Motörhead liefern den Todeskuss. Ist das positiv oder negativ?
Für mich persönlich ist die Qualität der letzten Motörhead Alben immer eine Achterbahnfahrt gewesen.
Auf das geniale, vor allem textlich überzeugende Overnight Sensation folgte das mittelmäßige Snake Bite Love.
Auf das heftige und brachiale We are Motörhead folgte das unfertige Hammered. Und was folgt auf das
nackenbrechende Inferno, die wohl heftigste Rockplatte dieses Jahrtausends?
Diesmal folgt ein fetter Schlag ins Gesicht!
Und zwar ein ganz, ganz feiner, gemeiner und einfach einer, den man gerne nimmt.
Kick Ass Rockmucke!
Kiss of Death steht seinem Vorgänger in nichts nach und manifestiert Motörheads Position als die absolute Nummer Eins
im Rock and Roll Bereich. Was die Jungs da abliefern ist schlicht umwerfend.
Der Sound ist unglaublich heftig und dreckig. Produzent Cameron Webb hat ein feines Händchen um aus dem Trio den besten Sound rauszuholen. Die Gitarre ist heftig, der Bass ist dominant, dreckig und auf den Punkt, unterstützt aber immer die Gitarre und nimmt ihr nicht den Raum. Und das Schlagzeug, ja das Schlagzeug zerkloppt oder vielmehr verkloppt einfach alles. Produktionstechnisch ganz großes Kino! Hut ab.
Sucker
Der Opener ist ein Brecher, der in der klassischen Tradition von Stücken wie Terminal Show und See me burning steht.
Der vielleicht schnellste aber auch sperrigste Song der Platte mit einem bitterbösen Text. Ich weiß zwar nicht wer in den Zeilen gemeint ist aber da hat es sich wohl jemand richtig mit der Band verscherzt.
Zitat: Into the Palace or into the Pit, we think you´re just fill of s... .
One Night Stand
Worum es in diesem Song geht dürfte wohl jedem klar sein. Die Nummer selber ist ein absoluter Partyknaller. Wer bei dem Teil nicht abgeht hat etwas verpasst. In Tradition von Songs wie Don´t waste your Time oder Love for Sale wird hier der klassische Rock and Roll zelebriert.
Devil I know
Nach One Night Stand der nächste Rock and Roll Brecher. Vom Aufbau her ähnlich wie Shut you Mouth aber eine ganze Spur dreckiger und direkter. Was für ein fetter Groove. Wen es bisher noch nicht gepackt und oder wer bis jetzt nicht mit den Füssen wippt dürfte tot sein oder
auf Pop stehen. Nebenbei plückt Lemmy sein erstes Bass-Solo seit Love can´t buy you money von der Rockeiche.
Trigger:
Die nächste Uptemponummer im klassischen Motörhead Stil. Dennoch gibt es hier eine überraschende Neuerung. Der zweistimmige Melodiebogen von Phil klingt teilweise schon fast nach Maiden und gibt diesem wüsten Stampfer genau das was er braucht um aus der Masse heraus zu stechen. Ungewohnt aber richtig gelungen. Weiter so.
Under the Gun
Die Bluesnummer der Scheibe. Nach Keys to the Kingdom und You better run haben die Jungs wohl ihre Vorliebe für astreinen Blues entdeckt. Der Beat erinnert stellenweise an War for War vom Sacrifice Album hat aber genug eigene Identität um zu überzeugen.
God was never on your side
Sicherlich die herausragende Nummer dieser CD. Textlich bitterböse, musikalisch zwischen Blues und Ballade angesiedelt gibt es hier eine große Überraschung. Das überzeugende Solo wird nicht von Phil, sondern von Poison Gitarrist C.C. DeVille gespielt und das sehr beachtlich.
Spricht natürlich für das Selbstbewusstsein der Band und speziell von Phil anderen Gitarristen hier solch einen Showcase zu bieten.
Auf Inferno durfte ja schon Steve Vai ran. Ich bin entzückt! Vielleicht bringt dieser Song den Jungs endlich ein breiteres Publikum und größeren kommerziellen Erfolg.
Living in the past
Der passende Titel für alle Fans, die immer noch denken, dass Motörhead seit Ace of Spades keine geile Scheibe mehr gemacht haben.
Gechwindigkeitsmäßig im Midtempo-Bereich angesiedelt fühlt man sich hier als würde man knietief durch Schlamm waten.
Grandiose Nummer. Der Gesang von Lemmy klingt böse und unterstützt durch die tiefe Gitarre von Phil ergibt das ein tödliches Stampf-Cocktail.
Christine
Die Boogey Nummer mit Anleihen an Don´t lie to me, Going to Brazil und Dr. Love.
Die Blaupause eines fetten Rock and Roll Songs, mehr muss man da nicht sagen.
Sword of Glory
Der nächste Uptempo-Banger mit abgehacktem Riffing. Hier werden ähnlich wie bei Trigger schöne Melodiebögen eingebunden.
Musikalisch lässt sich der Song in etwa mit Voices from the war vergleichen. Besonders gefällt hier das teilweise zweistimmig gespielte Solo, so etwas gab es bei Motörhead vorher nicht.
Be my Baby
Der Song wird von einem Riff eröffnet, das bei hoher Lautstärke wie ein Schlag ins Gesicht kommt. Brilliant!
Der Groove ist unwiderstehlich, der Gesang wieder tief, das Solo zweistimmig ......kurzum: ausrasten erbeten.
Kingdom of the Worm
Die krasseste Nummer der Platte. Der Beat ist ähnlich vertrackt wie bei Sacrifice oder Assassins nur wird das ganze hier noch auf die Spitze getrieben. Absolut heftige Nummer. Lustig ist, dass Lemmy hier nachher tatsächlich Kingdom of the Wörm und nicht Worm singt. Nette Idee. The Kingdom of the Dead, Hey!
Going to down
Zum Abschluss noch einmal Uptempo, zu vergleichen musikalisch in etwa mit Better off Dead, textlich mit We are Motörhead.
Nach zweieinhalb Minuten ist der Songs eigentlich vorbei es folgt das Riff aber noch für eine gute Minute in der Mikkey noch mal richtig zulangt. Live ist die Nummer bestimmt ein absoluter Killer.
Fazit: Ein Meisterwerk!! Je länger das Trio zusammen spielt desto besser werden sie.
Wer diese Scheibe nicht mag, mag keinen Rock and Roll.
Die Scheibe ist wie aus einem Guss, es gibt keinen Ausfall. Ich hab sie bestimmt schon 30mal komplett gehört und bin immer noch begeistert.
Die Band bewegt sich zwar im gewohnten Rock-Gerüst bringt aber einige Neuerungen wie die zweistimmigen Gitarren mit in den üblichen Sound. Gaststars sind immer gerne gesehen und dürfen glänzen. So muss Rock sein. Ich freue mich schon auf die Tour im November und Dezember und hoffe, dass sie mehr als nur 2 Songs der Platte spielen werden.