...sollte diese Platte darstellen, als Toto sich Anfang der Neunziger erneut ins Studio begaben; man hatte soeben den dritten Leadsänger nach Bobby Kimball, Jean-Michel Byron, vor die Tür gesetzt und der typische Toto-Sound der Achtziger sollte nun rockigeren Klängen weichen, nun mit Gitarrist Steve Lukather als Leadsänger, eine Funktion, die er schon vorher sporadisch ausgeübt hatte.
In der Tat wurde "Kingdom of Desire" dann ein Neuanfang, aber eben nicht nur in der oben geschilderten Art, sondern auch auf ganz tragische Weise: Drei Monate vor der Veröffentlichung des Albums starb Gründungsmitglied und Drummer Jeff Porcaro Anfang August 1992 an einem Herzanfall, den er durch eine allergische Reaktion auf ein Pestizid, das er in seinem Garten benutzte, erlitt. Dieser riesige Verlust, der später durch die Verpflichtung des britischen Ausnahme-Drummers Simon Phillips zumindest partiell kompensiert wurde, ist auf der Platte musikalisch noch nicht zu spüren; lediglich auf dem Cover findet man eine Widmung für den Verstorbenen.
Toto, zum Quartett in der Besetzung Steve Lukather (Gitarre/Vocals), Jeff Porcaro (Schlagzeug), Michael Porcaro (Bass) und David Paich (Keyboards/Vocals) gesundgeschrumpft, legen hier ihr bestes Album seit "Toto IV" vor.
Schon der Opener "Gypsy Train" ist Rock pur, und man fragt sich erstaunt: "Das soll Toto sein?" Es folgt die erste Singleauskopplung "Don't chain my Heart" mit einem der stärksten Bass-Riffs, die ich in den letzten Jahren gehört habe. Rockig geht es weiter mit "Never enough" und "How many Times", bevor dann mit "2 Hearts" die erste Ballade und dritte Singleauskopplung des Albums folgt. Jeder eingefleischte Toto-Fan weiß, daß Balladen die besondere Stärke der Gruppe waren und sind; so verhält es sich auch hier. Es schließt sich der m. E. schwächste Titel "Wings of Time" an, den jedoch die folgenden Stücke absolut vergessen machen: das bass-betonte "She knows the Devil", die wunderbaren Balladen "The other Side" und "Only you" (zweite Singleauskoplung) sowie ganz besonders das monumentale Acht-Minuten-Titelstück "Kingdom of Desire", ein Rocksong, bei dem Toto sich selbst übertreffen. Sozusagen zum "Runterkommen" folgt dann noch das Instrumentalstück "Jake to the Bone".
Was soll man also zu dieser Platte sagen? Sie rockt durch und durch! Leider haben die verbliebenen Mitglieder der Gruppe nach dem Tod ihres Drummers diese Linie nicht weiterverfolgt, sondern mit "Tambu" andere Wege beschritten.
Trotzdem ein Ausnahmealbum von vier Ausnahmemusikern! Daher trotz einiger winziger Schwächen 5 Sterne.
Ich kann nur beten, daß Toto jetzt, da sie nach der Rückkehr von Bobby Kimball wieder zu fünft rocken, weitermachen...bei all dem Einheitsbrei in den Charts wäre das ein wahrer Segen.