...muss meiner Ansicht nach The Kings Speech bei der diesjährigen Oscar-Verleihung werden. Ich habe den Film in einer Vorpremiere im Originalton gesehen. Für mich ist er die gelungenste Mischung aus einer faszinierenden menschlich anrührenden Geschichte mit erstklassigen Darstellern, einer bis ins Detail originalgetreuen Dastellung der Zeitumstände und einem Spitzensoundtrack.
Zur Story: Albert, Duke of York, hatte keine leichte Kindheit. Als Sohn des englischen Königs ist er dem strengen Erziehungideal der englischen High Society ausgesetzt. Statt Anerkennung für seine eher künstlerischen Neigungen erntet er noch Spott und statt mit Elternliebe wird er von einer distanzierten fast schon sadistischen Nanny erzogen. Sein Bruder, der Thronfolger, ist stets bereit den Jüngeren zu demütigen. Besonders gravierend ist, dass der Junge obwohl geborener Linkshänder mit Gewalt auf Rechtshändigkeit umerzogen wird. Als Folge wird Albert zum Stotterer. Diese Sprachstörung isoliert ihn noch mehr, denn nun ist er nicht mehr in der Lage, die wichtigste Funktion der Monarchie, öffentliche Reden, wahrzunehmen.
Erst als Albert Elizabeth, seine große Liebe, kennenlernt und heiratet, erfährt er Hilfe. Seine Frau nimmt Kontakt mit Lionel Logue auf, einen selbstausgebildeten Sprachtherapeuten. Logue ist Australier, hat keine medizinische Ausbildung und pflegt unorthodoxe Methoden. All das reicht, um das medizinische Establishment ob der Wahl diese Therapeuten in Wut zu versetzen und ihn als Quacksalber zu verunglimpfen. Doch Albert und seine Frau vertrauen Logue und seinen Methoden, die schon bald Erfolge zeigen.
Da bricht über die britische Monarchie eine ihrer größten Krisen herein. Alberts Bruder, inwischen König Edward VIII., verliebt sich in die geschiedene Amerikanerin Wallys Simpson und muss abdanken, wodurch Albert, völlig unvorbereitet auf diese Rolle, zum König George VI. wird.
Wir schreiben das Jahr 1936 und George VI wächt in den folgenden Jahren an seiner Aufgabe. Doch dann steht er 1939 vor seiner gößten Bewährungsprobe. Als Großbritannien in den Krieg eintritt, muss er eine Radioansprache halten, die sein Volk für den Kampf motiviert...
Die Beziehung von Lionel Logue und Albert bzw. George VI. ist nicht nur die eines Therapeuten und seines prominenten Patienten. Es ist auch die Gechichte einer Freundschaft, die dem König hilft, seine Kindheitstraumata und seine Ängste zu überwinden. Das ist keine Wunderheilung, sondern ein langandauernder Therapieprozess mit Rückschlägen, der über das ganze Leben der beiden andauern wird. , Wichtig ist auch die Rolle von Alberts Frau Elizabeth (der späteren Queen Mum), die mit ihrem eisernen Willen und ihrer bedingungslosen Liebe den Therapierfolg erst möglich macht.
The Kings Speech ist ein bewegendes Drama, das vor einem ernsten historischen Hintergrund das Drama eines Mannes schildert, der sich einer Herausfoderung stellt und diese gegen alle Widerstände überwindet. Der Film basiert auf dem Buch von Lionels Enkel Mark Logue der Akten und Tagebüchern seines Opas ausgwertet hat. Ursprünglich als Theaterstück konzipiert ist The Kings Speech ein Darstellerfilm: Hier tragen die Schauspieler die Geschichte. Die Verfilmung entwickelt eine ungeheure Dramatik, bei der der Zuschauer mitzittert, ob der junge König es tatsächlich schaffen wird, seine Sprachhemmung zun überwinden. Colin Firth schafft es, diesen inneren Konflikz mit wenig Gesten und einer zurückhaltenden Mimik überzeugend darzustellen. Für mich die beste Leistung dieses Schauspielers. An seiner Seite überzeugen Geoffrey Rush als Therapeut Logue und Helena Bonham Carter als Königin Elizabeth.
Was man dem Film deutlich anmerkt, ist dass alle Beteiligten hier Herzblut investiert haben, um den Film zu realisieren. Besonders Drehbuchautor David Seidler, der auch das ursprüngliche Theaterstück geschrieben hat, liegt das Thema sehr am Herzen: Er ist selbst Stotterer gewesen.
Fazit: Authentisch, dramatisch - ganz großes Kino.