Es beginnt wie im Märchen. Hoch im Norden, ein Mann spricht in einer Bar eine Frau an. Er ist Forscher und sucht für einen einjährigen Aufenthalt in der Einsamkeit im Norden von Spitzbergen eine Begleiterin. Er will Eis, Flora und Fauna beobachten und experimentieren.
Während er ähnliches schon allein bewältigt hat, ist es für die Frau das erste Mal, dass sie so lange ohne den für den normalen Mitteleuropäer selbstverständlichen Komfort in der Einsamkeit leben wird. Dadurch, dass sie schon einige Zeit im Norden lebt, ist es für sie eher einschätzbar, als für den Leser, den schon das "Stadtleben" im Norden exotisch anmutet. Die Schilderung des Alltags ist interessant, liest sich flüssig und leicht und machte mich neugierig auf mehr Erfahrungsberichte aus Teilen der Welt, die mir vorher fremd und wenig interessant erschienen.
Das Buch ist ein Mittelding zwischen Biografie und Liebesgeschichte. Gerne hätte ich manches detaillierter lesen wollen, z.B. die alltäglichen Beschwerlichkeiten, sei es Feuermachen, Ausrüstung schleppen, Bären verjagen und vor allem die damit verbundenen Gefühle besser dargestellt gehabt. Aber die Autorin schreibt ja gerade, dass es ihr sehr schwer fiel zu lernen über Gefühle zu sprechen.
Als Liebesgeschichte ist es mir deshalb zu wenig tiefgründig, aber ein interessanter und empfehlenswerter Tatsachenbericht ist es allemal.