Erstaunlich ist, welch puristische Borniertheit, hier mancher Fan an den Tag legt. Den Blick eingeengt von stählernen Scheuklappen. Warum sollte ein Saxophon bei Iron & Wine nichts zu suchen haben? Nun, das neue Album hat weniger der kammermusikalischen Zartheit, der brüchigen, intimen Momente, der feingliedrigen Zartheit voriger Alben. Hier merkt man hingegen die Freude daran, Songs auszugestalten, Arrangements auszufeilen, die kargen, schlichten Klangbilder vorangegangener Einspielungen um neue Akzente und andere Perspektiven zu bereichern. Einiges vom alten Charme mag hier nur noch leise durchschimmern. Aber Sam Beam hat sich vorwärtsentwickelt. Weg vom melancholisch-kauzigen Waldschrat hin zu etwas Offenerem, Lebendigerem, hat die Klangfarbenfreude entdeckt, hat tief in den Farbtopf gegriffen, lässt Orgeln torkeln, webt Chöre ein... und schafft dabei, wie ich finde, mitnichten Banales. Die Songs tragen und vertragen die reicheren Arrangements und zeigen, dass der poetische Rauschebart noch einiges mehr kann als nur reduzierte, lyrische, traumschöne Stille in zarte Balladen zu kleiden. Iron & Wine-Fans ist hier mitnichten abzuraten - sofern sie nicht zu denjenigen gehören, die humorfrei, verbittert und pedantisch fordern, dass ihre Lieblingskünstler sich ewig wiederholen, nur noch dasselbe variieren, nichts Neues mehr probieren.