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5.0 von 5 Sternen
Brillanter Film, 15. September 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kinsey - Die Wahrheit über Sex (DVD)
Die Verfilmung des Lebens von Alfred Kinsey ist gelungen, ohne dem Voyeurismus zu frönen. Die Wandlung von der unfreiwilligen Jungfrau bis hin zum promiskuitiven Sexforscher ist packend und überzeugend, Kinseys problematisches Verhältnis zum Vater wird brillant aufgearbeitet. Seine zunehmend monomane Fixierung auf Sexualität kommt beklemmend deutlich rüber. Kinseys vieljährige Sammlung von Fallstudien wird kurzweilig dargestellt; bei der Fallstudie eines völlig Perversen zeigt schließlich eindrucksvoll, wie sehr sich die ethisch-moralischen Prinzipien von Alfred Kinsey schon gedehnt haben. Dass auf seine wissenschaftliche Hochmut ein tiefer Fall kommt, versteht sich dann fast schon von selbst.
Die schauspielerischen Leistungen sind überzeugend, besonders Laura Linney glänzt in der Rolle als Kinseys Ehefrau. Auch kleine Rollen sind hochkarätig besetzt, so spielt Lynn Redgrave voll zarter Hingabe eine ältere Dame, die Kinsey in einer Phase der höchsten Enttäuschung über sein Lebenswerk das Gefühl gibt, dass ihr Leben viel erfüllter wurde, seit sie Kinseys Erkenntnisse zur Sexualität der Frau gelesen hat.
Ein wirkliches Juwel in der DVD-Sammlung! Und wer noch mehr ins Leben von "Prok" Kinsey einsteigen will, dem sei T.C. Boyles Roman "Dr. Sex" empfohlen.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Man darf doch wohl fragen., 27. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Kinsey - Die Wahrheit über Sex (DVD)
Der Biologe Alfred Kinsey erforscht zunächst Insekten. Seine gefangenen präparierten Exemplare gehen in die Hunderttausende. Doch dafür soll der etwas kauzige Professor nicht weltbekannt werden. Als er seine junge Frau heiratet, kommt es zu Sexproblemen. Ganz Wissenschaftler lässt er sich medizinisch und psychologisch beraten und stellt fest, es gibt eigentlich keine aussagekräftigen verifizierte Unterlagen über dieses für alle Menschen doch wichtige Thema.
Er beginnt eine neue Feldstudie, diesmal an Menschen. Gezielt befragt er so viele Menschen wie er nur kann. Dabei stellt er fest, je größer die gewährleistete Anonymität, desto offener, ehrlicher werden die befragten Menschen. Seine ersten Statistiken verschaffen ihm Anerkennung und finanzielle Unterstützung. Jetzt kann er seine Forschungen auf das ganze Land ausdehnen.
Neben seinem leidenschaftlichen Interesse zeigt der Film auch einen menschlichen Kinsley, der mit seinem Vater hadert und auch mit seinem Sohn Probleme zu haben scheint. Doch er findet seinen Weg mit beiden ein gutes Verhältnis aufzubauen. Ebenso geht es mit seinem Forschungsteam. Diese Aufgabe kann niemand leidenschaftslos erledigen. Entweder das Interesse an diesem Forschungsgebiet entflammt oder der Kandidat ist nicht geeignet.
Ein so heikles Thema und eine so großes öffentliches Interesse werden nicht ungeteilt geschätzt. Gegner aus den unterschiedlichsten Lagern treten auf den Plan. Kritik des Präsidenten, die Homosexuellen mit Regierungsaufträgen nicht zu nennen, Verdacht den Kommunismus zu fördern und schlichtweg Ignoranz, stoppen dann doch dieses grandiose Projekt. Das großzügig sprudelnde Geld versiegt. Neue Förderer wagen es nicht einzusteigen.
Was bleibt ist Schwanengesang. Ein großer Vorausdenker zieht sich in den Kreis seiner Familie zurück.
Der Film ist spannend und melancholisch zugleich. Der freundliche und zugleich naiv, neugierige Kinsley ist beliebt bei seinen Studenten und seinem Forschungsteam. Er ist sorgender Familienvater und die Welt ist sein Labor. Ein großartiges Filmvergnügen, das dem Zuschauer ein Stück zurückliegender, aber immer noch aktueller, Zeitgeschichte zeigt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Sexdoktor, 5. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Kinsey - Die Wahrheit über Sex (DVD)
Der Film 'Kinsey', 2004 von Bill Condon. Mit Liam Neeson in der Hauptrolle ist eine Biographie eines fast vergessenen Wissenschaftlers, der sich vor allem mit dem Tabuthema Sexualität profilierte (und mit seinen Forschungsergebnissen auch die sexuelle Revolution vorantrieb). Eine augenzwinkernde bis tragische Abhandlung über den verklemmten Amerikaner. Prisma-Online dazu:
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Da Alfred C. Kinsey als Kind unter seinem mürrischen, völlig freudlosen Vater litt, steigert er sich als Erwachsener immer mehr in seine akademischen Forschungen hinein. Zunächst wird Kinsey eine Koryphäe unter den Insektenkundlern. Doch später hat es ihm vor allem die menschliche Sexualität angetan. Mit einem Stab an Helfern wird seine umfangreiche Studie zum Sexual-Verhalten des Mannes berühmt. Doch damit zieht er nicht nur den Ärger mächtiger Konservativer auf sich, er muss seine Offenheit mit einer deftigen Ehekrise bezahlen...
