Der NME spendierte Salem vor einigen Wochen ein ausführliches Feature und eine sehr gute Rezension ihres Erstlings King Night. Zu Recht, denn Salem sind momentan die wohl wichtigsten Repräsentanten von Witch House (oder Chillwave oder wie man diese Musikrichtung sonst noch labelt), und auch wenn sie diesen Sound nicht allein erfunden haben, ist er doch so innovativ, daß er den Hörer überrascht. Salem sind Heather Marlatt, John Holland und Jack Donoghue und ihr Sound ein schwer einzuordnender Mischling mit Erbgut aus Dubstep und Grime in der Ahnenreihe, dazu ein wenig Ambient, Synthie und Shoegaze. Klingt komisch? Klingt phänomenal!
Schleppend und von wummernden, zerrissenen Bassläufen vorangeschoben, wabern die schweren Melodien aus den Boxen, dazu singt Heather Marlatt mit fast überirdisch zarter Stimme (und gibt der Musik einen manchmal fast choralhaften Charakter) und verhindert so, daß die grundsätzlich düstere Atmosphäre von King Night zu sehr ins Dunkle abdriftet. Wenn Jack Donoghue auf (zum Glück nur wenigen) Tracks mit elektronisch verzerrter Stimme zu rappen beginnt, ist das allerdings gewöhnungsbedürftig - aber Salem verzeiht man selbst diese Monstrosität, denn auch hier sind die Melodien so düster-schön, daß Donoghues an sich schauderhaftes Gebrabbel mit der Musik zu verschmelzen scheint und somit Teil des finsteren Ganzen wird. Insgesamt ist der Charakter von King Night also ziemlich rauh und schwermütig, aber Marlatts Gesang und ein paar clevere Synthie-Schleifen verströmen Optimismus und schaffen Lichtblicke.
Habe mich lange nach einer Platte wie dieser gesehnt, die sperrigen Grime mühelos mit anderen Elementen vermischt und einen so schrägen, innovativen Sound abliefert. Schlimm ist allerdings das Cover- habe selten ein abgedroscheneres Artwork gesehen.