Man muß nicht zwingend irgendwo zwischen Santa Monica Pier und Venice Beach abhängen, um diese Musik genießen zu können - spätestens seit Quentin Tarantino Dick Dale's "Misirlou" als Begleitmusik für die Opening Credits seines Erfolgfilms "Pulp Fiction" erwählte, erlebte der 'Surf Sound' auch in Deutschland seine Renaissance. Es wird gesagt, daß der Sound seine Geburtsstunde mit der Veröffentlichung der Platte "Let's Go Trippin'" von Dick Dale & His Del-Tones erlebte (September 1961, 2 Monate vor "Surfin'" von den Beach Boys) ... und genau das Stück ist der Opener auf dieser Best Of-CD des 'King Of The Surf Guitar'. Der beliebte Klassiker "Misirlou" in der bekannten Version (es gibt tatsächlich mehrere Fassungen) ist in dieser Zusammenstellung natürlich ebenfalls enthalten, an Tempo, wie Dynamik mithalten können aber ebenfalls Dale's Versionen der Klassiker "Hava Nagila" und "(Ghost) Riders In The Sky", sowie "Night Rider" und "The Victor". Weitere Surf-Highlights stellen die Stücke "Shake'n'Stomp", "Banzai Washout", "Surf Beat" und "The Wedge" sowie auch das etwas 'glattere' "Tidal Wave" dar, zu Klassikern in Dick Dale's Musik-Historie zählen ebenfalls "Mr. Peppermint Man" (auf dieser CD in der Vocal-Version zu hören), "Mr. Eliminator" und natürlich "King Of The Surf Guitar" (in einer Female-Vocals-Version). Durch sein dynamisches, staccatoartiges Gitarrenspiel kreierte Dale in der ersten Hälfte der 60er einen neuen Sound, initiierte eine neue Bewegung, die auch spätere Gitarristen beeinflußte (der Musik-Historiker wird sich an den detaillierten, im CD-Booklet abgedruckten Informationen erfreuen können), doch auch die Leistungen seiner Del-Tones dürfen, im Sinne des musikalischen Gesamteindrucks, nicht unerwähnt bleiben ... was wären die Stücke wohl ohne die Kondition des Drummers oder viel zu oft auch ohne den ebenfalls stilprägenden Saxophon Sound? Die signifikanten Highlights der entscheidenden Jahre - A- und B-Seiten von Singles sowie LP-Auskopplungen - wurden für diese CD zusammen getragen, zusätzlich gibt es zwei spätere Aufnahmen zu hören, die Dick Dale in den 8oer Jahren, im Zuge seines Comebacks, einspielte - darunter eine Cover-Version des Chantays-Klassikers "Pipeline", zusammen mit Stevie Ray Vaughan.
Wer die perfekte CD zum Einstieg in die Welt des Surf Sounds sucht, hier ist sie! Wer bereits einige CDs dieser Musikrichtung besitzt und nach mehr sucht: Diese CD ist die perfekte Bereicherung. Und eine perfekte Alternative stellt diese CD ebenfalls für jeden Rock'n'Roll-Hörer dar, der zwischen Chuck Berry und Elvis, Bill Haley und Little Richard, sowie über Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Johnny Kidd & The Pirates und Eddie Cochran hinaus schon das gröbste sein eigen nennt, dem die Beach Boys zu soft sind und der immer noch etwas origenelles sucht, das 'fetzt'.
Dick Dale & His Del-Tones waren originell und sind daher zeitlos gut geblieben, darüber legt der sorgfältig ausgewählte Audio-Inhalt dieser CD eindeutig Zeugnis ab. Die Musik ist deshalb Musikhörern mit ganz unterschiedlich ausgeprägten Geschmacksrichtungen zu empfehlen ... das Surfboard ist dabei keine so wichtige Ergänzung, vielmehr eine gute Anlage. Diese Scheibe macht richtig Spaß!
-- theSilentNoirFreak