das Ende vor dem Anfang gewesen. Aber beide halten irgendeinen Schlüssel für die Zukunft in ihren Händen, der beide schließlich doch noch das tollkühne Wagnis einer schwarz-weißen Zweisamkeit eingehen lässt. David gibt ihrer gemeinsamen Zukunft, trotz der von der Zeit diktierten Rassenproblematik, mit einem jüdischen Sprichwort Zuversicht, das zum Leitmotiv des gesamten Romans wird: "Der Fisch und der Vogel können sich verlieben."

David kann die Fratze des Rassismus nicht erschrecken. Er, Inhaber des Lehrstuhls für theoretische Physik an der renomierten Columbia University, versucht Einsteins großes Erbe, die Relativitätstheorie, voranzubringen. Für David ist nicht nur die Zeit relativ. Auch Rasse stellt für ihn keine feststehende Größe dar. Also antwortet er auf die drängenden Fragen seiner drei Kinder, zu welcher Rasse sie eigentlichen gehören: "Ihr macht eure eigene Rasse auf."

Natürlich muss dieser Versuch der Kinder, jenseits aller Rassenideologie irgendwo zwischen schwarz und weiß sich selbst zu erfinden, jäh scheitern. Zwar kann die Familie von Fisch und Vogel anfangs allen Repressionen entfliehen in ein Refugium aus Musik. Doch als die Kinder so langsam das Nest verlassen, schafft es keiner der drei, "eine eigene Rasse aufzumachen". Obwohl die Kinder vom Vater David immer wieder sein Konzept von Zeit erklärt bekommen, nämlich, dass die Zeit nicht vergeht, sondern einfach "ist", dass das "Jetzt" nichts als eine "raffinierte Lüge" ist - sind alle drei zu sehr in ihrer eigenen Zeit verhaftet. Der erstgeborene Jonah, der als Tenor eine erfolgreiche Karriere einschlägt, lebt in der Zukunft. Er ignoriert schlicht und einfach die Frage nach schwarz oder weiß und wirkt realitätsfern. Die Jüngste, Ruth, verlässt als Erste den gemeinsamen Zufluchtsort Musik, bricht mit ihrem weißen Vater und schließt sich den tendenziell radikalen Black Panthers an. Sie orientiert sich zu sehr an der Vergangenheit, scheint borniert, vielleicht etwas reaktionär. Joseph schließlich, über weite Strecken der Ich-Erzähler des Romans, hat sich in der Gegenwart verfangen. Seine Bestimmung ist das Begleiten. Zuerst als Pianist an der Seite seines Bruders, dann als Lehrer an der Grundschule, die Ruth aufbaut. Joseph gelingt es nicht, etwas Eigenes aufzubauen (Jonah nennt ihn "Mule", in der Etymologie des Namens ist der zeugungsunfähige Maulesel enthalten), sein Leben ist eine Collage aus Schondagewesenem.