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Kinsey war in den USA der fünfziger Jahre also das, was Oswald Kolle in den sechziger Jahren in Deutschland war, ein Aufklärer in Sachen Sex. Um seinen prüden Vater nicht allzu sehr zu schockieren, studierte der junge Kinsey zuerst Biologie mit der Fachrichtung Entomologie, wurde Professor und sammelt Millionen von Wespen. Als dann aber immer mehr seiner Studenten sich mit ihren sexuellen Problemen an in wandten und Rat von ihm wollten, wechselte er sein Fachgebiet und wurde zum besessenen Forscher auf dem Gebiet. In den Büchern aus dieser Zeit fand er eigentlich nur Mist zum Thema Sex. Hier ein Auszug:
Zitat:
Handbuch der amerikanischen Pfadfinder:
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'Jeglichen Bedürfnis, einen Samenerguss herbeizuführen, muss entgegengewirkt werden. Nach Einschätzung von Ärzten führt die zu Erkrankungen, wie Hirnerweichung, Blindheit, Epilepsie und sogar zum Tod!'
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Zitat:
Die vollkommene Ehe, ihre Physiognomie und Technik:
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'Oraler Kontakt, welcher als Stimulanz Verwendung findet, ist pathologisch und kann zu Verletzungen führen, wenn er zum Orgasmus führt. Sexuelle Erregung sollte niemals mit Hilfe der Hände hervorgerufen werden. Es gibt nur einen Finger der Liebe, der sich den weiblichen Genitalien nähern darf und das ist einzig das männliche Geschlechtsorgan!'
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Kinsey war erschüttert über soviel Blödsinn und begann mit einer eigenen Feldforschung, die sehr viel offener an das Thema Sex herangingen. Kinsey selbst trieb sich nachts sogar in den Schwulenbars herum, um auch über diese Seite der Sexualität fundiert schreiben zu können. Als er dann sein erstes Buch, den Kinsey-Report geschrieben hatte, in dem er sich mit der Sexualität amerikanischer Männer befasst hatte, wurde das Buch ein Bestseller und sein Verleger liebte ihn dafür. Als er dann aber den Kinsey-Report über die weibliche Sexualität herausbringt, wendet sich das Blatt und man verhöhnt ihn und erklärt ihn zum 'Selbsternannten Messias der sexuell Diffamierten' und er wird auch von Kommunistenjäger, Senator McCarthy gejagt.
Soviel zu den historischen Hintergründen und damit verrate ich ja nichts Neues aus dem Film.
Der Film bietet mit Liam Neeson einen grandiosen Kinsey, der ausgerechnet mit Tim Curry aus der *Rocky Horror Picture Show* einen recht bösartigen und verklemmten Gegenspieler hat. Wenn man diesen Film gesehen hat, dann wird einem auch klar, warum in dem Amerika von heute, 50 Jahre später, sogar ein Stinkefinger, der in einer Talkshow gezeigt wurde, mit einem schwarzen Balken versteckt wird.
Das *Land der unbegrenzten Möglichkeiten* ist einfach nur unbegrenzt prüde, ob nun 1955 oder im Jahr 2005 und mit einem Präsidenten wie Bush wird sich daran auch nichts ändern.
Meine Wertung für den Film ist 9/10, denn ich finde ihn recht unterhaltsam und auch sehr lehrreich. Außerdem hat er meine Meinung über die Verlogenheit der 'Political Correcness' in den prüden USA nur bestätigt.
Meine Wertung für den Film ist 9/10, denn ich finde ihn recht unterhaltsam und auch sehr lehrreich. Außerdem hat er meine Meinung über die Verlogenheit der "Political Correcness" in den prüden USA nur bestätigt. Wenn man dazu bedenkt, dass heute, über 60 Jahre nach Kinsey die Mehrheit männlicher Amerikaner einen Wet Shirt Contest für den Höhepunkt der Erotik halten, müsste der 1956 verstorbene Kinsey glatt wieder auferstehen und sein Land noch mal erziehen...
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