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Klage [Gebundene Ausgabe]

Rainald Goetz
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 428 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (13. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518420283
  • ISBN-13: 978-3518420287
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Rainald Goetz
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Leidenschaft für die Kultur, auch der Respekt und die Dankbarkeit vor dem Werk, das ist seine andere Seite. Die Schroffheit überdeckt zuweilen, dass sie Form eines Interesses ist. Goetz versteht sich - egal ob er Kunst, Medien oder Politiker begutachtet - in einem sehr puristischen Sinn als Aufklärer, was ein gewisses Isoliertbleiben erfordert. Diese Beobachtungen können auch fein, unpolemisch, fast babyzart sein; so wie er die Kunst der Nachsichtigkeit predigt, einen heißen, glücklichen Sommertag in Berlin schildert, er - ausgerechnet er - das negative Denken verbieten will. Bei Goetz gehe es darum, schrieb die Zeitvor Jahren, »den Moment des glücklichen Lebens zu beschreiben, um die Möglichkeit, das authentische Leben festhalten zu können - und das im Wissen, daran scheitern zu müssen«. So war sein Blog auch Plädoyer für die Nettigkeit, dass der nette Mensch »nicht automatisch ein Trottel ist«. Denn »das Nettsein netter Menschen ist das Resultat einer dauernden Bemühung darum, die Schwierigkeiten im Miteinander beherrschbar zu gestalten«. Er wünscht sich, dass alle doch »bitte ein bisschen leiser sprechen und den Ichpunkt ein bisschen abschwächen«. Wen überkommt dieser Wunsch nicht tagtäglich?« (Matthias Wulff Welt am Sonntag )

»Sich der Wirrheit der Eindrücke zu stellen und undiszipliniert Erfahrungen zu machen, um mit diesen Erfahrungen dann äußerst diszipliniert zu argumentieren - so könnte man seit jeher das literarische Programm von Goetz umreißen (bei den meisten Autoren ist es ja andersherum). 'Es geht doch ganz einfach', schreibt er einmal, 'lesen, schreiben, leben'. So einfach ist das dann natürlich doch nicht. ... Aus der Perspektive des Literaturbetriebs ist die Rainald Goetz-Geschichte die Geschichte eines großen Scheiterns. Statt des vielfach angekündigten Romans kommt mit Klage ein Buch, das versammelt, was schon einmal im Netz stand. Das dürfte wohl auch der Hauptgrund für das große Schweigen sein, das das Erscheinen dieses Buchs begleitet. Und es stimmt. Klage erzählt keine Geschichte, erzählt nicht mal eine Nicht-Geschichte. Rainald Goetz macht mit Klage etwas anderes: Er zeigt, daß Denken heißt, jeden Tag wieder bei Null anzufangen.« (Tobias Rapp WDR 3 )

»Krisenbewusst und hochreflexiv wird die Umsetzung einer Schreibweise des Extremen vorangetrieben, entblättert sich vor unseren staunenden Augen die permanente Verfertigung eines Diskurses, der zeigt, was Pop als Haltung und eben auch als philosophischer und durchaus auch streitbarer Gegen-Text zu leisten imstande ist. Denken, so werden wir hier endlich wieder mal erinnert, ist Pflicht.«

(Thomas Ballhausen Bücherschau )

»Das ist toll und nur manchmal peinlich, wenn der Autor zum Beispiel einer Biermarke für den schönen Abend dankt. Goetz ist das egal. Lieber lässt er sich anpöbeln, von der Kritik nerven. Er will mutig sein und ohne Schere im Kopf schreiben. “Klage” ist ein frei atmendes Werk, eines seiner besten.«

(Jan Drees jandrees.de )

Kurzbeschreibung

Einer eigenen, allgemeinen Programmschrift gegen die Verzweiflung von Herbst 2006 folgend, trat KLAGE Anfang Februar 2007 auf der Internetseite der neu gegründeten Zeitschrift Vanity Fair als aktuelles Weblog an und konkretisierte seine Themen im ersten Eintrag folgendermaßen: »Beim Heben des Kopfes wird der Dunkelraum sichtbar, den ich in letzter Zeit in verschiedene Richtungen hin auszumessen versucht habe, notierte Kyritz, vielleicht vergeblich. 1 Text 2 Politik 3 Geschichte 4 Liebe 5 Familie 6 Justiz Ein Gewitter zieht auf. Kurze Zeit später setzte heftiger Regen ein. Kyritz wollte hier eigentlich nur in Frieden dasitzen, ohne an Leid und Tod erinnert zu werden.« KLAGE versuchte dabei, an einigen neueren Üblichkeiten der Weblogs, speziell an der Ichfigur, eher vorbeizugreifen, ohne jedoch ganz auf sie zu verzichten. So ergab sich die Form des Denkpartikels, der kurzen Argumenterzählung, der polemischen Intervention, des eiligen Tagesgedichts manchmal auch. Eine Form, wie man sie eigentlich aus den Reflexionstagebüchern der Tradition schon kennt. Für das Weblog KLAGE war der Weg dorthin ein Experiment – das man im Buch KLAGE jetzt nachvollziehen kann.

