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Krank durch die Kirche? Katholische Sexualmoral und psychische Störungen
 
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Krank durch die Kirche? Katholische Sexualmoral und psychische Störungen [Gebundene Ausgabe]

Richard Picker
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 215 Seiten
  • Verlag: Böhlau Wien (1. November 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 320598952X
  • ISBN-13: 978-3205989523
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 760.456 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Macht die Kirche krank? Führt falsch gelebter Glaube zu psychischen Krankheiten und Leidenszuständen? Die großen, destruktiv erlebten Glaubensüberzeugungen verstärken oder lösen psychische Krankheiten aus. Gott kann als unberechenbarer Despot erfahren werden. Angstpädagogik, Zwangszölibat und unbedingter Gehorsam sind die Grundlagen, auf deren Basis die Krankheitsbilder Depressivität, märtyrerhafter Narzissmus und latente homoerotische Gestimmtheit hervortreten können. Der Band zeigt an Fallbeispielen den Symptomkomplex "Kirchenkrankheit". Zugleich aber will er zu einem konstruktiven Umgang mit dem Kirchenerbe und im Kirchenleben anregen und einen geschärften Blick auf die zentralen Fragen lenken: Wo droht Krankheit? Wo geht der Glauben in die Irre?Richard Picker, Psychotherapeut und Theologe, geboren 1933 in Wien. Ordination zum katholischen Priester 1961. Von 1956 bis 1970 Tätigkeit im Seelsorgedienst, als Studentenseelsorger und Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Wien. Nach seinem Amtsverlust und seiner Heirat 1970 Ausbildung und Praxis als Psychotherapeut. REASON: review already exists

Autorenportrait

Richard Picker, Psychotherapeut und Theologe, geboren 1933 in Wien. Ordination zum katholischen Priester 1961. Von 1956 bis 1970 Tätigkeit im Seelsorgedienst, als Studentenseelsorger und Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Wien. Nach seinem Amtsverlust und seiner Heirat 1970 Ausbildung und Praxis als Psychotherapeut.

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Format:Gebundene Ausgabe
Lebendig geschilderte Fallbeispiele bieten einen guten Einstieg in die Problematik. Einleuchtend wird dargestellt, wie bestimmte Glaubensüberzeugungen zu schweren psychischen Störungen führen. Und dass es für manche Patienten "keinen Weg" gibt, mit ihnen "therapeutisch zu arbeiten und ihre Glaubensinhalte unangetastet zu lassen".

Als Theologe bietet Picker einen Glauben an, den er als Therapeut vertreten zu können meint. Einen Glauben, der nicht von rigiden Vorschriften und von Angstpädagogik bestimmt ist, sondern von dem Satz "Gott ist die Liebe". Die therapeutischen Vorteile gegenüber den bisherigen Glaubensinhalten der Patienten liegen auf der Hand. Nur - ist ein solcher Glaube überzeugend für die Patienten?

Die Schwierigkeiten werden von Picker teilweise gesehen. Er verschweigt nicht, dass der offizielle "Katechismus der katholischen Kirche" (1993) "die alten Positionen der katholischen Sexualmoral" bestätigt.

Zur Autorität dieser Kirche sucht Picker ein Gegengewicht in der Predigt Jesu. Dessen Satz "Der Sabbat ist für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für den Sabbat" hebe "jede restlose Einebnung des Menschen unter einen Gesetzesbuchstaben auf".