"Der Fisch und der Vogel können sich verlieben." War das am Ende ein Experiment, das von Anfang an utopisch sein musste? Nein, denn David und Delia teilten bei dem Konzert, als zwischen ihnen alles begann, einen Moment, in dem die Musik von Marian Anderson die Zeit zum Stillstehen brachte. In diesem Moment war alles vereint: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Über diesen Moment der eingefrorenen Zeit hinaus, teilten sie jedoch noch etwas, das beide für alles, was da kommen mag, versöhnlich stimmte. Etwas wie Schönheit. Oder Freude.
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38 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Sperrig....aber zauberhaft, 7. Januar 2007
Die bisherigen Rezensionen lassen sich in "genial" und "schnarch" unterteilen, und nach der Lektüre kann ich (nach einem zwanghaften 800 Seiten in 4 Tagen- Lesemarathon) beide Urteile nachvollziehen.
Dieses Buch erfordert eine Menge Geduld und die Fähigkeit, fünf gerade sein zu lassen und über Schwächen hinwegzusehen...
Richard Powers' verbindet in seinem Roman drei Themenkomplexe, über die ganze Enzyklopädien geschrieben wurden: Liebe, Rassenhass und Musik. Dann schleicht sich auch noch die Physik mit auf die Bühne, und das Ergebnis ist in etwa so sperrig wie Zwölftonmusik.
Leser, die vor allem Wert auf tempo- und actionlastige Plots legen, sollten von diesem Buch ebenso die Finger lassen wie solche, die sich nur dann von Romanfiguren in ihre Geschichte hneinziehen lassen, wenn sie glaubwürdig daherkommen. Die Relativitätstheorie verstanden zu haben, ist keine notwendige Voraussetzung, um das Werk ins Herz zu schließen; wer allerdings mit klassischer Musik nichts anfangen kann, den läßt es vermutlich erst verständnislos und dann entnervt zurück. Studierte Musiker hingegen sollten gelegenlich beide Augen zudrücken...
Powers legt keinen Wert darauf, eine Geschichte zu erzählen, die so oder ähnlich hätte passieren können.
Sämtliche Figuren, die seine Bühne betreten, bestehen aus wenig mehr als einem fleischgewordenen Charakterzug.
Da sind David Strom, der zerstreute deztsch-jüdische Physikprofessor, der sein Leben der Erforschung und Überwindung der Zeit widmet, und seine schwarze Frau Delia, die sich selbst, das Verhältnis zu ihrer Familie und ihre Karriere als Sängerin komplett der Liebe zu ihrem weißen Mann opfert: ein musikgewordenes Über-Ich.
Was die beiden eint, ist ihre Liebe zur klassischen Musik und der Wunsch, die Rassenschranken zu überwinden.
Deshalb wollen sie ihre Kinder außerhalb von Schwarz und Weiß aufwachsen lassen, stattdessen geben sie ihnen die Musik mit auf den Weg.
Schwarz und Weiß präsentieren sich jedoch als unvereinbare,von beiden Seiten unversöhnliche Gegensätze, zwischen denen die drei Strom-Kinder ein Leben lang aufgerieben werden
Jonah, der älteste Sohn, lebt nur fürs Singen. Ein Wunderkind, dessen Talent dank der Großzügigkeit des Romanciers keine Grenzen gesetzt sind, starrsinning, arrogant, egoistisch und doch innerlich zerrissen und gehetzt. Verzweifelt auf der Suche nach seinem Platz in der Welt, symbolisiert durch das Musikbusiness, jagt er durch alle Stilrichtungen der klassischen Musik, quer durch Amerika und nach Europa.
Joseph, der Ich-Erzähler, begleitet seinen Bruder nicht nur am Klavier, sonden richtet sein ganzes Leben quasi als Begleitmusik für den tonangebenden Jonah aus. Gleichzeitig ist er es, der versucht, die nach dem Todder Mutter auseinanderbrehende Familie zusammen zu halten, Gegensätze zu vereinen, nach Versöhnung zu suchen.
Ruth, die Jüngste, ist symbolisch passend das Begabteste der Kinder, wird aber mit dem Tod der Mutter (war es Unfall oder Mord?) nicht fertig, begegnet der weißen Musik und Kultur mit Verachtung, schließt sich den Black Panthers an und entfremdet sich zusehends von ihrer Familie.
Nicht nur die schwarzen und weißen Menschen in diesem Buch sind bis aufs Blut verfeindet; auch schwarze und weiße Musik werden als Gegensätze präsentiert.
Dass dieser Roman bei aller Kopflastigkeit und Länge nicht als blutleere, moralinsaure Parabel daherkommt, ist Powers' unglaublicher Wortgewalt zu verdanken, der Fähigkeit, mit Worten bewegte Bilder zu malen, Musik zum Leben zu erwecken, auch wenn man sie nicht hört, und den von der Anlage her so holzschnittartig gebauten Figuren gleich tragischen Pinocchios Leben einzuhauchen. Dabei wird er niemals "laut". Das Erzähltempo ist langsam, oft geht die eigentliche Geschichte beinahe quälend langsam voran, was die Erzählung nur um so eindringlicher macht. Oft war ich beinahe erleichtert, wenn die großen und kleinen Katastrophen endlich über die Protagonisten hereinbrachen.
Zudem sprint die Handlung immer wieder zwischen der Vergangenheit der Eltern und der Gegenwart der Kinder hin und her.
Das Buch eignet sich nicht dazu mit Joseph und seiner Familie mitzufiebern,wie es bei einem Spannungsroman der Fall wäre. Stattdessen findet man sich dabei wieder, mit ihnen mitzuleben, mitzufühlen, zu hoffen und zu leiden. Lieb gewonnen habe ich dabei jede einzelne Figur, und es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen, als es zu Ende war.
Wenn Bücher eine Persönlichkeit haben, dann ist "Der Klang der Zeit" ein verschrobener Professor: Intellektuell, anstrengend, sehr eigenwillig, bei aller Beobachtungsgabe ein wenig weltfremd....und wenn man sich auf die "Vorlesung" einlässt, voller Leidenschaft, eindringlich, liebenswert und seltsam unwiderstehlich.
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48 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Familiengeschichte aus dem farbigen Amerika, 3. Juni 2004
Diese Rezension stammt von: Der Klang der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Richard Powers Der Klang der Zeit S.Fischer ISBN 3 10 059021 X