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23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Geisteszustand 27. November 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Cool is auch, was danach passiert.

»Die Politiker wissen real nichts vom Leid, vom Warten, vom Abgestellt- und Ausgesetztsein, ausgeliefert der Stille und der Angst, dass das große Nichts eintritt«, schreibt Rainald Goetz in seinem Internet-Tagebuch namens »Klage«.

»Woher weiß er das? Es gibt, wenn man diese These vertritt und man im Regierungsviertel unterwegs ist, eine ebenso bewährte wie literarisch und publizistisch produktive Methode, den Politikern nahezukommen: Man fragt sie«, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Die FAS bedient sich eines leicht durchschaubaren rhetorischen Tricks. Mit ihrer Frage, woher der Autor seine Behauptung denn wisse, suggeriert sie, er würde es nicht wissen, um sogleich ihre eigene Weisheit aufdrücken zu können. Der Quark wird von der FAS weiter getreten: »Und was antwortet dann wohl ein Franz Müntefering, dessen Frau gegen die Krankheit kämpft, ein Peter Struck, der einen Schlaganfall überlebt hat, ein Horst Seehofer, der zwischen Leben und Tod schwebte, was schließlich ein Oskar Lafontaine und Wolfgang Schäuble auf die Frage nach der Angst vor dem großen Nichts? Einfach schon mal festzustellen, dass die 'real nichts wissen'.« Unvorstellbar ist für den Rezensenten der FAS, dass Rainald Goetz es wissen könnte. Der Wissende ist dem Nichtwissenden suspekt.

Ein weiteres schönes Beispiel ist eine kleine Anekdote über Joschka Fischer, mit der Goetz so viel erzählt über die Mentalität der führenden Köpfe von Rot-Grün. »Fischer, der sogenannte Außenminister a. D., kam um 19 Uhr 19 allein in die Akademie und war davon irritiert, dass das Erscheinen seines kleinen, tönchenhaft voluminösen Körpers hier überhaupt keine Reaktion hervorrief. Er stand da mitten in der Eingangshalle, Bauch rausgestreckt, Kopf nach hinten ins Kreuz gehängt, Missmut im Gesicht, und keiner reagierte. Niemand kam auf ihn zu, niemand war bei ihm, hinter ihm, nichts. Auch die Frau am eigens rechts aufgebauten Kartentisch sah den Minister a. D. zwar, stürzte aber nicht sofort zu ihm. Sie war der eher ruhigere Typ Mensch und außerdem gerade noch mit einem anderen Kunden im Gespräch. In die Leere des Raums vor sich, in Richtung dieser Frau sagte Fischer ziemlich laut:
- wo finde ich denn jemand von den Organisatoren?
- sie: hja, hm?, äh
- da muss doch irgendjemand da sein?!
- wen meinen Sie denn?
- na, den Herrn Malchow zum Beispiel!
- sie: hm, ja
Die Frau wurde immer ruhiger, umso ruhiger, je heftiger Fischer seinem Unwillen Ausdruck gab. Er war von den Widrigkeiten der Situation hier jetzt schon richtig enragiert, offen empört und herrisch sagte er:
- wo sind die denn?!
Die Frau sagte jetzt nichts mehr, in totaler Zeitlupe kam sie hinter ihrem Tresen hervor, null aktiviert oder gar alarmiert von Fischers absurder Hysterie, gerne hilfreich, ganz gelassen ratlos, vielleicht von einem schwachen, nicht ganz zu Ende gedachten Nebengedanken angeweht wie: was hat denn der kleine Dicke da für ein Problem? Als hätte Fischer diese unverschämte Frage körperlich empfangen, als würden ihm hier gemeinerweise und absichtlich bestimmte Hintergrundinformationen vorenthalten, rief er wütend aus:
- die müssen doch irgendwo sein!, wo sind die denn?! «
Goetz eigener Kommentar zu dem am 6. März 2008 ins Netz Gestellten und zwei Tage zuvor Erlebten geht an die Substanz: »Das ist der traurige Geisteszustand in dem sich unsere rot-grünen Politrentner befinden«, stellt er lakonisch fest.

