Würden Sie für Ihr neugeborenes Kind ein Konto einrichten und sogleich eine Einziehungsermächtigung, damit Dritte später von dem erarbeiteten Guthaben Zehntausende Mark abbuchen können, ohne daß das dann erwachsene Kind jemals einen Anspruch auf eine Gegenleistung erwirbt? Genau das tut, wer einen Säugling zwecks Taufe zu den Großkirchen trägt! Denn das neue Kirchenmitglied, selbst durch keinen Glaubensakt einer religiösen Gemeinschaft beigetreten, ist aufgrund des in Deutschland nach wie vor unangefochtenen Kirchensteuersystems zu regelmäßigen Zahlungen verurteilt bis zum Ende seines Arbeitslebens. Denn erst dann, bei nicht wenigen sogar erst mit dem Tod, endet die Einkommensteuerpflicht und der mit ihr verkoppelte Kirchensteuereinzug.
Wie es für die Erwachsenen ist, der Kirche den Rücken zu kehren und sich dabei zugleich ohne Gewissensbiße aus der Zahler-Zwangsjacke zu befreien, damit beschäftigt sich der Titel von Horst Herrmann.
Die wichtigste Botschaft: Ein Kirchenaustritt ist einfach. Eine Sache von Minuten und man hat es hinter sich, wenn man sich zu dem Schritt durchgerungen hat und es nicht -wie viele Unzufriedene- beim ewigen Zögern beläßt.
Horst Herrmann ist ein höchst sachkundiger, lebendig schreibender Kirchen- und Kirchensteuerkritiker mit Biß. Seine Bücher sind in der Darstellung und in den Folgerungen häufig so entlarvend und zwingend, daß einem als Leser regelmäßig der Kamm schwillt, wenn man von dem elenden Mißbrauchs- und Bereicherungssystem der Großkirchen näheres erfährt (z.B. in den gleichfalls im Goldmann-Taschenbuchverlag veröffentlichten Werken „Kirchenfürsten. Zwischen Hirtenwort und Schäferstündchen" oder „Die Kirche und unser Geld. Wie die Hirten ihre Schäfchen ins Trockene bringen").
So kommt Herrmann auch beim Thema Kirchenaustritt ohne Umschweife zur Sache. Fragen, die man sich als noch Unentschlossener stellen sollte, wirft der Autor auf und läßt den Leser nie ohne Antwort: „Wie lange warten Sie schon darauf, daß die Kirche sich ändert? Leben die 20 Millionen Mitbürger schlechter, die schon aus der Kirche ausgetreten sind? Nehmen Sie dem Papst wirklich alles ab, was er sagt? Lassen sich gute Werke nur über die Kirchen finanzieren - welches Märchen über die 'Caritas' wollen Sie glauben? Müssen Sie unbedingt in der Kirche bleiben, um Gutes zu tun? Was sparen Sie an Mark und Pfennig, wenn Sie austreten? Ist Ihnen vielleicht der Umweltschutz wichtiger als der Bau einer weiteren Kirche? Was müssen Sie eigentlich tun, um auszutreten?" Schließlich: „Können Sie auch an Gott glauben, wenn Sie kein Bodenpersonal mehr bezahlen?"
Inhaltlich bleibt also kaum ein Gegenstand unbeleuchtet, der Unentschlossene und Austrittswillige interessiert, auch der Punkt „Nachteile durch Kirchenaustritt?" wird erörtert.
Insgesamt ist das preiswerte Buch uneingeschränkt zu empfehlen.