Der Klang der Zeit ist ein überdimensioniertes Werk, daß die amerikanische Geschichte der Rassensikriminierung von den frühen vierziger Jahren bis in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Worte fasst.
Am Beispiel einer schwarzen Familie, deren Tochter sich mit einem aus Deutschland geflohenen Juden verbindet, entsteht ein gewaltiges Familienepos, das Rassenhaß, Ausgeschlossensein, Verzweiflung und Identitätssuche in sich vereint. Verbindendes Glied zwischen den Beteiligten ist die Musik, insbesondere die alte Musik vom Barock bis hin zur Klassik und später noch zum Jazz.

Delia, die farbige Mutter, und David, der jüdische Vater, bestimmen ihren Kindern Jonah, Joseph und Ruth ein Leben in Freiheit, die die Musik ihnen gewährleisten soll. Joseph, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, bleibt der Bruder, der allen anderen hilft, nie aber zu einem eigenen Stil und Leben für sich findet.
Von Verfolgung, Wut, Auflehnung und Hass handelt die Geschichte, von Familienzerwürfnissen um der Ideale willen, von Hoffnung und Vergeblichkeit.
Daß die Musik eine so große Rolle spielt, gibt dem Ganzen einen hintergründig -tiefsinnigen Gehalt: Bachs Motetten, Kantaten und Passionen spiegeln sinnbildlich die Leiden der Schwarzen in einer sie diskriminierenden Welt.
Der Gesang von Jonah, der sich zu immer höheren Sphären versteigt, läßt die Hoffnung auf ein besseres Leben erahnen.
Für die kenntnisreichen Liebhaber der Musik gibt es Finessen zu erfahren, die den gewöhnlichen Musikliebhaber ein wenig irritieren könnten. Nie aber habe ich in vergleichbarer Weise Ausdruck dafür gefunden, wie Musik wahrgenommen werden kann , wie sie uns Menschen zu Höhenflügen und zu einem Glück verleiten kann , das uns in schwerster Zeit in einer Gemeischaft von Gleichen Trost zu spenden vermag. Daß am Ende die Utopie einer ersehnten Freiheit scheitert, weil sie an die Grenzen der menschlichen Realität stößt, die diese Freiheit nicht jedem gewähren will, das ist die Tragik in dieser Geschichte.

Es ist ein wunderbar geschriebens Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann geschlagen hat.

Cl.B.

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