Es gibt ihn noch, den einsamen Detektiv, der rastlos als Einzelkämpfer durch den Großtstadtdschungel streift, für das Gute und seine eigene Tasche streitet, dabei gehörig eins auf die Nase bekommt und am Ende siegt. Zugegeben, diese Spezies ist angesichts von überkandidelten Gerichtsmedizinern, schnarchigen Polizisten und überstrapzierten Serienkiller-Jägern vom Aussterben bedroht. Aber so leicht sind sie nicht kaputt zu kriegen und schon gar nicht Kemal Kayankaya, der in „Kismet" seinen vierten Fall lösen darf.
Alles beginnt ganz harmlos: Kayankaya und sein Kumpel Slibulsky sollen dem Gastwirt Romario helfen. Der stolze Besitzer eines abgewrackten Restaurants im Frankfurter Bahnhofsviertel bekommt Besuch von Schutzgelderpressern. Kayankaya und Slibulsky sollen die stummen Vertreter der „Armee der Vernuft", wie sich die ehrenwerten Herren nennen, aus dem Restaurant vertreiben. Doch dann liegen die beiden gepuderten Geldeintreiber tot in Romarios Restaurant.
Kayankaya und Slibulsky verscharren die Leichen irgendwo im Taunus. Die Probleme haben sie damit allerdings nicht begraben, die fangen erst richtig an. Die Identität der beiden Toten lässt Kayankaya keine Ruhe. Er forscht nach und erfährt, dass sich hinter der „Armee der Vernunft" eine neue Mafia-Truppe verbirgt, die sich offenbar den Frankfurter Kiez mit brutalsten Methoden unter den Nagel reißen will.
Unvermittelt sieht sich Kayankaya in einen Banden-Krieg verwickelt, bei dem ein dubioser deutscher Geschäftsmann genauso seine Finger im Spiel hat wie eine Gruppe von Kroaten, die sich in einer heruntergekommenen Kneipe in Offenbach treffen. Die Spuren führen ihn dann auch noch in ein trostloses Asylbewerberheim, in dem neue Mitglieder - nicht ganz freiwillig - für die Bande geworben werden.
In einer halsbrecherischen Aktion befreit Kayankaya Leila, ein bosnisches Mädchen, aus diesem Asylbewerberheim. Im gebrochenen Deutsch erzählt sie von ihrer Mutter, die verschwunden ist und die Kayankaya suchen soll. Da eine Stange Geld lockt, nimmt er die Verfolgung auf und erfährt, dass sich Leilas Mutter offenbar in den Fängen der „Armee der Vernunft" befindet. Dass die nicht zu Späßen aufgelegt sind, erfährt Kayankaya am eigenen Leibe: Eine Explosion erschüttert sein Büro und hinterlässt eine hässliche Lücke im Haus...
In „Kismet" wird kräftig geprügelt, geschossen und gemordet. Auch Kayankaya, der schnoddrige, deutsch-türkische Privatdetektiv, muss einiges einstecken und läuft zwischenzeitlich mit einem dicken Gesichtsverband durch die Gegend. Die vielen Toten am Ende des Buches kann man schon nicht mehr zählen.
Dabei erzählt Jakob Arjouni nicht nur einfach einen Detektivroman, klug zieht er das Schlachtfeld des jugoslawischen Bürgerkriegs nach Deutschland, zeigt die brutalen Folgen der Verquickung von organisierter Kriminalität, Korruption und Nationalismus auf. Mit seiner ironischen Schreibe und seinen klaren Milieuschilderungen führt er ein unbequemes Stück deutscher Gegenwart vor. Ein harter, lebensnaher Roman und eine spannende Abwechslung zwischen all den sabbelnden Gerichtsmedizinern und ermittelnden Psychofritzen.