Nach der Bekanntgabe von Jay-Z's Rücktritt war der Aufschrei groß und da er mit einer wahrlich großartigen Platte, "The Black Album", abtrat, war das Bedauern umso größer. Durch Zusammenarbeiten mit R. Kelly und Linkin Park verschwand der Jigga jedoch nicht von der Bildfläche und so war es auch keine all zu große Überraschung mehr, als 2006 das offizielle Solo Comeback gestartet wurde. "Kingdom Come" ist der Name dieses Werks, ein sehr selbstbewusster Titel, den Jay-Z auch in seinen Lyrics bestätigen wird, doch wenn man bedenkt welche Massen ein Jay-Z erreicht, sicher auch gar nicht so weit her geholt. Des Königs Gefolge stellt sich bei "Kingdom Come" aus folgenden Producern zusammen: Just Blaze, DJ Khalil, Dr. Dre, The Neptunes und Swizz Beatz... sehr vielversprechend. Die Features hingegen dürften jedoch so manchen abgeschreckt haben. Usher, Ne-Yo, John Legend, Chrisette Michelle oder Beyoncé sind die Namen der Gäste. Klingt nach viel Soul und tatsächlich ist auch der Sound der Platte dementsprechend ruhiger und reifer. Wer also viele Banger erwartet, dürfte eher enttäuscht werden.
Nach "The Prelude", das das Album kurz und unspektakulär eröffnet, bekommt man drei Just Blaze Produktionen auf die Ohren, die sich gewaschen haben. "Oh My God" macht hier den Anfang, wirkt etwas hektisch, aber auch energiegeladen und kann deshalb mitreißen. Eine zusätzliche Schippe wird mit dem Titelsong "Kingdom Come" drauf gesetzt. Hierfür verwendete Just Bleezy ein Sample von Rick James' Klassiker "Superfreak", das einst auch schon MC Hammer zu Ruhm und Ehre verhalf. Zusätzlich kommen noch schräge Synthie Effekte, die dem Ganzen eine sehr freshe Note verpassen und zusammen mit Jay-Z's souveränem Flow daraus einen der Hits des Albums machen. Die Single "Show Me What You Got" dürfte dem ein oder anderen sicher ein Begriff sein. Auch sie ist ein echter Hammer, dank Massen an akustischen Instrumenten wie Trompeten, Piano und ganz Besonders einem Saxophon entsteht eine traumhafte jazzy Soundkulisse, die Jay-Z schon fast vergessen macht, doch gerade der Jigga heizt uns richtig ein, sodass einen das Gesamtpaket wirklich packt.
Wer Dr. Dre kennt, der erwartet Smashes wie "In Da Club" oder "How We Do", umso überraschender, was bei "Lost One" herauskam. Schlicht und bescheiden kommt der Song rüber, lediglich ein Beat, der sich eher nach Clap anhört und ein entspanntes Klavierstück begleiten J-Hova und R'n'B Sternchen Chrisette Michelle, die beide wunderbar performen und zeigen, dass auch die ruhige und erwachsene Seite eines Jay-Z zu überzeugen weiß. Fortgeführt wird dies mit "Do U Wanna Ride", ein Titel, der in Zusammenarbeit mit Kanye West und dessen Schützling John Legend entstand. Kanye's Produktionen waren zu diesem Zeitpunkt noch wesentlich wärmer und souliger als heute und so ist auch dieses Stück ein wunderbarer Mix aus emotionalen Melodien und einer eindringlichen Drum, was dafür sorgt, dass sich das Stück angenehm, aber dennoch bestimmt im Gehör festsetzt und man die Grooves einfach nur noch genießt. Nicht minder gut kommt der entspannte DJ Khalil Jam "I Made It" um die Ecke. Wieder einmal sehr viele Instrumente mit dabei, ein nicht all zu hohes Tempo, Jay-Z erzählt uns dass er es geschafft hat, insgesamt eine Kombination, die nicht für Spektakel steht, sondern für relaxtes Zuhören.
Wie man es von den Neptunes kennt, ist ihre Produktion "Antything" mit viel Elektronik entstanden. Tiefe und kühl wirkende aber auch recht freshe Synthesizer Sounds lassen besonders Feature Usher gut aussehen, aber auch ein Jigga lässt wie immer nichts anbrennen. Zusammen mit Beyoncé bildet Jay-Z das Glamourpaar der Hip Hop Szene. Schon früher haben die beiden ja einige Songs zusammen rausgebracht, doch erst "Hollywood" passt so wirklich zu dem Status der beiden. Flashy, bunt und aufdringlich - so wirkt besonders der Refrain von Beyoncé, die ihre kraftvolle Stimme so gut einsetzt, das man fast das Gefühl hat bei einer pompösen Live-Show dabei zu sein. Die Strophen sind etwas ruhiger gehalten, da kann jedoch dann Jay-Z mit schnellen Raps punkten. Viele dürften von Dr. Dre's Produktionen auf diesem Album enttäuscht sein, da sie doch eher ruhig sind und wirkliche Hits vermissen lassen. Auch "Trouble" oder "Minority Report" (feat. Ne-Yo) zählen dazu. Diese sind wie die Vorgänger nicht so wirklich das Gelbe vom Ei, dennoch nicht misslungen und passen durch ihre Art dann doch recht gut zum Rest des Albums. Nachdem man das brachiale "Dig A Hole" (feat. Sterling Simms) durch den Speaker gejagt hat sorgt nur noch ein Song für Aufsehen. Passenderweise ist es mit "Beach Chair" der letzte. Tiefe Beats gepaart mit unglaublich freshen und begeisternden Elementen aus dem Synthesizer lassen eine Gänsehautatmosphäre aufkommen, Jay-Z hat teilweise einen Flüsterstyle drauf, der dazu passt, das Highlight ist jedoch Chris Martin, der mit seiner einmaligen Stimme den Track und damit auch das Album perfekt abrundet.
Bei wohl keinem anderen Jay-Z Album dürften die Meinungen so auseinandergehen, wie bei "Kingdom Come". Enttäuschungen kommen vielleicht daher, dass man mit den falschen Erwartungen an das Album herantritt. Gerade bei den Beats von Dr. Dre muss man nachsichtig sein und Zugeständnisse machen. Generell ist dieser eher erwachsene und abgeklärte Style der Platte sicher nicht für jeden geeignet, daher sollte man sich vor dem Kauf am Besten noch einmal die Singles und die Snippets zum Album anhören um sicher zu gehen, dass man auch das bekommt, was einen zufriedenstellt.