Mit diesem Album hätte damals der Durchbruch kommen sollen - müssen. Songwriting, Spielfreude und Produktion befinden sich auf einem absoluten Höhepunkt, doch im Vergleich zum nicht minder famosen "Faith Hope Love" ist das Spektrum der Emotionen noch breiter und tiefer geworden. Vergleichbare Bands sind mir im Laufe der Jahre nur äußerst wenige begegnet, und für das selbstbestitelte Album muß man die Karten Soundgarden und Beatles ziehen, denn ähnlich wie beispielsweise bei "Badmotorfinger" oder dem "White Album" werden hier musikalisch wie inhaltlich alle Register gezogen. Der Opener "The World Around Me" ist speedmäßig fast schon im Punkrock anzusiedeln, besticht aber durch das King's X-Trademark des Harmoniegesangs. "Prisoner" bringt dann bereits alle Qualitäten des Albums und der Band auf den Punkt: Harter und trotzdem flüssiger Sound, Ohrwurmmelodien, satte Satzgesänge, die soulige Stimme von Doug Pinnick und ein Solo zum Dahinschmelzen... Perfekt. Jeder weitere Song hebt eine neue Facette im Schaffen dieser sträflich unterbewerteten Band hervor: Bei "The Big Picture" legt Pinnick seine wohl großartigste Gesangsleistung vor, "The Chariot Song" besticht durch einmaliges Speed-Gospel-Feeling, "Not Just For The Dead" glänzt mit Ty Tabors Sitar-Einsätzen und einem effektvollen Zusammenspiel der beiden Gesangsstimmen, während "What I Know About Love" einfach nur umwerfend ist. Und wer nach all dem immer noch nicht überzeugt ist, der höre sich bitte wenigstens "Dream In My Life" an, denn soviel Glaube, Liebe, Hoffnung war nie. Ein absoluter Klassiker.