Die Kritik vorweg: wenige kleinere Rechtschreib- bzw. Typofehler haben's in die Druckversion geschafft, allerdings nicht störend.
Ansonsten ist das Buch sehr gelungen. Wer gerne Wirtschaftsbücher bzw. Biographien erfolgreicher Unternehmer liest, wird dieses gut formulierte Buch mögen. Es bietet einige interessante, bisher weitgehend unbekannte Informationen, z.B. Öl für Israel von wirklich überraschender Herkunft, oder die Finanzierung afrikanischer Staaten durch Ölgeschäfte über mehrere Ecken. Eine detaillierte Anleitung über den Ölhandel kann und will das Buch dagegen nicht sein; der Rahmen dieses Geschäfts wird aber natürlich beschrieben.
Die Person Marc Rich wird in allen Facetten beleuchtet: der Aufstieg, z.B. wie er beinahe im Alleingang den Ölmarkt, wie wir ihn heute kennen, erschaffte (früher war dieses Geschäft in der Hand der 7 größten Erdölunternehmen, die späteren OPEC-Staaten hatten damals quasi nichts zu sagen), oder sein Privatleben. Insbesondere wird auch die Jagd der USA auf den (angenblichen) Steuersünder und dessen spätere Begnadigung eingegangen. Ob er wirklich der "größte Steuerhinterzieher der US-Geschichte" war, oder ob die USA etwas über das Ziel hinausschossen, kann der Leser nach der Lektüre selbst beurteilen, soweit das in diesem Rahmen möglich ist. Rich äußert sich im Buch quasi erstmals überhaupt "öffentlich" zu den Vorwürfen.
Das Buch erzählt nicht nur eine strahlende Geschichte, denn sowohl Herkunft (Flucht vor dem Nationalsozialismus) als auch die "Steuerhinterziehung", das geschäftliche Aus, seine Ehen, und vor allem der Krebstod der (in den USA für Rich nicht besuchbaren) Tochter werfen mehr oder weniger große Schatten auf das Leben dieses Milliardärs. So fragt ihn Autor Ammann am Schluss: "Sie müssen ein glücklicher Mann sein." - und der 75jährige antwortet: "Manchmal."