Diesen Artikel habe ich letztens zu dem Buch zum Film "KIRSCHBLÜTEN" gefunden. Ich stimme dem sehr zu, das Buch ist wirklich großartig aufgemacht und die Geschichte toll erzählt.
Doris Dörrie hat ein Talent für ungewöhnliche Geschichten. Und sie erzählt sie auch noch ungewöhnlich gut. Meistens fällt das erst auf, wenn ein Film daraus geworden ist. Aber Dörrie kann auch hervorragend schreiben. Beide Begabungen gehen bei ihr ohnehin Hand in Hand. Das gilt auch für "Kirschblüten - Hanami". Der neue Film der in München lebenden Regisseurin hat bei der Berlinale das Publikum begeistert. Beim Diogenes Verlag ist nun unter dem gleichen Titel ein "Filmbuch" dazu erschienen. Verlage mögen so etwas - schon weil sich Titel einfach besser verkaufen, wenn sie aus dem Kino bekannt sind. Aber in diesem Fall lohnt sich das Lesen tatsächlich, der Text ist viel mehr als das "Buch zum Film".
"Kirschblüten" ist ein klug inszeniertes Drama. Es geht ums Älterwerden und ums Sterben, um Eltern und Kinder, die sich fremd geworden sind, um verlorene Träume und um die Liebe nach 30 Jahren Ehe. Im Mittelpunkt stehen Rudi und Trudi Angermeier, ein Paar, das sein Leben gelebt und sich nicht mehr viel zu sagen hat. Und es geht darum, dass alles noch einmal ganz anders werden kann.
Kein Wort zu viel
Jeden Tag sitzt Rudi in seinem Büro im Landratsamt, Abteilung Abfallbeseitigung, und ahnt nichts Böses. Dabei haben die Ärzte seiner Frau längst mitgeteilt, dass er Krebs hat und sterben wird. Und ach ja, sie möge doch bitte mit ihm darüber reden. Trudi tut sich schwer damit: "Wie war dein Tag?", fragt sie. "Mm. Und deiner?", antwortet Rudi. "Mm", sagt Trudi. Kürzer und drastischer hätte der Dialog gar nicht sein können. Doris Dörrie braucht kein Wort zu viel.
Der Film "Kirschblüten- Hanami" mit Elmar Wepper lief auf der Berlinale.
Die Ärzte sind sicher, dass Rudi nicht mehr viel Zeit hat: Eine Reise empfehlen sie, ein Abenteuer. "Mein Mann hasst Unternehmungen. Reisen. Abenteuer", sagt Trudi. "Ihm ist am liebsten, wenn sich nichts verändert. Nie." Aber dann reisen sie doch, zuerst zu den Kindern nach Berlin, die keine Zeit für sie haben, dann an die Ostsee. Dort gehen die beiden am Meer spazieren, atmen tief durch, reden über das Leben und über das Sterben. Und als Rudi seine Frau am nächsten Morgen wecken will, liegt sie tot im Bett. Und wer schon das für eine unerwartete Wendung hält, für den hat die Geschichte noch mehr Überraschungen zu bieten.
Reise nach Japan
Denn Rudi, der Allgäuer Abfallbeseitigungs-Abteilungsleiter, verlässt die Spur, in der er jahrzehntelang gestapft ist. Den Traum seiner Frau, einmal nach Japan zu reisen, will er nun stellvertretend für sie wahrmachen und fliegt los nach Tokio. Japan ist Trudis Arkadien. Vor der Hochzeit hat sie Butoh getanzt. Ihr ganzes Leben lang wollte sie einmal den Fuji sehen und die Kirschblüte. Rudi hatte dafür nie Verständnis. Jetzt bricht er auf, Trudis Kimono nimmt er mit. Und er zieht ihn an, bevor er vor dem Fuji für sie tanzt, so wie sie getanzt hätte. Und es ist so, als wäre sie nun bei ihm. Das alles sind gewagte Ideen, die vielen anderen Autoren schnell im Kitsch erstickt wären. Auch das gehört zur Klasse der Autorin Doris Dörrie, dass ihr das nicht passiert.
Japan, die Kirschblüte und der Butoh-Tanz - das alles hat auch mit ihr selbst zu tun. Trudis Faszination ist in gewisser Weise auch ihre eigene. Wieso das so ist, erklärt sie in einem sehr persönlichen Text am Ende des Buches.
(Quelle: dpa)