Gedichte à la Enzensberger finden sich im 1995 erstmals erschienen Band "Kiosk". Sie kommen wie immer leise daher, sind sprachgewaltig und treffen die Wirklichkeit mitten in ihren Nerv. Mit "Kiosk" legte der Autor wohl das vorläufige Ergebnis seines bisherigen Werks vor: Die Motive scheinen bekannt aus älteren Texten, doch die Gedichte sind noch bedeutungsträchtiger, noch nachdenklicher, manchmal auch verbittert, obwohl heitere Zeilen ebenso vorkommen. Enzensberger, ebenso wie Böll, Grass, Lenz und andere, ein kritischer Beobachter der (deutschen)Verhältnisse, hält sich nicht mit Kritik zurück: Immer wieder werden Krieg und Nachkrieg, aber auch die jetzige Realität aufgegriffen. Dabei sind die Texte weniger politisch als bei Böll oder Grass. Dennoch bleibt Enzensberger auch in den neunziger Jahren ein kritischer und genauer Beobachter der Verhältnisse; sein Gedicht "Altes Medium", in dem er seinen Unwillen, sich der Technisierung der Welt zu beugen, beschreibt, stimmt nachdenklich. Vielleicht wäre die Welt, die Enzensberger in seinen Gedichten heraufbeschwört, ein bißchen besser, wenn unsere Welt besser wäre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)