Die veröffentlichten Reaktionen in den sogenannten deutschen Leitmedien sprechen Bände über die Befindlichkeiten in diesem Lande. Da der Schriftsteller Rainald Goetz sein Tagebuch im Internet führte, also quasi öffentlich, provozierte er diese Reaktionen, die nun die gedruckte Fassung von »Klage« erst als Kunst erstrahlen lassen. Plotten wir wieder die FAS mit ihrer Rezension gegen das elektronische Diarium aus Berlin-Mitte.: »Jeder ist anders, aber ich für meinen Teil vermag in Joschka Fischer, der uns nicht nur in Tausenden von Interviews, sondern auch mit bestverkauften Memoirenbänden über jede Windung seines Lebens, seiner Politik und seiner Leibesfülle informiert hat, keinen opaken Dunkelmann der Macht zu sehen. Ich weiß schon jetzt viel zu viel über ihn«, schreibt Nils Minkmar, uns über allerlei belehrend. Wir erfahren nicht nur, dass jeder anders ist (aha), sondern auch, dass der Journalist Joschka Fischer genau kennt (hört hört). Damit nicht genug: Er kennt ihn aufgrund seiner zahlreichen Interviews und Bücher. Das ist interessant. Wahrscheinlich beherrscht Minkmar eine spezielle spirituelle Technik des Chanelns, um zwischen den Zeilen das Ungesagte zu entdecken. Dass man, insbesondere als Außenminister, sehr viel redet, ohne etwas zu sagen, scheint ihm dagegen noch nicht aufgefallen zu sein.

»Klage« ist ein Versuch gewesen, Literatur noch im Bereich des Möglichen zu produzieren. Vor zwanzig Jahren sah Goetz die Form des Theaters als die potenziell mögliche an, vor zehn Jahren arbeitete er mit DJs. Dieses Tagebuch, das Goetz auf der Internet-Seite von Vanity Fair auf Veranlassung des damaligen Chefredakteurs Ulf Poschardt geführt hat, erscheint nun gediegen gebunden. Suhrkamp hat daraus ein Buch gemacht, obwohl es so gar keines sein will. Was könnte deutlicher diese Widersprüchlichkeit zuspitzen als der schwer seriös daherkommende dunkelblaue Leineneinband.

Die heftige Reaktion der Kritiker ist die beste Bestätigung vom Projekt und den Goetzschen Notaten über den grenzdebilen Alltag in der postmortalen Welt am Anfang des 21. Jahrhunderts. Die FAS kommt zum Ergebnis: »Es kommt erschreckend wenig raus bei diesem Angriff auf die gesellschaftlichen Subsysteme mit disparaten Mitteln« und will sich eigentlich nur verteidigen. Denn worum es der Zeitung wirklich geht, erfährt der FAS-Leser nach einer langen Aufzählung von in »Klage« Kritisierten nebenbei: Das alles sei »noch gar nichts gegen das, was Goetz für so gut wie alle Kollegen dieses Feuilletons bereithält«. Aha. Deswegen der ausführliche Verriss.

Wesentlich differenzierter die Besprechung der Süddeutschen Zeitung, die Goetzens elektronische Notate ausführlich zitiert. Rainald Goetz regt sich über eine Schlagzeile der taz auf, in der diese den Rücktritt Steinmeiers fordert: »Die ressentimentabgesicherte Verhöhnung derer, die in den Apparaten Entscheidungen treffen und dabei wirklich Verantwortungslast übernehmen, ist reaktionäre Antiaufklärung, so gesellschaftsschädlich und verblödet wie die Autoritätsfixierung und Apparategläubigkeit von vor 68.« Goetz sieht die linke Tageszeitung hier in Augenhöhe der Bildzeitung. Die Süddeutsche setzt sich davon ab. Sie hingegen kürt Goetz zum »Zeitgenossen des Jahres«. Vielleicht als prophylaktischen Angriffs-Schutz.

Lieber Rainald Goetz, deshalb schlage ich vor, die Klage fortzusetzen - vielleicht unter dem Titel »Berufung«. Hier könnte die Kritik mit einbezogen werden: Wie ein Bild, bei dem jemand in den Spiegel schaut und sich dabei in einem Spiegel sieht und in einem Spiegel und in einem Spiegel.
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