Zunächst muss ich gestehen dass ich aus reinem Zufall auf den jungen Mann hier aufmerksam geworden bin. Beim Durchzappen diverser Kanäle blieb ich für einen kurzen Moment auf MTV hängen. Total verwundert - dass dort mal keine Altrocker/Altrapper zu sehen sind, die mit menschlichen Plastikersatzteillagern versuchen Fernsehunterhaltung aus der Gosse heraus zu generieren - sah ich dort einen jungen Mann der eine fröhlich herrliche Melodie zum Besten gab. "Sticks and Stones" von Jamie T. Das machte mir schlagartig Lust auf mehr. Also ab ins Netz und sich mal eben informiert - mp3 Album bestellt und lösgehört.
Was einem auf diesem und Jamies Debutalbum "Panic Prevention" soundtechnisch erwartet, kann man gut und gerne als bunten Gemüsegarten bezeichnen. Und eines Vorweg: Tomaten mit Birnen und Zwiebeln haben wohl noch nie so gut geschmeckt wie hier! Anders kann man die Genremischung einiger Tracks einfach nicht beschreiben. Stellenweise schmeisst er Akustikgitarren, Synthis, Beats, Gesang und Rap in den Topf, rührt einmal um und was dabei rauskommt ist schlicht grandios. Dann das gleiche mit einem verdammt flotten Beat dazu ein Sample, eine E-Gitarre, verzerrte Stimme und wieder: ES SCHMECKT HERRLICH!!!
Und im Gegensatz zu vielen anderen Musikern die sich an einem Genremix versucht haben und am "Schweizer-Taschenmesser-Syndrom" (alles machen wollen aber dann nichts richtig hinbekommen und gnadenlos versagen) scheiterten, kann Jamie T. hier vom ersten bis zum letzten Track überzeugen. Das hat mich wirklich überrascht. Und damit nicht genug. Ich persönlich empfinde ein Album als perfekt wenn ich es von vorne bis hinten durchhören kann ohne auch nur auf den Gedanken zu kommen, einen Track zu überspringen. Weiss Gott, das kommt sehr selten vor - die letzten Male waren "American Idiot" von GreenDay und das Debutalbum von The Gaslight Anthem - aber das hier ist wieder eines dieser seltenen Stücke.
Vor allem Leute die nicht ein einzelnes Musikgenre anbeten als wäre es das Einzige der Welt, werden hier absolut auf ihre Kosten kommen. Und wenn man noch ein paar Euro über hat, dann sollte man sich gleich noch "Panic Prevention" mitbestellen. Das klingt zwar um einiges rauer und dreckiger - was daran liegt, dass es (Mythos oder Wahrheit) komplett im heimischen Wohnzimmer aufgenommen wurde - ist aber trotzdem oder gerade deswegen ein Stück akustisches Gold. Und der Goldpreis ist momentan ja unter der Decke. Also: Beide Alben sind somit eine lohnende Investition.