Es gibt eine Logik der Fülle und eine Logik des Mangels, eine Logik Gottes und eine Logik der Welt. Die eine Logik sagt, dass man dem zu geben hat, der es verdient, die andere, die Göttliche, gibt dort am meisten, wo es am meisten gebraucht wird. Die eine vergibt dem Reuigen, die andere hat schon vergeben, bevor darum gebeten wurde. Die eine belohnt den Wohltäter, die andere nimmt Leid und Kummer auf sich, um den anderen, den Nächsten, zu erlösen und damit Ausdruck zu sein für die göttliche Fülle, die in ihr selbst wohnt.
Die göttliche Logik ist das tiefe Geheimnis aller Religionen, auch des Christentums, und sie ist ein Geheimnis, das seit Jahrtausenden öffentlich gepredigt wird und doch niemandem bekannt ist, weil niemand es wagt, an ihre - frohe - Botschaft zu glauben. Ganz wenigen Menschen ist es gelungen, zur Erkenntnis ihrer Wahrheit hindurchzubrechen. Die meisten davon haben nie öffentlich von sich reden gemacht. Und ganz selten einmal hat die Logik der Liebe, der Fülle, des überfließenden göttlichen Reichtums auch die großen Massen in Bewegung gesetzt. Im 20. Jahrhundert haben Gandhi und Martin Luther King z.B. diese Prinzipien zu den Prinzipien ihres gewaltlosen "Kampfes" gegen das Unrecht gewählt - und millionen Menschen sind ihrem Charisma (im ursprünglichen Wortsinne) gefolgt. King hat viel von Gandhi gelernt, dieser wiederum las bei Tolstoi, was jener sich von der Lehre Jesu angeeignet hatte. Hinzu kamen die hinduistischen Prinzipien von Reinheit und Gewaltlosigkeit - Satyagraha und Ahimsa. Gandhi und King andererseits dienen heute dem Dalai Lama als inspirierendes Beispiel...
Wer also von King, seinem Leben, seinem Kampf, seinen Prinzipien, seinem tiefen und wahrhaftigen christlichen Ethos liest, gerade in dieser Monographie, in der er auch reichlich in Selbstzeugnissen zu Wort kommt, lernt eine goldene Lehre kennen, wie sie noch, immer noch, selten zu finden, selten verwirklicht ist auf dieser Welt. Möge es so sein, dass das Beispiel das Gandhi und King einst gaben, kein glücklicher Irrtum, kein bloßer "Unfall" im grausamen Getriebe der Welt, wie wir es sonst nur allzu gut kennen, war - sondern dass sie ein Vorgeschmack waren auf künftige, glücklichere Zeitalter, in denen jene schöne Lehre, jenes "Evangelium", das den meisten einfach "zu schön ist um wahr zu sein", eine Selbstverständlichkeit darstellen wird...
Bliebe zu sagen: "I have a dream..."