Aber kann ein Patient, der unter einem bestimmten Glaubensgebot leidet, wirklich überzeugt sein, dass Jesus auch dieses Gebot nicht als verbindlich ansehen würde? Mit dem Zölibat hatte Jesus zwar nichts zu schaffen, und er sprach sich dagegen aus, Gelübde abzulegen - aber was ist, wenn man das Gelübde einmal abgelegt hat? Gilt dann nicht das Gebot des Alten Testaments (Numeri = 4. Mose 30,3 ff), dass ein Gelübde nicht gebrochen werden darf? Dies Gebot hat Jesus nirgendwo ausdrücklich aufgehoben oder relativiert; er hat sogar pauschal das gesamte "Gesetz" bestätigt (Matthäus 5,17 ff). Mit Sabbat- und Fastengeboten mag es Jesus ja nicht so genau genommen haben - aber was ist mit der Ehe? Ihre Unauflöslichkeit hat Jesus ausdrücklich gefordert, und die Wiederheirat von Geschiedenen hat er als "Ehebruch" gebrandmarkt (Markus 10,2 ff).

Auch von der Angst vor der Hölle bringt Jesu Predigt keine eindeutige Entlastung. Picker verschweigt nicht, dass Jesus eindringlich vor der Hölle warnte. Dann aber erwähnt er Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn und zieht daraus den Schluss, Jesus habe nicht gemeint, dass die Sünder bitter bestraft werden müssten. Aber wie beruhigend kann das sein für Gläubige, die das Wort Jesu kennen, nach dem nur wenige dem Verderben entrinnen werden? (Matthäus 7,13-14)

Sicher, rigide Gebote und Höllendrohungen passen schlecht zu einem Jesus, der alle zu sich einlud, die schwere Lasten zu tragen haben, und versprochen hat, seine Last sei leicht (Matthäus 11,28-30). Aber dürfen Gebote und Drohungen deshalb relativiert werden? Für viele Gläubige kommt das überhaupt nicht in Frage. Gerade Menschen, die durch ihre Glaubensüberzeugungen krank geworden sind, dürften mit äußerster Skepsis reagieren, wenn jemand behauptet, bestimmte Aussagen der Bibel wären eigentlich gar nicht so gemeint, wie sie da stehen. Dass diese Aussagen bei wortgetreuer Auslegung eine schwere Last bedeuten, das sagt ja nichts darüber, ob sie nicht trotzdem von einem bestimmten Menschen namens Jesus genau so für richtig gehalten wurden.

Ein Therapeut mag dagegen Jesu Versprechen anführen, seine Last sei leicht, und deshalb seien die Gebote und Drohungen Jesu so zu verstehen, dass sie nicht zu einer schweren Last würden. Aber dieser Deutung dürften viele Gläubige mit tiefem Misstrauen begegnen. Und keineswegs aus Unbelehrbarkeit. Schließlich gibt es noch eine andere, nicht minder einleuchtende Deutung: Wenn Jesus etwas ausdrücklich verboten hat, etwa die Wiederheirat von Geschiedenen, dann sei sein Versprechen einer leichten Last eben nicht so zu verstehen, dass dies Verbot aufgeweicht würde.

Pickers Idee einer "intuitiven, inneren Kenntnis einer besseren, jesuanischeren Moral" hilft da auch nicht viel. In seinem Innern, in seiner Intuition mag ein Mensch Kenntnisse von einer besseren Moral finden - aber von der eigenen Intuition auf die Moralvorstellungen Jesu zu schließen, wäre pure Spekulation.

Eine ausführliche und ehrliche Diskussion dieser Schwierigkeiten lässt das Buch weitgehend vermissen. So finde ich dort keine überzeugende Antwort auf die Frage, inwieweit der von Picker vorgeschlagene Weg, "an der Gestalt seines Glaubens zu arbeiten" und massive Umdeutungen vorzunehmen, für Menschen gangbar ist, die an glaubensbedingten Krankheiten leiden - oder ob nicht, dem anfänglichen Anschein zum Trotz, ein anderer Weg sich als gangbarer erweist: den Glauben zu lassen, wie er ist, und sich von ihm zu trennen.

In der Auseinandersetzung mit der Problematik glaubensbedingter Krankheiten bietet das Buch einen guten Anfang. Für die Fortsetzung dieser Auseinandersetzung lässt es noch einiges zu tun übrig.
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